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Betriebsschließung und Beiträge Versicherer helfen Handwerk in der Krise

Die Versicherer des Handwerks unterstützen die Betriebe in der Corona-Krise. Für manche Unternehmen erweist sich die Betriebsschließungsversicherung jetzt als Glücksfall. Andere profitieren von großzügigen Stundungsregelungen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

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Die Handwerksversicherer unterstützen die Betriebe in der Corona-Krise mit verschiedenen Hilfsangeboten und kulanter Auslegung der Versicherungsbedingungen.

Die Münchener Verein Versicherungsgruppe etwa hat im Rahmen der Betriebsschließungsversicherung teilweise sechsstellige Summen bereits ausgezahlt und so einen aktiven Beitrag zur Rettung von Existenzen im Handwerk geleistet. Vor allem im Bäcker- und Metzgergewerk sind viele Betriebe betroffen. "Dabei berücksichtigen wir selbstverständlich die aktuell schwierige Situation unserer Kunden, die wir jetzt nicht hängen lassen“, sagt Rainer Reitzler, Chef der Münchener Verein Versicherungsgruppe. "Wir stehen zu unseren Verträgen, die unsere Kunden mit uns abgeschlossen haben und halten unser Leistungsversprechen ein.“ Von Beginn an sei es selbstverständlich gewesen, Corona im Rahmen der Betriebsschließungsversicherung als versichert anzusehen. "Wir leisten unbürokratisch und schnell. Das verstehen wir unter dem Solidarprinzip in der Versicherungswirtschaft.“

Der Münchener Verein stellt das Coronavirus "2019-nCoV“ den in seinen Bedingungen für die gewerbliche Betriebsschließungsversicherung namentlich genannten Krankheitserregern gleich. Als Basis gilt die Verordnung vom 1. Februar 2020 durch den Bundesminister für Gesundheit zur Erweiterung der Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz. Somit sind behördlich angeordnete Betriebsschließungen aufgrund des neuartigen Coronavirus in der gewerblichen Betriebsschließungsversicherung des Münchener Verein mitversichert. "Unsere Bestandskunden können sich auf uns verlassen“, sagt Reitzler. „Das Coronavirus ist im Deckungsumfang der bestehenden gewerblichen Betriebsschließungsversicherung enthalten."

Der Münchener Verein hilft dem Handwerk zusätzlich mit weiteren Maßnahmen. Handwerker erhalten bei den Außendienstpartnern ein Informationsblatt mit Fragen und Fakten zum Hilfspaket der Bundesregierung, finanziellen Hilfen wie Krediten und Bankbürgschaften, Regeln zur Kurzarbeit, Insolvenz sowie Rechte und Pflichten für Arbeitgeber. Dieses Informationsblatt wurde auch den handwerklichen Versorgungswerken zur Verfügung gestellt.

Seit Wochen hatten Versicherungsmakler, Juristen und Assekuranzen intensiv über die Frage diskutiert, ob die Betriebsschließungs-Versicherung auch infolge des Coronavirus leisten muss. Die Versicherer kamen häufig zum Ergebnis, nicht zur Zahlung verpflichtet zu sein. Die Kritiker sahen sie fast immer in der Pflicht. Nun gibt es in Bayern eine Empfehlung für eine Kulanzzahlung für Gaststätten und Hotels. Sie dürfte wohl bundesweit von vielen Versicherern übernommen und auf andere Branchen ausgedehnt werden. Allerdings sind viele Einzelpunkte auch noch ungeklärt.

Großzügige Regelungen zur Beitragszahlung


Diskutiert wird nicht nur über Leistungen, sondern auch über die Stundung von Beiträgen. Die IKK classic unterstützt von der Corona-Pandemie betroffene Arbeitgeber mit großzügigen Regelungen zur Beitragszahlung. „Handwerk und Mittelstand sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Als größte handwerkliche Krankenkasse kennen wir die schwierige Situation unserer Kunden und unterstützen diese mit großzügigen Regelungen“, sagt Frank Hippler, Vorstandsvorsitzender der IKK classic.

Bis die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen umfassend greifen, können Arbeitgeber bei Einnahmeausfällen und Liquiditätsengpässen bei der IKK classic einen Antrag auf Beitragsstundung stellen. In diesem Fall werden die Beiträge bis Mai 2020 gestundet, einer Sicherheitsleistung bedarf es nicht. Auch Stundungszinsen, Säumniszuschläge und Mahngebühren werden in dem genannten Zeitraum nicht erhoben. „Wir werden alle Maßnahmen unbürokratisch umsetzen und unsere Kunden bestmöglich durch die Krise begleiten“, so Hippler.

Bislang haben bereits rund 20.000 Arbeitgeber Stundungsanträge bei der IKK classic gestellt. Für alle Schuldner, die von der aktuellen Krise unmittelbar betroffen sind und denen deshalb eine Stundung gewährt wurde, w erden außerdem Vollstreckungsmaßnahmen bis Juni 2020 ausgesetzt. str

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