Unternehmensführung -

Studie des itb Unternehmerfrauen: "Großes Potenzial, das man nutzen sollte"

Unternehmerfrauen übernehmen in den Betrieben immer mehr Verantwortung. Das geht aus einer Studie des Instituts für Technik der Betriebsführung hervor. Mitautorin Judith Schliephake über das neue Selbstbewusstsein der Unternehmerfrauen und was sich doch noch ändern muss.

DHZ: Frau Schliephake, Sie sind Mitautorin der Studie "Die Bedeutung mitarbeitender Unternehmerfrauen für ein zukunftsfähiges Handwerk". Um gleich mit einem Klischee anzufangen: Steht hinter jedem erfolgreichen Mann heute nach wie vor eine starke Frau?
Judith Schliephake:
Dieser Satz wird der mitarbeitenden Unternehmerfrau nicht mehr gerecht. Heute ist es eine Doppelspitze. Paare führen ein Unternehmen gemeinsam. Man könnte also vielmehr sagen: Neben jedem erfolgreichen Unternehmer steht eine erfolgreiche und starke Unternehmerfrau.

DHZ: Was damit zu tun hat, dass Frauen heute hoch qualifiziert sind.
Schliephake:
Genau. Zum einen ist das schulische Niveau gestiegen und zum anderen schließen Frauen auch häufig berufliche Ausbildungen ab, die sehr gut auf das Anforderungsprofil in einem Handwerksunternehmen passen. Frauen arbeiten meist in den kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Bereichen wie Finanzen, Buchhaltung, Büroorganisation, Personal und Kundenpflege.

DHZ: An den klassischen Betätigungsfeldern hat sich in den vergangenen Jahren nicht viel geändert, aber Frauen übernehmen laut Studie mehr Führungsverantwortung.
Schliephake:
Weil sie heute höher qualifiziert sind, steigt ihre Bereitschaft, mehr Verantwortung zu übernehmen. Frauen haben früher auch schon verantwortungsvolle Aufgaben übernommen, aber heute ist die Außenwirkung größer. Die Unternehmerfrauen sind in ihrem Beruf sehr zufrieden. Sie engagieren sich gerne im Betrieb und sind stolz auf ihren Beitrag zum Erfolg. Dieses Selbstbewusstsein wird von außen wahrgenommen.

DHZ: Können Frauen mit dieser verbesserten Außenwirkung schon zufrieden sein?
Schliephake:
Sie ist besser geworden, aber Frauen haben nach wie vor mit alten Rollenklischees zu kämpfen.

DHZ: Was muss sich ändern?
Schliephake:
Politik und Wirtschaft müssen die Bedürfnisse von Frauen identifizieren und passende Angebote schaffen, um Frauen zu fördern und zu unterstützen. Es muss auch bekannt werden, was in Handwerksbetrieben heute schon möglich ist, wie flexible Arbeitszeiten und persönliche Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten. So können auch jüngere Frauen für das Handwerk gewonnen werden. Wenn man sich den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel anschaut, sehe ich in Frauen großes Potenzial, das man nutzen und aktivieren sollte. Verbände wie die Unternehmerfrauen im Handwerk spielen hier bei Fragen der Weiterbildung, der sozialen Absicherung oder des eigenen Rollenverständnisses eine entscheidende Rolle.

DHZ: Welche Herausforderungen bleiben für die Unternehmerfrauen?
Schliephake:
Leider haben an unserer Studie wenige sehr junge Unternehmerfrauen teilgenommen. Daraus kann man aber nicht folgern, dass es sie nicht gibt. Wichtig wird es in Zukunft sein, das Angebot an die jüngere Generation anzupassen und die Entwicklungsmöglichkeiten in einem Handwerksbetrieb sichtbar zu machen. Frauen wünschen sich Weiterbildungsangebote, die speziell auf ihre Situation ausgerichtet sind. Angebote, die einen kleinbetrieblichen oder problemorientierten Fokus haben, Best-Practice-Beispiele, in denen Frauen zeigen, wie sie das gleiche Problem in ihren Betrieben gelöst haben. Dieser gegenseitige Erfahrungsaustausch ist wichtig.

Die Studie "Die Bedeutung mitarbeitender Unternehmerfrauen für ein zukunftsfähiges Handwerk" des itb können Sie hier nachlesen.

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