Digitalisierung -

Kleine Helfer aus der Luft Unterwegs mit einem Dachdecker, der Drohnen für die Dachinspektion nutzt

Normalerweise sind Steiger oder Leitern nötig, um Dächer und Dachrinnen zu inspizieren, Aufmaße zu erstellen oder Schäden auf dem Dach zu begutachten. Bei der Dächer von Hunold GmbH in Detmold übernehmen Drohnen diese Arbeiten. Die Zeitschrift dach+holzbau hat zwei Drohneneinsätze begleitet.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Digitalisierung

Passanten bleiben stehen, blicken in die Höhe. Ein durchdringendes Surren von Propellern ist zu hören. Eine kleine weiße vierpropellerige Drohne steigt schnell vom Boden auf. Thomas Potthast, Dachdeckermeister aus Detmold, steuert mit seiner Fernsteuerung das unbemannte Luftfahrzeug (so die offizielle Bezeichnung) über das Dach eines alten Fachwerkhauses. Auf dem Bildschirm seines Smartphones: das Bild, das die Drohne aufnimmt.

Der Hausbesitzer blickt Thomas Potthast interessiert über die Schulter. "Die Rinne ist voll mit Laub", stellt der Dachdeckermeister fest, macht Fotos und ein Video. Das Ganze dauert weniger als zehn Minuten, dann steuert er die Drohne zurück auf den Gehweg. "In der Meisterschule haben wir noch Witze über den Einsatz von Drohnen gemacht", sagt Thomas Potthast, "doch inzwischen haben wir zwei Stück im Betrieb und fliegen drei Mal pro Woche." Der Dachdeckermeister arbeitet seit sieben Jahren bei der Dächer von Hunold GmbH in Detmold. Insgesamt 15 Mitarbeiter arbeiten dort, davon drei Azubis, drei Dachdeckermeister und ein Zimmermeister. Seine zwei Drohnen nutzt der Betrieb für Dach- und Rinneninspektionen und um Dachaufmaße zu erstellen.

Vor drei Jahren hat Thomas Potthast die erste Drohne für seinen Betrieb gekauft. Für die " DJI Phantom 2 Vision +", Gewicht knapp 1.240g, inklusive Zubehör, hat er damals fast 2.300 Euro bezahlt. Heute gibt es diese Drohne schon deutlich günstiger.

Drohnenflüge sind unbürokratischer geworden

Zum Fliegen musste Thomas Potthast eine allgemeine Aufstiegserlaubnis bei der Bezirksregierung Münster beantragen. Sie gilt für zwei Jahre und hat 250 Euro gekostet. Außerdem war eine Flugerlaubnis-Schulung nötig. "Das war kein großes Ding", sagt Potthast, "ich hatte schon Erfahrungen im Modellflug, die ich vorweisen konnte." Jens Eickmeyer, Inhaber der Dächer von Hunold GmbH, ist seit einigen Jahren ebenfalls geschult darin, Drohnen zu lenken. Seit im April 2017 die neue Drohnenverordnung in Kraft getreten ist, sind die bürokratischen Hürden für Drohnenflüge geringer geworden. Eine Aufstiegserlaubnis ist seitdem nur für Drohnen nötig, die 5kg oder mehr wiegen.

Besondere Flugkenntnisse muss man erst nachweisen, wenn die eigene Drohne über 2kg wiegt. Inzwischen haben die Dachdecker auch eine zweite Drohne angeschafft, die "DJI Phantom 4". Sie ist kleiner und wendiger als ihr Vorgänger, wiegt deutlich unter 2kg. "Die haben wir marktfrisch für 2.500 Euro gekauft", sagt Potthast, "inklusive Transportkoffer, drei Akkus, Auto-Ladegerät und Ersatzrotoren." Ein Akku reicht für etwa zwanzig Minuten Flugdauer. Zwei hat Potthast immer als Reserve dabei.

Drohne DJI Phantom 4 im Einsatz für Dachdecker

Mit der Drohne "DJI Phantom 4" wird eine Dachrinne in Detmold inspiziert.

Ein typischer Drohnen-Tag

Dreimal pro Woche rückt Thomas Potthast mit der Drohne aus. Jeden Einsatz berechnet er mit etwa 100 Euro. Das richtet sich aber nach der Dachgröße und Flugdauer. Für Flüge direkt in Detmold muss eine vorübergehende Erlaubnis eingeholt werden, denn in der Stadt gibt es einen ehemaligen Militärflughafen, der von Modellfliegern und Segelfliegern genutzt wird. Die Erlaubnis hat Thomas Potthast auf der Website des Herstellers DJI eingeholt. Sie ist kostenlos und drei Tage gültig.

Am Tag, als wir den Dachdeckermeister besuchen, sind zwei Termine geplant. Der erste Einsatz ist die Martin-Luther-Kirche in Detmold, die Kirche liegt in der engen Altstadt. Bei einer Höhe von 30 Metern machen sich die Vorteile direkt bemerkbar. Der Einsatz von Steigern wäre deutlich aufwendiger, "mit der Drohne kann ich gezielt das ganze Dach überfliegen", sagt Potthast.

Rotoren und Smartphone befestigen

An der Martin-Luther-Kirche wartet Herr Jasper schon auf ihn. Er arbeitet für den Bauausschuss der Kirchengemeinde Detmold. Thomas Potthast packt seine Drohne aus dem Koffer, die vier Rotoren hat er für den Transport entfernt. Mit einem einfachen Drehgriff steckt er sie einzeln auf die Motoren des Quadrocopters, wie die Drohne auch genannt wird. Dann stellt er die Drohne auf die Bügel. Sein Smartphone schiebt er in eine Halterung an der Fernbedienung.

"Man braucht kein besonderes Smartphone, um die Drohne zu steuern, es braucht einfach nur die richtige App", sagt Thomas Potthast. Er benutzt die "DJI Go-App". Die zeigt das Bild der Drohnenkamera, die aktuelle Flughöhe und weitere Daten. Verloren gehen kann die Drohne eigentlich nicht: Verliert sie einmal den Empfang zum Steuerer, kehrt sie automatisch zum Ausgangspunkt zurück.

Wind ist kein Problem, Regen schon

Das Wetter spielt an diesem Tag mit. Es ist bewölkt, aber regnet nicht. "Bei Regen kann ich nicht fliegen, Wind dagegen ist kein Problem, ich bin auch schon bei Windstärke acht geflogen", sagt Potthast. Die Drohne, GPS-gesteuert, stabilisiert sich bei solch starkem Wind selbst in der Luft.

Wir sind startbereit: Thomas Potthast drückt einen Knopf an der Drohne. Sofort fangen die vier Rotoren an, sich zu drehen und zu dröhnen. Potthast geht ein paar Schritte zurück, dann lässt er die Drohne steigen. Auf dem Bildschirm seines Smartphones sieht er, was die Drohne sieht. Er lässt sie am Kirchturm hinaufsteigen, inspiziert erst den Turm, dann das Dach des Kirchenschiffs. Dabei blickt ihm Herr Jasper vom Bauausschuss neugierig über die Schulter. Nur ab und zu geht der Blick 20 bis 30 Meter nach oben, wo die Drohne fliegt. Regelmäßig lässt die Martin-Luther-Kirchengemeinde das Kirchendach per Drohne inspizieren. Dieses Mal findet der Dachdeckermeister wenig zu beanstanden. Nur ein, zwei Ziegel des Schieferdachs haben sich gelöst und sind verrutscht.

Bisher keine Unfälle mit Vögeln

Als die Drohne das Kirchendach überfliegt, steigen drei Vögel auf. "Oh, die Dohlen fühlen sich gestört", sagt Herr Jasper besorgt. "Zum Glück sind wir laut genug, damit es keine Konfrontation mit den Vögeln gibt", beruhigt Thomas Potthast. Versichert ist die Drohne übrigens über den Fuhrpark der Dächer von Hunold GmbH. Die Versicherung kostet etwa 120 Euro pro Jahr. Nach nicht mal zwanzig Minuten ist die Inspektion vorbei. Thomas Potthast drückt die "Home"-Taste, die Drohne kehrt per GPS-Steuerung automatisch zu ihm zurück. Das Video ist in der Drohne gespeichert. Ausgewertet wird es später am Computer.

Weiter geht es zum nächsten Objekt: dem Weinlokal ChaLu. Das kleine Fachwerkhaus liegt an einem Bach, auf der anderen Seite ist eine enge Gasse. Eine malerische Lage, aber hier mit einem Steiger heranzufahren wäre nicht ganz leicht.

Drohne blickt in die Rinne

Gegenüber dem Weinlokal, auf einem Gehweg, packt der Dachdeckermeister seine Drohne aus. Wieder nimmt er die Fernbedienung, die fast so groß ist wie die Drohne selbst. An der Oberseite spannt er sein Smartphone ein, die Antennen der Fernbedienung klappt er aus. Dann geht der Flug los.

Das Weinlokal hat eine Besonderheit: Es wurde 2016 komplett saniert. Neben dem kleinen Fachwerkhaus steht eine alte Kastanie. "Dadurch haben wir das Problem, dass die Dachrinne schnell mit Laub verstopft ist", sagt Thomas Potthast. Er startet die Drohne, fliegt über den schmalen Fluss und schon ist sie über dem Dach. "Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht in das Geäst der Kastanie fliege", sagt er. Er positioniert die Drohne über der Dachrinne und muss, während er erklärt, gar nichts an seiner Steuerung machen. Die Drohne bleibt selbständig in der Luft, genau über der Dachrinne stehen. "Die Dachrinne ist komplett voll, obwohl sie im letzten Herbst gesäubert wurde." Sofort ist klar: Hier müssen die Dachdecker noch einmal anrücken, mit Regenhosen und Leitern, um die Dachrinne sauber zu machen.

Schneller als Steiger oder Leiter

Die Diagnose per Drohne geht in den meisten Fällen deutlich schneller als mit einem Steiger oder mit Leitern. "Kunden und Passanten sind durchweg begeistert von der Drohne, oft stehen sie hinter mir, wenn ich die Drohne steuere und schauen mir über die Schulter", sagt Thomas Potthast.

Drohnenbilder im Büro auswerten

Nach den beiden Flugeinsätzen geht es zurück ins Büro. Hier steckt Thomas Potthast die Drohne per USB-Kabel an den Computer und überträgt Fotos und Videos. Das Kirchendach sieht er sich noch einmal genauer an und findet ein, zwei Stellen, die sanierungsbedürftig sind. Die Bilder sind gestochen scharf. Aus den Videos, die die Drohne gemacht hat, kann der Dachdeckermeister sogar einzelne Fotos nehmen. Außerdem sind die Drohnenfotos für Potthast nützlich, um Dachaufmaße zu erstellen. Das macht er mithilfe des Programms "3D Dach CAD" von SDS Systems. "Das dauert etwa 20 bis 40 Minuten pro Dach, je nach Größe und Aufbau", sagt er.

In Detmold ist die Dächer von Hunold GmbH einer der ersten Betriebe, der Drohnen einsetzt. "Die Kollegen von den anderen Dachdeckerbetrieben und Zimmereien sind schon neugierig", sagt Thomas Potthast. Ob er wohl Lust hätte, für die Handwerkskammer Schulungen zum Steuern von Drohnen zu geben? Potthast lacht und sagt: "Dafür fehlt mir bei den ganzen Aufträgen leider die Zeit."

Regeln für das Fliegen mit Drohnen

Drohnen erfreuen sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Egal ob zum Freizeitzweck oder zur gewerblichen Nutzung. Dennoch gibt es einige Regeln, die zu beachten sind. Die neue Drohnenverordnung ist im April in Kraft getreten. Wir zeigen Ihnen, welche Regeln für Drohnenflüge ab jetzt gelten.

Drohnen werden immer beliebter. Egal ob für die Freizeit oder zur gewerblichen Nutzung. Bevor man mit Drohnen in die Luft geht, sollte man aber bestimmte Gesetze und Regeln kennen. Der Betrieb von Drohnen ist seit April gesetzlich neu geregelt durch die "Drohnenverordnung". Die stammt ursprünglich von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Regeln, die nach der neuen Drohnenverordnung für gewerbliche Drohnenflüge gelten.

"Drohnenführerschein" ab 2kg Gewicht

Besitzer von mehr als zwei Kilo schweren Drohnen müssen ab dem 1.10.2017 Flugkenntnisse nachweisen (der so genannte "Drohnenführerschein"). Den Nachweis erlangt man entweder über eine Prüfung bei einer vom Luftfahrtbundesamt anerkannten Stelle (Mindestalter 16 Jahre) oder durch eine Einweisung bei einem Luftsportverband (Mindestalter 14 Jahre). Derzeit sind noch keine Stellen durch das Luftfahrt-Bundesamt genehmigt worden, bei denen man den Flugkundenachweis zum Betrieb von unbemannten Fluggeräten (UAS) machen könnte.
Solche Stellen sollen aber geschaffen werden. Für den Flugkundenachweis werden Kenntnisse über den Betrieb und die Navigation von unbemannten Fluggeräten, luftrechtliche Grundlagen und Kenntnisse über die Luftraumordnung abgefragt. Für den gewerblichen Einsatz gibt es aber viele Drohnenmodelle unter 2kg Gewicht, die für Luftaufnahmen und Dachinspektionen geeignet sind, etwa die Drohne "DJI Phantom 4".

Flugbuch führen

Jeder gewerbliche Flug ist zu dokumentieren. Hierfür gibt es fertige Flugbücher, die alle benötigten Infos beinhalten. Man kann sich auch über Tabellenprogramme ein eigenes Flugbuch erstellen. Die Aufzeichnungen sind zwei Jahre aufzubewahren und der Luftfahrtbehörde auf Verlangen vorzulegen. Neue Drohnen haben ein integriertes Flugbuch, das jeden Flug dokumentiert.

Haftpflichtversicherung

Des Weiteren muss jeder Drohnenflieger eine Haftpflichtversicherung für den gewerblichen wie auch für den privaten Gebrauch abschließen. In der gewerblichen Versicherung ist der private Betrieb meist inbegriffen. Eine Haftpflichtversicherung ist bei vielen Versicherungen, aber auch bei Modellflugverbänden erhältlich.

Drohnen-Flüge anmelden

Innerhalb geschlossener Ortschaften muss man gewerbliche Flüge mit der Drohne bei der Polizei oder dem Ordnungsamt anmelden. Gewöhnlich reicht eine E-Mail, in der man über den geplanten Flug informiert. Außerdem ist eine Starterlaubnis vom Grundstückseigentümer notwendig, auf dessen Grundstück man startet.

Drohne kennzeichnen

Ab einem Gewicht von 250g muss jede Drohne zukünftig mit einer Plakette ausgestattet werden, auf der Name und Adresse des Besitzers stehen. Die neue Kennzeichnungspflicht tritt aber erst im Oktober 2017 in Kraft, damit alle Drohnenbesitzer genug Zeit haben, ihre Drohne mit einer Plakette auszustatten. Plaketten sind in jedem Fachgeschäft für Beschriftungen erhältlich. Die Kennzeichnung auf der Drohne kann auch durch einen Aluminium-Aufkleber mit Adressgravur aus dem Schreibwarengeschäft erfolgen. Die Plaketten lassen sich auch im Internet kaufen. Wichtig ist, dass die Kennzeichnung dauerhaft, feuerfest und fest mit dem Gerät verbunden ist.

Hier sind Flüge mit Drohnen verboten

Der Betrieb von gewerblich genutzten Drohnen und Flugmodellen (also privat genutzten Drohnen und Modellflugzeugen) ist nicht überall erlaubt. Verboten ist das Fliegen mit Drohnen über und in einem seitlichen Abstand von 100m von:

- Menschenansammlungen, Unglücksorten, Katastrophengebieten und anderen Einsatzorten von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, sowie über mobilen Einrichtungen und Truppen der Bundeswehr und Krankenhäusern
- Justizvollzugsanstalten, militärischen Anlagen, Industrieanlagen, Kraftwerken, Luftsperrgebieten und Gebieten mit Flugbeschränkungen
- Grundstücken, auf denen die Verfassungsorgane des Bundes oder der Länder, Bundes- oder Landesbehörden, diplomatische und konsularische Vertretungen und internationale Organisationen ihren Sitz haben, über Polizeidienststellen, Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Bahnanlagen

Über Grundstücken nur mit Erlaubnis fliegen

Flüge über privaten Grundstücken sollten mit den Grundstückseigentümern abgesprochen sein. Vor dem Veröffentlichen von Fotos von Grundstücken empfiehlt es sich, immer mit den Eigentümern zu sprechen und eine schriftliche Erlaubnis einzuholen. Das Fliegen über Naturschutzgebieten, außerhalb der Sichtweite des Steuerers und bei Nacht ist ebenfalls verboten. Generell ist es nicht erlaubt, mit einer Drohne höher als 100m zu fliegen. Es sei denn, der Betrieb findet auf einem Gelände statt, für das eine allgemeine Erlaubnis zum Aufstieg von Flugmodellen erteilt ist (etwa auf einem Modellflugplatz).

Buchempfehlung: "Dr. Drohne"

Als Empfehlung zum Thema Drohnen gibt es die Bücher von "Dr. Drohne". Hier werden alle wichtigen Themen behandelt, die es beim Betrieb von Drohnen zu berücksichtigen gibt. Dr. Drohne alias Maximilian Beck wird auch zur neuen Luftverkehrsverordnung ein Buch herausbringen, das die neuen Regulierungen beinhaltet. Einen Direktrabatt kann man sich durch den Rabattcode "Dachdecker" sichern.

Dieser Beitrag ist zunächst in der Zeitschrift dach+holzbau erschienen.

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