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Fürs tägliche Brot Verkaufen in der Corona-Krise: Ein Bäcker berichtet

Bäckermeister Manfred Salger und seine Mitarbeiterinnen sind weiterhin täglich für ihre Kunden da. Er berichtet über einen entschleunigten Alltag mit manchmal schwierigen Begegnungen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Manfred Salger hat im Moment außergewöhnlich viel Zeit. Der Bäckermeister aus Mindelheim im Unterallgäu geht gerade viel raus mit seinen Kindern. Wo es geht, hilft er bei den Hausaufgaben im Homeschooling. Sein Sohn wiederum hilft ihm beim Heimwerken. Und die ganze Familie geht jeden Tag spazieren. "Man ist nicht so gehetzt", freut sich Salger.

So gesehen, ist das Arbeitsleben im Moment recht angenehm. Wenn die Zeiten an sich nicht so merkwürdig wären – mitten in einer Pandemie. Salger hat normalerweise nicht so viel freie Zeit. Schließlich ist er Inhaber einer Bäckerei. Das ist eigentlich mehr als ein Fulltime-Job. Doch der Betrieb läuft eingeschränkt. Obwohl er seine Bäckerei weiter betreiben darf. Mit dem Verkauf von Brot sorgt er – ähnlich wie Supermärkte – für die Grundversorgung der Menschen. Er gibt ihnen das tägliche Brot.

Kaum noch Gelegenheitskäufe

Aber im Moment kaufen seine Kunden eben tatsächlich nur ihr täglich Brot. Die Lust, mal eben noch in der Bäckerei reinzuschauen, um eine Brezel, vielleicht ein Stück Kuchen oder ein süßes Teilchen für den Nachmittagskaffee mitzunehmen, ist sehr stark zurückgegangen. Passanten in der Mindelheimer Innenstadt sind rar, vor allem, weil ja sonst kaum ein Geschäft geöffnet hat. Der Einkaufsbummel entfällt und damit auch der größte Teil der Gelegenheitskäufe. "Die Menschen wollen halt auch nicht dauernd aus dem Haus", vermutet der Bäckermeister. Zusätzliche Einkäufe beim Bäcker oder Metzger lässt man lieber aus. Den Supermarkt muss man dagegen ohnehin regelmäßig aufsuchen. Im Zweifel kauft man halt dort sein Brot.

Aber selbst vom Verkauf des täglichen Brots kann eben eine Bäckerei allein nicht leben. Doch nicht nur im Ladengeschäft sind die Umsätze deutlich nach unten gegangen. Der Pausenverkauf in umliegenden Schulen fällt nach den Schulschließungen ebenfalls aus. Mittagsversorgung für Mitarbeiter umliegender Geschäfte entfällt und ein Coffee to go wird nur noch selten verlangt. Andere Bäckereien und Cafés, die sich von ihm beliefern lassen, haben ihren Betrieb stark eingeschränkt oder gleich ganz geschlossen. Er dürfe ja wenigstens noch produzieren und verkaufen, zeigt er sich erleichtert.

"Die Vorwürfe wühlen deine Gefühle auf"
Bäckermeister Manfred Salger

Noch bleibt Salger gelassen. Die Rücklagen reichen derzeit noch aus. Zwei Monate ließen sich in dieser Lage schon überbrücken. Auch deshalb will er am Stammpersonal nichts ändern. Und auch Kurzarbeit versucht er zu vermeiden. Allein seine 450-Euro-Kräfte hat er gebeten, im Moment zu Hause zu bleiben. Die Belegschaft arbeite ganz normal weiter, allenfalls brauchen einzelne ihren Urlaub auf.

Seinen Mitarbeitern ist er dankbar, dass sie in dieser Zeit hinterm Tresen stehen und die Kunden bedienen. Der Bäckermeister hält das nicht für selbstverständlich. Abgesehen von der Gefahr, sich mit dem Virus zu infizieren, mussten sich die Verkäuferinnen zuweilen scharf formulierte Kritik anhören. Der Tonfall sei zum Teil mehr als beleidigend gewesen, erzählt Salger.

Mehr als beleidigend

Einmal waren die hygienischen Maßnahmen in der Bäckerei selbst Ziel der Kritik. Warum die Frauen denn keinen Mundschutz oder Handschuhe trügen. Ein anderes Mal brachten Kunden ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass es überhaupt noch Läden mit Bedienung gäbe. Sogar direkt im Landratsamt gingen Beschwerden ein. Weil Bäckerein angeblich der Verbreitungsherd für Viren seien.

Doch Manfred Salger beklagt sich nicht. Die Leute seien wahrscheinlich nur verunsichert. Zum Glück beschwere sich nur ein kleiner Teil der Kunden. Dennoch gibt er zu, dass ihn die Vorwürfe nicht kalt lassen. "Die wühlen deine Gefühle auf", sagt er. Dass die Beschwerden unbegründet sind, helfe dann auch nicht. Im Übrigen habe der Verbraucherschutz alles kontrolliert und seine Vorsichtsmaßnahmen als vorbildlich eingestuft.

Erleichtert ist Salger andererseits über die vielen positiven Reaktionen auf die Arbeit der Verkäuferinnen. Den Kunden sei schon anzumerken, dass sie dankbar sind für ihr tägliches Brot und das bringen sie auch zum Ausdruck. Nicht selten gibt es Lob: "Toll, dass ihr da seid." oder "Danke, dass ihr euch vor die Kunden stellt und uns versorgt."

Diesen pfleglichen Umgang miteinander zu bewahren, wäre für Manfred Salger ein gutes Ziel für die Zeit nach der Krise. Aber noch einen anderen Nebenaspekt würde er nach eigenem Bekenntnis gerne beibehalten: die Entschleunigung. Weniger Hektik und mehr Zeit für die Familie – das könne so bleiben.

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