Dresden -

Verkaufsleiter/-in im Nahrungsmittelhandwerk

Besondere Rechtsvorschrift für die Fortbildungsprüfung

Aufgrund des Beschlusses des Berufsbildungsausschusses vom 28. April 2008 und der Vollversammlung vom 9. Juli 2008 erlässt die Handwerkskammer Dresden als zuständige Stelle nach § 38 Abs. 1 und § 42a Handwerksordnung (HwO) in der Fassung vom 24. September 1998 (BGBl. I, S. 3074), zuletzt geändert durch Artikel 9a des Zweiten Gesetzes zum Abbau bürokratischer Hemmnisse, insbesondere in der mittelständischen Wirtschaft, vom 7. September 2007 (BGBl. I S. 2246), in Verbindung mit § 91 Abs. 1 Nr. 4a und § 106 Abs. 1 Nr. 10 HwO folgende Besondere Rechtsvorschrift:

§ 1 Ziel der Prüfung

Durch die Prüfung zum/zur Verkaufsleiter/
-in im Nahrungsmittelhandwerk ist festzustellen, ob der Prüfungsteilnehmer die notwendigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen besitzt, um den qualifizierten Anforderungen eines Verkaufsleiters/einer Verkaufsleiterin im Bäckerhandwerk, im Konditorenhandwerk oder im Fleischer-Handwerk gerecht zu werden.

§ 2 Zulassungsvoraussetzungen

(1) Zur Prüfung ist zuzulassen, wer die Abschlussprüfung im Beruf Fachverkäufer/-in im Nahrungsmittelhandwerk im Schwerpunkt Bäckerei/Konditorei oder Fleischerei oder eine Abschlussprüfung in einem vergleichbaren Beruf bestanden hat.

(2) Abweichend von Abs. 1 kann zur Prüfung auch zugelassen werden, wer durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft macht, dass er Kenntnisse und Erfahrungen erworben hat, die die Zulassung zur Prüfung rechtfertigen.

§ 3 Gliederung der Prüfung

Die Prüfung gliedert sich in folgende Prüfungsteile:

-Teil I Die Prüfung der fachpraktischen Fertigkeiten.

-Teil II Die Prüfung der fachtheoretischen Kenntnisse.

-Teil III Die Prüfung der betriebswirtschaftlichen, kaufmännischen und rechtlichen Kenntnisse.

-Teil IV Die Prüfung der berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse.

(2) Die Prüfung der fachpraktischen Fertigkeiten (Teil I) gliedert sich in den in § 4 genannten Bereichen „Dekoration“ sowie „Herrichten fachbezogener Erzeugnisse“ in die beiden Schwerpunkte Bäckerei/Konditorei sowie Fleischerei.

§ 4 Prüfung der fachpraktischen Fertigkeiten (Teil I)

(1) Die fachpraktische Prüfung besteht aus folgenden Prüfungsbereichen:

a) Verkaufs- und Verhandlungspraxis.

b) Werbetechnik.

c) Dekoration.

d) Herrichten fachbezogener Erzeugnisse.

(2) In insgesamt höchstens acht Stunden sind in jedem Prüfungsbereich zwei fachpraktische Arbeiten auszuführen. Im Schwerpunkt Bäckerei/Konditorei hat der Prüfungsteilnehmer die Wahl zwischen den Bereichen „Bäckerei“ oder „Konditorei“.

(3) Die Prüfungsgebiete 1a und 2a sind in jedem Fall zu prüfen. Im Übrigen kommen in den einzelnen Prüfungsbereichen insbesondere folgende Prüfungsgebiete in Betracht:

1. Verkaufs- und Verhandlungspraxis:

a) Beratungs- und Verkaufsgespräch über Erzeugnisse und Waren des Betriebes,

b) Empfehlung von Waren für bestimmte Gelegenheiten,

c) Möglichkeiten zur Erzielung von Zusatzverkäufen,

d) Behandlung eines Kundeneinwandes wegen Qualitätsmängel,

e) Verhandlungsführung mit Großabnehmern,

2. Werbetechnik

a) Gestaltung eines Schaufensters oder einer Verkaufstheke zu bestimmten Anlässen,

b) Herstellung und Verwendung eines Werbemittels,

c) Hervorheben nicht gängiger Artikel,

d) Einführung eines neuen Artikels,

e) Anwendung der Plakatschrift.

3. Dekoration

Schwerpunkt Bäckerei/Konditorei

Bereich Bäckerei

a) Zusammenstellen und Dekorieren verschiedener bunter Platten unter Berücksichtigung von Kundenwünschen,

b) Zusammenstellen und Dekorieren eines festlichen Buffets mit Bäckereierzeugnissen,

c) Erzeugnisse als Geschenk verpacken und mit selbstgebundenen Schleifen dekorieren,

Bereich Konditorei

a) Gestalten einer dekorativen Pralinen-, Teegebäck- oder Petit-Four-Platte,

b) Füllen unterschiedlicher Behältnisse mit Pralinen oder Teegebäck und Dekorieren mit Schleifenband,

c) einen Baumkuchen verpacken und als Geschenk dekorieren.

Schwerpunkt Fleischerei

a) Fleisch und Fleischerzeugnisse als Blickfang mit einem selbstangefertigten Plakat präsentieren,

b) Zusammenstellen eines Geschenkkorbes,

c) eine dekorative Aufschnittplatte herrichten.

Bei den Prüfungsgebieten der vorgenannten Prüfungsbereiche Nr. 2 (Werbetechnik) und Nr. 3 (Dekoration) soll der Prüfungsteilnehmer das Zusammenwirken organisatorischer, werbetechnischer und gestalterischer Maßnahmen aufzeigen. Der werbewirksamen Gestaltung des Ladens oder des Schaufensters oder der Theke kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu.

4. Herrichten fachbezogener Erzeugnisse

Schwerpunkt Bäckerei/Konditorei

Bereich Bäckerei

a) verschiedene Ganzbrote zu Schnittbrot verarbeiten, verpacken, einsiegeln und zur Selbstbedienung kennzeichnen,

b) Gebäcke belegen, aprikotieren, füllen, glasieren, überziehen und für den Verkauf herrichten,

c) Eis portionieren, Eis- und Früchtebecher zubereiten, garnieren und dekorieren.

Bereich Konditorei

a) Umhüllen, Füllen und Binden von Hohlkörpern, insbesondere aus Krokant, Kuvertüre oder Biskuit,

b) Anrichten von Eisspeisen, Eisbechern und Eisgetränken,

c) Aufschneiden und Zusammensetzen von Torten verschiedener Konsistenzen.

Schwerpunkt Fleischerei

a) Herrichten von drei Feinkostsalaten auf Fleisch-, Wurst- und Gemüsegrundlagen in verschiedenen Soßen,

b) verkaufsfertiges Herrichten einer dekorativen Fleischplatte und eines küchenfertigen Fleischgerichtes mit Rezeptur,

c) Auslösen und Rollieren eines Koteletts,

d) Auswählen von Fleisch von verschiedenen Teilstücken und Tierarten zur Herstellung von Hackfleischerzeugnissen.

e) Portionieren von Fleisch und Fleischerzeugnissen zum Verkauf.

Bei allen vorgenannten Prüfungsgebieten soll der Prüfungsteilnehmer nachweisen, dass er die aus der Fertigung oder aus dem Handel kommenden Roh-, Halbfertig- und Fertigprodukte fachgerecht weiterverarbeiten und sodann dekorativ und werbewirksam präsentieren kann.

(4) Mindestvoraussetzung für das Bestehen des Teils I ist eine im rechnerischen Durchschnitt ausreichende Prüfungsleistung. Bei der Ermittlung des rechnerischen Durchschnitts sind die erzielten Punkte in den einzelnen Prüfungsbereichen gemäß § 4 Abs. 1 zugrunde zu legen.

§ 5 Prüfung der fachtheoretischen Kenntnisse (Teil II)

Die fachtheoretische Prüfung ist, soweit es sachgerecht ist, handlungsorientiert durchzuführen. Die fachtheoretische Prüfung besteht aus folgenden Prüfungsfächern:

1. Ernährungslehre und Warenkunde sowie technische Hilfsmittel im Verkauf,

2. fachbezogene Gesetze, Verordnungen, Vorschriften unter Einschluss der Grundzüge der für den Betrieb einer Gaststätte notwendigen lebensmittelrechtlichen Kenntnisse,

3. Mathematik und Kalkulation,

4. Werbung und Verkaufsförderung,

5. Verkaufspsychologie und Verkaufstechniken,

6. Betriebs- und Personalorganisation unter Berücksichtigung von Bedarfsplanung, Lagerung und Kontrolle von Waren sowie besonderen Personaleinsatzplänen.

(2) Die fachtheoretische Prüfung ist im jeweiligen Schwerpunkt in den Fächern 1, 2 und 3 nur schriftlich und in den Fächern 4, 5 und 6 nur mündlich durchzuführen. In der Prüfung ist mindestens eine Aufgabe zu bearbeiten, die fallorientiert sein muss.

(3) Die schriftliche Prüfung soll insgesamt nicht mehr als drei Stunden, die mündliche Prüfung je Prüfungsteilnehmer nicht mehr als eine halbe Stunde dauern.

(4) Mindestvoraussetzung für das Bestehen des Teils II ist eine im rechnerischen Durchschnitt ausreichende Prüfungsleistung. Bei der Ermittlung des rechnerischen Durchschnitts sind die erzielten Punkte in den einzelnen Prüfungsfächern zugrunde zu legen.

§ 6 Prüfung der betriebswirtschaftlichen, kaufmännische n und rechtlichen Kenntnisse (Teil III)

(1) Die Prüfung der betriebswirtschaftlichen, kaufmännischen und rechtlichen Kenntnisse besteht aus folgenden Handlungsfeldern:

1. Grundlagen des Rechnungswesens und Controllings:

a) Buchführung,

b) Jahresabschluss und Grundzüge der Auswertung,

c) Kosten- und Leistungsrechnung, Controlling.

2. Grundlagen wirtschaftlichen Handelns im Betrieb:

a) Handwerk in Wirtschaft und Gesellschaft,

b) Marketing,

c) Organisation,

d) Personalwesen und Mitarbeiterführung,

e) Finanzierung,

f) Planung,

g) Gründung.

Rechtliche und steuerliche Grundlagen:

a) bürgerliches Recht, Mahn- und Klageverfahren, Zwangsvollstreckung, Insolvenzverfahren,

b) Handwerks- und Gewerberecht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Wettbewerbsrecht,

c) Arbeitsrecht,

d) Sozial- und Privatversicherungen,

e) Steuern.

2) Die Prüfung ist schriftlich durchzuführen und soll insgesamt nicht länger als fünf Stunden dauern. In jedem Handlungsfeld sind mehrere Aufgaben zu bearbeiten. In der Prüfung muss mindestens eine Aufgabe fallorientiert sein.

(3) Die schriftliche Prüfung ist in einem der in Abs. 1 genannten Handlungsfelder auf Antrag des Prüflings oder, sofern der Prüfling keinen Antrag stellt, nach Ermessen des Prüfungsausschusses durch eine mündliche Prüfung zu ergänzen (mündliche Ergänzungsprüfung), wenn diese das Bestehen des Teils III ermöglicht. Die Ergänzungsprüfung soll je Prüfling nicht länger als 20 Minuten dauern. Das Ergebnis der jeweiligen schriftlichen Prüfung und der Ergänzungsprüfung ist im Verhältnis 2 : 1 zu gewichten.

(4) Mindestvoraussetzung für das Bestehen des Teils III ist eine insgesamt ausreichende Prüfungsleistung. Ist die Prüfung in einem Handlungsfeld auch nach durchgeführter Ergänzungsprüfung mit weniger als 30 Punkten bewertet worden, ist die Prüfung nicht bestanden.

§ 7 Prüfung der berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse (Teil IV)

(1) Die Prüfung der berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse besteht aus folgenden Handlungsfeldern:

1. Allgemeine Grundlagen:

a) Bedeutung und Stellung der Berufsbildung,

b) Bedeutung des dualen Systems der Berufsausbildung,

c) rechtliche Rahmenbedingungen der Ausbildung,

d) Aufgaben, Stellung und Funktion des Ausbilders,

e) Aufgaben der Handwerksorganisationen in der Berufsbildung sowie Möglichkeiten der Mitwirkung,

2. Planung der Ausbildung:

a) Ausbildungsberufe und Ausbildungsplatzentscheidungen,

b) Ziele und Struktur der Ausbildungsordnung,

c) Eignung des Ausbildungsbetriebes,

d) betrieblicher Ausbildungsplan,

e) Ausbildung und Führungsstil,

f) Partner im dualen System.

3. Einstellung von Auszubildenden:

a) Einstellungsverfahren,

b) Ausbildungsvertrag,

c) Eintragung und Anmeldung,

d) Einführung und Probezeit.

4. Ausbildung am Arbeitsplatz:

a) Ausbildungsmethoden,

b) Lernen am Arbeitsplatz,

c) Lernhilfen/Medien,

d) Lernerfolgskontrollen und Leistungsbeurteilung, insbesondere Beurteilungsgespräche und Auswerten von Prüfungen.

5. Förderung des Lernprozesses:

a) Lernvoraussetzungen, insbesondere unter Berücksichtigung kultureller Unterschiede bei der Ausbildung.

b) Anleiten zu Lern- und Arbeitstechniken, Fördern der Lernmotivation.

c) Sichern von Lernerfolgen.

d) Umgang mit Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten.

e) Kooperation mit externen Beratungsstellen.

f) Förderung von Leistungsstärken.

6. Ausbildung in der Gruppe:

a) Teambildung,

b) gruppenspezifische Ausbildungsmethoden, insbesondere Kurzvorträge und Moderation,

c) Lernen und Arbeiten im Team,

d) Konflikte und Konfliktlösung.

7. Abschluss der Ausbildung:

a) Vorbereitung auf Prüfungen,

b) Anmeldung zu Prüfungen,

c) Erstellen von Zeugnissen,

d) Fortbildungs- und Förderungsmöglichkeiten.

(2) Die Prüfung nach Abs. 1 besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil.

(3) Im schriftlichen Teil der Prüfung sind Aufgaben aus mehreren Handlungsfeldern zu bearbeiten. Mindestens eine der Aufgaben muss fallorientiert sein. Der schriftliche Teil der Prüfung soll insgesamt nicht länger als drei Stunden dauern.

(4) Der praktische Teil der Prüfung besteht aus der Präsentation oder der praktischen Durchführung einer vom Prüfling auszuwählenden Ausbildungseinheit und aus einem Prüfungsgespräch. In diesem hat der Prüfling seine Kriterien für die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungseinheit zu begründen. Der praktische Teil der Prüfung soll nicht länger als 30 Minuten dauern.

(5) Der schriftliche und der praktische Teil der Prüfung sind gleich zu gewichten.

(6) Der schriftliche Teil der Prüfung ist in einem der in Abs. 1 genannten Handlungsfelder auf Antrag des Prüflings oder, sofern der Prüfling keinen Antrag stellt, nach Ermessen des Prüfungsausschusses durch eine mündliche Prüfung zu ergänzen (Ergänzungsprüfung), wenn diese das Bestehen des Teils IV ermöglicht. Die Ergänzungsprüfung soll je Prüfling nicht länger als 20 Minuten dauern. Das Ergebnis der jeweiligen schriftlichen Prüfung und der Ergänzungsprüfung ist im Verhältnis 2 : 1 zu gewichten.

(7) Mindestvoraussetzung für das Bestehen des Teils IV ist die Bewertung des schriftlichen Teils der Prüfung, unter Berücksichtigung des Abs. 6, und des praktischen Teils der Prüfung mit jeweils mindestens 50 Punkten.

§ 8 Bestehen der Prüfung

(1) Zum Bestehen der Prüfung müssen in jedem Prüfungsteil die vorgeschriebenen Mindestvoraussetzungen erfüllt werden.

(2) Über das Bestehen der Prüfung ist ein Zeugnis zu erteilen, aus dem die in den einzelnen Prüfungsteilen erzielten Prüfungsnoten hervorgehen müssen.

§ 9 Anwendung anderer Vorschriften

Soweit diese Besondere Rechtsvorschrift keine abweichenden Regelungen enthält, ist die Prüfungsordnung für die Durchführung von Fortbildungsprüfungen der Handwerkskammer Dresden in der jeweils geltenden Fassung anzuwenden.

§ 10 Inkrafttreten

(1) Diese Besondere Rechtsvorschrift zum/zur Verkaufsleiter/-in im Nahrungsmittelhandwerk tritt mit ihrer Veröffentlichung in der Deutschen Handwerks Zeitung Nr. 18 am 25. September 2008 in Kraft. Sie wurde vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit am 7. August 2008 genehmigt.

(2) Gleichzeitig tritt die Besondere Rechtsvorschrift für die Fortbildungsprüfung zum/zur Verkaufsleiter/-in im Nahrungsmittelhandwerk vom 21. Januar 1994 außer Kraft.

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