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Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit, Krankheit oder Unfall Versicherungen: So sollten Arbeitnehmer vorsorgen

Die Arbeitskraft ist unsere Lebensgrundlage. Deshalb gehört sie angemessen abgesichert. Und natürlich ist auch Vorsorge für den Fall vonnöten, dass einem während der Arbeit Fehler unterlaufen oder der Arbeitsplatz verloren geht. Wie sich Arbeitnehmer absichern sollten.

Es sind unsichere Zeiten: Politisch verändert sich das Spektrum rasant und in der Arbeitswelt sorgt nicht zuletzt die Digitalisierung dafür, dass Veränderung die einzige Konstante ist. Der demografische Wandel wiederum stellt Senior-Betriebsinhaber vor Probleme, geeignete Nachfolger zu finden. Und jetzt schwächelt auch noch die Konjunktur, mit der sich zuletzt all diese Probleme übertünchen ließen. Die Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem Wachstum gerade noch so über der Nulllinie, mitunter ist auch schon von Rezession die Rede. Diese Entwicklung wird über kurz oder lang auch in den Betrieben ankommen – Experten rechnen mit einer steigenden Zahl von Insolvenzen und im Zuge dessen auch mit dem Abbau von Arbeitsplätzen.

Für Arbeitnehmer bedeutet das, rechtzeitig vorzusorgen. Zum einen kann es nicht schaden, die Augen offen zu halten, wo die eigene Profession sonst noch gefragt sein könnte – gerade wenn man merkt, dass die Auftragslage im aktuellen Betrieb auch nicht mehr das ist, was sie mal war oder wenn der Betriebsinhaber älter und älter wird, ohne das eine Lösung für die Nachfolge in Sicht wäre. Wer dann eine Alternative im Köcher hat, kann mitunter den Absprung ohne größere Probleme realisieren und durchlebt dann keine Phase von Arbeitslosigkeit und Unsicherheit.

Berufsrechtsschutz-Police hilft bei Streit mit dem Arbeitgeber

Wichtig ist natürlich auch, sich für den Fall zu wappnen, dass einen der Chef vor die Tür setzt und dabei geltendes Recht ignoriert. Hier kann dann eine Rechtsschutzversicherung helfen, sein Recht auch durchsetzen zu können – denn wer in Vorleistung gehen und einen Rechtsanwalt aus eigener Tasche finanzieren muss, gibt schnell auf. Daneben helfen Rechtsschutzversicherungen durch eine kostenfreie telefonische Rechtsberatung weiter – das kann mitunter schon helfen, wenn es darum geht einzuschätzen, ob ein Rechtsstreit sich lohnt.

Rechtsschutzversicherungen funktionieren in der Regel nach einem Baukastenprinzip: Der individuell passende Schutz kann aus verschiedenen Lebensbereichen zusammengestellt werden. Zur Auswahl stehen meistens Privates, Beruf, Verkehr sowie Miete und Immobilien. Wer also für arbeitsrechtliche Streitigkeiten mit seinem Chef gewappnet sein möchte, benötigt eine Berufsrechtsschutz-Police. Sagt der Rechtsschutzversicherer die Übernahme der Verfahrenskosten zu, fallen darunter nicht nur das Honorar für den Rechtsanwalt, sondern auch Gerichtskosten, Gebühren für Zeugen und Sachverständige sowie die Kosten des Prozessgegners, falls man vor Gericht verliert. Wichtig zu wissen: in vielen Fällen muss man zwei bis drei Monate warten, bis der Versicherungsvertrag in Anspruch genommen werden kann. Mit dieser Wartezeit wollen sich die Anbieter davor schützen, dass Kunden die Versicherung erst abschließen, wenn der Ärger und damit die Kosten schon absehbar sind. Umgekehrt bedeutet das für die Kunden, die Police möglichst frühzeitig abzuschließen und nicht erst, wenn das Kündigungsschreiben schon ins Haus geflattert ist.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Vorsorge für persönliche Schicksalsschläge ist wichtig

Darüber hinaus ist auch Vorsorge für persönliche Schicksalsschläge wie Unfall oder Krankheit unumgänglich. "Existenziell wichtig ist es, sich abzusichern, falls man mal nicht mehr arbeiten kann", sagt Mathias Zunk vom Verbraucherservice des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Denn wer Ausbildung oder Studium beginnt, kann sich nicht darauf verlassen, im Fall einer Berufsunfähigkeit vom Staat ausreichend finanzielle Unterstützung zu bekommen.

Für Menschen, die nach dem 1. Januar 1961 geboren wurden, gibt es nur noch die gesetzliche Erwerbsminderungsrente – und die reicht bei weitem nicht aus, um einen angemessenen Lebensstandard zu sichern. Eine private Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit ist daher umso wichtiger – und eine solche Berufsunfähigkeitsversicherung sollte man möglichst in jungen Jahren abschließen. "Junge Menschen bezahlen in der Regel weniger an monatlichen Beiträgen als ältere Arbeitnehmer", so Zunk. Wer nicht mehr arbeiten kann, erhält dann von der Versicherung eine monatliche Rente – maximal bis zum vereinbarten Vertragsablauf, der meist den Rentenbeginn widerspiegelt.

Eine Kranken- sowie Arbeitslosenversicherung ist für alle Arbeitnehmer vorgeschrieben – auch für Auszubildende. Nur wer weniger als 450 Euro im Monat verdient, kann bis zum 25. Lebensjahr über die gesetzliche Krankenversicherung der Eltern mitversichert werden – wer älter ist oder mehr verdient, braucht einen eigenen Schutz. Während der Phasen der Arbeitslosigkeit übernimmt die Arbeitsagentur die Beiträge, sofern man sich nicht in der Familienversicherung über den Partner mitversichern kann. Wer regelmäßig beruflich ins Ausland reist, braucht zudem eine Auslandsreisekrankenversicherung. "Sie übernimmt die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht gedeckten Kosten für eine Heilbehandlung im Ausland sowie die Kosten für den medizinisch notwendigen Rücktransport“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). "Auch für diejenigen, die in einer privaten Krankenversicherung versichert sind, ist der Abschluss dieser Versicherung meist sinnvoll. Besonders dann, wenn von der privaten Krankenversicherung keine Kosten für den Rücktransport übernommen werden.“

Auch Haftpflicht- und Unfallversicherung sind sinnvoll

Daneben ist auch der Abschluss einer privaten Unfallversicherung empfehlenswert. Zwar ist man bei Unfällen während der Arbeitszeit über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Die Grenzen, wann hier der Versicherungsschutz greift und wann nicht, sind jedoch nicht immer leicht nachzuvollziehen. So besteht beispielsweise auf dem Arbeitsweg Versicherungsschutz über die gesetzliche Unfallversicherung – nicht aber, wenn man auf dem Weg noch einen kurzen Zwischenstopp beim Supermarkt einlegt oder einen kleinen Umweg fährt, um das Kind vom Sport abzuholen.

Auch eine private Haftpflichtversicherung ist unverzichtbar – denn wer anderen einen Schaden zufügt, haftet sonst mit seinem Privatvermögen dafür. Wer sich noch in der Ausbildung befindet, ist allerdings meist über seine Eltern mitversichert und benötigt erst nach Abschluss von Erststudium oder Berufsausbildung, spätestens aber ab dem 25. Lebensjahr, eine eigene Police, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. "Eine Bestätigung des Versicherungsunternehmens sollte aber eingeholt werden, denn bei manchen Tarifen gelten in besonderen Fällen auch Ausschlüsse, etwa wenn der Auszubildende nicht mehr bei den Eltern wohnt.“ In manchen Berufen kann zudem auch eine Berufshaftpflichtversicherung ratsam oder sogar vorgeschrieben sein – etwa um Vermögensschäden aufgrund von Falschberatungen oder ähnlichem abzudecken.

Handwerkskonjunktur: Wolken am Horizont

Im Handwerk dauert die konjunkturelle Hochphase derzeit noch an. Die aktuelle Geschäftslage der meisten Betriebe ist weiterhin gut, für das Gesamtjahr 2019 rechnet der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) mit einem Umsatzplus von rund vier Prozent über alle Branchen hinweg. "Allerdings deuten erste Abkühlungen in einzelnen Gewerken auf eine auch im Handwerk nachlassende Konjunkturdynamik“, sagt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. "Die Geschäftsaussichten der Betriebe für den weiteren Jahresverlauf lassen für 2020 eine schwächere Handwerkskonjunktur als in diesem Jahr erwarten.“ Der Ausblick für 2020 fällt daher verhaltener aus und ist mit großen Unsicherheiten behaftet. Aktuell geht der ZDH von einem Wachstum von um die drei Prozent aus.

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