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Risiken und Kosten einer Geldanlage kennen Verbraucherzentrale kritisiert Basisinformationsblätter

Seit 1. Januar 2018 sind Finanzdienstleister dazu verpflichtet, Basisinformationsblätter für ihre Kunden bereit zu stellen. Das soll helfen, verschiedene Geldanlagen besser miteinander vergleichen zu können. Aber Achtung: Laut Verbrauchzentrale können die Angaben irreführend sein und helfen nicht zwingend bei einer Entscheidung.

Wer privat fürs Alter vorsorgen oder Geld anlegen möchte, kann zwischen einer Vielzahl an Produkten wählen. Nicht immer ist es einfach, da das Richtige zu finden. Um Kunden die Entscheidung für das passende Produkt zu erleichtern, hat die EU die Verordnung "Basisinformationsblätter für verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte" (PRIIP) erlassen. Seit dem 1. Januar 2018 müssen Finanzdienstleister diese Basisinformationsblätter (BIB) bereitstellen.

Verbraucherzentrale hat Informationsblätter untersucht

Aufgrund von Verbraucherbeschwerden hat sich die Verbraucherzentrale Basisinformationsblätter verschiedener Anbieter angesehen. Das Ergebnis: Die Angaben können irreführend sein und helfen nicht zwingend bei einer Entscheidung.

Die vier größten Kritikpunkte der Experten sind:

1. Unlogische Renditeangaben

In zahlreichen BIBs fanden die Experten in den Vorhersagen zur Rendite (Performance-Szenarien) nicht nachvollziehbare und teils unlogische Renditeangaben. "Die Berechnungsgrundlage des Gesetzgebers führt teilweise zu abwegigen Ergebnissen", sagt Benjamin Wick, Referent Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Angaben zu den Szenarien ermitteln die Anbieter mit einem Simulationsverfahren. Als Bezugsgrößen dienen dabei Zinssätze, Aktienkurse oder Indexstände der vergangenen fünf Jahre. Dieser kurze Zeitraum lasse aber keine verlässliche Schlussfolgerung über die zu erwartenden Erträge und Risiken zu. Das könne zu teils kuriosen Ergebnissen führen:  

Ein Basisinformationsblatt der DZ Bank gibt beispielsweise für ein Bonus-Zertifikat für alle Szenarien eine Rendite von 900,68 Prozent an. Derartig hohe Renditen sind am Kapitalmarkt die Ausnahme und treten bestenfalls in optimistischen Szenarien auf.

Ein Basisinformationsblatt der DekaBank gibt für das Stressszenario eines Bonus-Zertifikats eine negative Rendite an. Für ein pessimistisches Szenario des selben Zeritfikats errechnet die Bank nach einem Jahr noch eine Rendite von 48 Prozent. Solche Werte erreichen Geldanlagen nur in absoluten Ausnahmesituationen. 2.

2. Mangelnde Vergleichbarkeit

Neben den BIBs verschiedener Banken untersuchte die Verbraucherzentrale zusätzlich Basisinformationsblätter von fondsgebundenen Rentenversicherungen. Hier kritisieren die Experten die ungenauen Angaben und die fehlende Vergleichbarkeit innerhalb eines Produktsegments. Das liege vor allem daran, dass die Informationsblätter vieler Anbieter nicht einheitlich gestaltet seien.

3. Keine konkreten Zahlen und Leistungsdaten

Nur anhand von konkreten Zahlen lassen sich Produkte laut Verbraucherzentrale gut vergleichen. Die Angabe von Spannen – etwa bei Kosten und Risikoklassen – bieten keine ausreichende Orientierung. Die Basisinformationsblätter helfen nicht, wenn sie nicht auf das individuelle Angebot zugeschnitten sind. In keinem der untersuchten Fälle orientierten sich die angegebenen Zahlen und Werte exakt an den Angaben des Musterkunden.

4. Problem bekannt, Lösung bleibt aus

Wie die Verbraucherzentrale berichtet sind einige Anbieter offenbar schon selbst auf unplausible Angaben aufmerksam geworden. Die DZ-Bank habe beispielsweise einen Hinweis auf "nicht nachvollziehbare Zahlen" ergänzt. Doch auch entsprechend ergänzte BIBs könnten bei Verbrauchern eher Fragen aufwerfen, als dass sie deren Anlageentscheidung erleichtern. sm

Basisinformationsblatt: Was ist das?

Was muss ein Basisinformationsblatt enthalten?

Die PRIIP-Verordnung verpflichtet Finanzdienstleister seit dem 1. Januar 2018 dazu, ihre Anlageprodukte auf Basisinformationsblättern (BIB) darzustellen. Diese maximal dreiseitigen Informationsblätter sollen den Verbraucher über die wichtigsten Merkmale der Produkte aufklären, diese besser miteinander vergleichbar machen und helfen, die Risiken der Anlageprodukte zu verstehen. Die Dienstleister müssen ihren Kunden die Informationsblätter unaufgefordert und kostenlos vor einem Vertragsabschluss vorlegen. Damit Basisinformationsblätter möglichst einheitlich sind, enthält die PRIIP-Verordnung außerdem verbindliche Vorschriften zu Form und Inhalt.

Jedes Basisinformationsblatt muss folgende Informationen enthalten:

  • Produktart und grundlegende Merkmale
  • Ziele des Produkts und Mittel zur Zielerreichung
  • Chancen und Risiken des Produkts
  • Performanceszenarien, zum Beispiel die geschätzte jährliche Durchschnittsrendite für verschiedene Laufzeiten
  • direkte und indirekte Kosten, einschließlich einmaliger und wiederkehrender Kosten
  • Anlagehorizont: Informationen zur Anlagedauer, für die Sie Geld entbehren müssen.
  • Beschwerdemöglichkeiten

Wann bekommt der Kunde ein Informationsblatt?

Das Basisinformationsblatt kommt zur Anwendung, wenn die Anlageentscheidung ein so genanntes verpacktes Anlageprodukt betrifft. Das sind alle Anlageprodukte und -verträge, die Wertschwankungen ausgesetzt sind und deren Rückzahlungsanspruch schwanken kann.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Finanzprodukte, deren Wert sich von Referenzwerten wie beispielsweise Aktien ableitet (Derivate)
  • strukturierte Finanzprodukte wie Zertifikate oder Optionsscheine
  • sonstige Versicherungsanlageprodukte wie fonds- und indexgebundene Lebensversicherungen sowie private Rentenversicherungen
  • ab dem Jahr 2020 auch Publikumsfonds

Nicht zu den verpackten Anlageprodukten zählen Versicherungsverträge ohne Anlageelement, wie Risikolebensversicherungen und andere Versicherungen, wie Schaden-, Unfall- und private Krankenversicherungen, betriebliche Altersvorsorgeprodukte, nicht strukturierte Einlagen und Riester-Produkte.

Quelle: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

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