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Smart Living im Firmengebäude "Viel ist auch Forscherdrang"

Elektrotechniker Florian Schneider erklärt im Interview, wie er sein neues Firmengebäude mit smarten Funktionen ausgestattet hat. Für den Geschäftsführer von Elektro Schneider aus Kißlegg ist das Haus Übungs- und Präsentationsobjekt.

DHZ: Welche Systeme haben Sie in Ihren Neubau in Kißlegg integriert?

Schneider: Wir nutzen das her­steller­unabhängige, offene BUS-System KNX und einen Homeserver von Gira, der die zentrale Intelligenz-Schnittstelle sein soll. Über KNX soll vom Handy aus dieses System gesteuert oder komplexe Logiken abgerufen werden können. Wir selbst haben auch einige Module programmiert, die die Telefonanlage, Videoüberwachung und Zutrittskontrolle an den Homeserver anbindet. Wir können also über Telefontasten Dinge im Haus schalten, zum Beispiel das Öffnen von Türen. Wir können aber auch über eine IP-Kamera Alarm auslösen im Haus, wenn jemand Unbefugtes im Haus erkannt wird. Der Homeserver löst dann über BUS zum Beispiel Alarm und Türenschließungen aus. Ebenfalls drin ist eine Präsenzerfassungslogik, die sieht, ob Büros belegt sind.

Florian Schneider

Schneider: Wir haben sogar Mikrobewegungsmelder, die erkennen, ob sich jemand am Schreibtisch befindet, aber auch automatisch die Tür verriegelt, wenn ein Büro leer ist. Solange jemand da ist, ist die Tür zu öffen. Wenn das Büro leer ist, lässt es sich nur über Fingerabdruck öffnen. Das ist aber ein zusätzliches Projekt, das eher in Richtung "Jugend forscht" geht. Man muss halt ausprobieren, was wirklich funktioniert.

DHZ: Wie hoch ist denn der Unsicherheitsfaktor? Gibt es da auch Überraschungen?

Schneider: Immer. Und es gibt auch fast immer Lösungen. Probleme gab es etwa bei der Personenerfassung. Wenn ich das in einem Büro mit acht Leuten mache und zwei Personen sitzen Rücken an Rücken und einer von ihnen hat seinen Stuhl nicht vor den Schreibtisch gestellt, kann es passieren, dass die dem Melder mit dem Rücken zugewandte Person erfasst wird und nicht derjenige, der vor ihm sitzt. Hier stellt sich dann die Frage, wie lange halte ich die Präsenzzeit und nach wie langer Nichterfassung ist jemand tatsächlich weg.

DHZ: Was genau ist das Ziel der Ausstattung?

Schneider: Zum einen ist es Forschungsdrang. Ich möchte damit auch zeigen, dass Smart Home nicht bedeutet, dass ich mit meinem Handy mein Haus steuern kann, sondern dass ich freihändig durchs Haus laufe und das Haus entsprechend selbst reagiert. Jeder redet heute mit seinem Auto und sagt an, wer angerufen werden soll. Das können Häuser auch, nur keiner weiß das.

"Ich möchte auch ­zeigen, dass Smart Home nicht heißt, dass ich mit ­meinem Handy das Haus steuern kann, ­sondern dass das Haus ­ent­sprechend selbst ­reagiert."


DHZ: Hat das auch praktischen ­Charakter?

Schneider: Ja, bei unserem selbst gesteuerten Zutrittssystem zum Beispiel. Wenn der Kundendienst wegen eines Notdienstes nachts um 4 Uhr kommt und irgendein Teil aus dem Lager braucht, kann er Material mitnehmen. Als Notdienstler ist er für diese Zeit auch lagerzutrittsberechtigt. Früher sind die Leute reingelaufen und haben aufgeschrieben, was geholt wurde oder auch nicht. Jetzt wird erfasst, dass jemand im Lager war, der Lagerist kriegt eine automatische E-Mail: Achte darauf, dass du einen Materialschein bekommst. Es geht also darum, den Warenfluss zu kontrollieren. Oder unsere Fenstersensoren. Jedes Fenster wird auf Öffnen überwacht. Wenn es anfängt zu regnen, werden vor geöffneten Fenstern die Jalousien runtergelassen, um das Objekt zu schützen. Entsprechende Sensoren sorgen auch dafür, dass es bei Sonneneinstrahlung zum Beispiel auch zu einer Verdunkelung kommt, damit das Gebäude sich nicht zu sehr aufheizt, also der Energieeintrag reguliert wird.

DHZ: Wo gab es Probleme?

Schneider: Oft bei der Umsetzung. Wir mussten andere Gewerke dafür sensibilisieren, dass wir einen so ­hohen Technikaufwand betreiben. Wenige haben verstanden, was wir mit den vielen Sensoren im Gebäude wollen. Wenn ich aber Türen automatisch oder biometrisch schließe, will ich natürlich auch wissen, ist die Tür geschlossen oder geöffnet. Da muss ich mir immer sicher sein können.

DHZ: Was nehmen Sie mit für Ihre praktische Arbeit?

Schneider: Ganz viel von diesen Dingen habe ich schon in meinem Einfamilienhaus realisiert. Ich habe das also bereits in großem, kommerziellem Stil gemacht und kann zeigen, dass es funktioniert und dass wir in der Lage sind, solche Dinge umzusetzen. Ich persönlich habe mich sehr tief da hereingekniet und viel Know-how vorbereitet. Wenn jetzt jemand von meinen Jungs so ein System beim Kunden installieren muss, kann er an dem neuen Firmengebäude üben. Das gibt mir und meinen Leuten Sicherheit für die Umsetzung beim Kunden. Einer meiner Mitarbeiter hat hier die Programmierung umgesetzt, damit er Know-how sammeln konnte. Für den war das eine sehr ausgiebige Schulung.

DHZ: Gibt es auch Schwierigkeiten auf technischer Seite oder sind die Systeme inzwischen so weit, dass sie alle Wünsche erfüllen?

Schneider: Manchmal würde ich mir wünschen, dass ich die Logik in der Programmierung testen kann. Um diese zu prüfen, muss ich sie jedes Mal aufs Haus einspielen und live ausprobieren. Ich riskiere somit immer, dass ich das ganze Haus lahmlege und ein Backup wieder einspielen muss. Es wäre sicher nicht schwierig, einen Logik-Simulator bereitzustellen. So etwas würde uns viel Arbeit sparen. Im Bereich Automation ist das schon eher üblich, bei Smart Home noch nicht.

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