Mittelfranken -

Betriebsübergabe Unternehmensnachfolge – Schritt für Schritt

Josef Wabner und Carmen Wabner sind ein gutes Team: Auch bei der Unternehmensnachfolge arbeiten die beiden Hand in Hand.

Langsam wird es Zeit. Man kann zumindest darüber nachdenken. Vielleicht dieses Jahr. Vermutlich aber erst nächstes. Josef Wabner sitzt im Verkaufsraum der Opel-Werkstatt in Fürth Hardhöhe. 79 Jahre ist er alt. Neben ihm sitzt seine 47-jährige Tochter Carmen. Worüber der Senior-Chef sinniert? Die Rente. „Dann kann ich auch mal daheim bleiben“, sagt er, der sechs Tage die Woche zwischen 7 und 18 Uhr – oft auch sehr viel länger – hier ist. „Was willst denn daheim?“, fragt die Betriebswirtin und schüttelt den Kopf. „Es ist der Running-Gag in der Nachbarschaft: Sobald er daheim ist, ist ihm langweilig. Und dann streicht er das Gartenhaus. Schon wieder.“ Josef Wabner schaut auf. „Ich kann auch Gras mähen.“ Die Tochter seufzt: „Ja, ja, den ganzen Tag.“

Wenn der Chef ausfällt

Im vergangenen Jahr hatten die Diskussionen begonnen. Ausgegangen sind sie von Carmen Wabner. „Der Chef hatte eine Lungenentzündung im Februar. Da haben wir ihn aus der Werkstatt ausgesperrt, damit er sich auch mal erholt. Und als er nicht da war, ist uns aufgefallen, wo er uns überall fehlt. Ich dachte also, wir müssen jetzt mal die Nachfolge regeln, damit wir handlungsfähig bleiben, falls ihm mal wirklich was passiert.

Bisher war es halt bequem, alles so weiterlaufen zu lassen wie immer.“ Thomas Hoffmann, Betriebsberater bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, nickt. Er kennt die Abläufe. Auch, wenn er normalerweise rät, ab dem 55. Lebensjahr mit der langfristigen Planung der Nachfolge zu beginnen. „Aber lieber spät als nie“, sagt er lächelnd.

Wo fange ich an …

Zeitgleich zur Lungenentzündung vom Chef landete eine Einladung zur Informationsveranstaltung „Handwerkskammer vor Ort“ im Briefkasten. Ein Thema: „Erbschaftssteuer und Handwerk – das müssen Sie wissen.“ Carmen Wabner lacht: „Das musste ich jetzt ja wirklich wissen.“ Nachdem sie sich den Vortrag angehört hatte, vereinbarte sie einen Termin mit Betriebsberater Thomas Hoffmann und gemeinsam mit Mama Käthe und Papa Josef Wabner setzte man sich zusammen und ging die Möglichkeiten durch.

Unternehmensnachfolgeformen, Rechtsformen, handwerksrechtliche Fragen. Relativ schnell war klar, dass die Unternehmensnachfolge über eine Schenkung laufen würde. Denn dem Senior war es wichtig, dass der Betrieb in der Familie bleibt. Obwohl es Angebote gab. Man hätte die Werkstatt verkaufen oder verpachten können. Carmen Wabner wäre als Geschäftsführerin eingestellt worden.

Viel Herzblut

Aber: „Das hätte mir schon sehr leid getan“, sagt der 79-Jährige. „Wissen Sie, als ich 1963 angefangen habe, habe ich keinen Kredit bei der Bank bekommen. Mein Vater, der damals schon Rentner war, hat dann gesagt: Bub, dann arbeiten wir halt 14 statt 12 Stunden. Wenn so viel Herzblut in einer Sache steckt, dann kann man das nicht hergeben.“ Auch Carmen Wabner stimmt zu: „Ich bin eigenständiges Arbeiten gewöhnt...“ Und was ist mit den beiden Kindern, wenn die Juniorchefin übernimmt? Sieben und drei Jahre sind sie alt. „Solange ich die beiden Omas habe, geht das“, ist Carmen Wabner überzeugt.

Wobei: Käthe Wabner hat schon gemahnt: „Überleg dir das gut. Denk ja nicht, dass du die beiden komplett bei mir abstellen kannst.“ Aber auch dafür gibt es eine Lösung: „Dann muss der Papa halt mehr zuhause bleiben.“ Kein Problem im Familienbetrieb, denn Peter Hofmann arbeitet auch hier. Damit hat er eine Doppelfunktion, denn er sorgt dafür, dass auch gleich eine der handwerksrechtlichen Vorgaben für die Übergabe erfüllt ist: ein Meister in der Werkstatt.

Eine Senior-Lücke

Doch ein Problem gibt es noch: Opel verlangt auch einen Serviceberater im Verkauf. Die mehrwöchige Schulung zum Serviceberater mit Prüfung und jährlicher Rezertifizierung hat bisher nur der Senior. Hofmann darf es in Personalunion nicht leisten. „Puh, das müssen wir uns auch noch überlegen“, seufzt die Tochter. Da merkt man es mal wieder. Viele kleine Stellschrauben. „Wir verlassen uns alle auf den Chef. Er ist halt da, wenn man ihn braucht.“

Josef Wabner aber betont: „Das mit der Übergabe ist schon gut. Meine Frau und ich könnten den Betrieb heute gar nicht mehr leiten. Das ganze Geschäftsgebaren hat sich verändert.“ Und deshalb geht die Familie die Nachfolge jetzt auch gezielt an – mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Im September möchten sie sich mit dem Steuerberater treffen und einige Spezialfragen klären. Und am 1.1.2019 wird es dann ernst. Die Übergabe. Die Wabners nehmen es gelassen: „Schritt für Schritt. Den Rest lassen wir auf uns zukommen …“

Die Betriebsberater der Handwerkskammer für Mittelfranken helfen Unternehmern gerne bei der Nachfolgefrage. Ansprechpartnerin: Anja Loos, anja.loos@hwk-mittelfranken.de, 0911/5309242; weitere Infos finden Sie auch unter hwk-mittelfranken.de

Phasen und Aktivitäten im Übergabeprozess

So plane ich die Unternehmensnachfolge
Phase 1: Langfristige Vorbereitung
  • Eigene Situation analysieren
  • Altersversorgung überprüfen/ergänzen
  • Testament erstellen
  • Erbrechtliche Situation regelmäßig überprüfen
  • Sensibles Auge für mögliche Nachfolger entwickeln
  • Nachfolger ausbilden und aufbauen
  • Güterstand der Ehe des Nachfolgers beachten
  • Notfallstrategie ausarbeiten
Phase 2: Entwicklung eines Übergabekonzepts (3 bis 5 Jahre)
  • Positives Gesprächsklima in der Familie herstellen
  • Zeitvorstellungen festlegen
  • Informationen beschaffen
  • Übergabevorhaben konkretisieren
  • Beratung in Anspruch nehmen
  • Bei Entscheidungen die Übergabe mit bedenken
  • Nachfolger durch geeignete Maßnahmen absichern
Phase 3: Umsetzung des Konzepts (ein Jahr vor der Übergabe)
  • Einigung zwischen den Beteiligten herbeiführen
  • Berater konsultieren (Betriebsberater der Handwerkskammer, Steuerberater, Rechtsanwalt, Notar)
  • Geschäftsplan durch Übernehmer erstellen lassen
  • Übergabefahrplan kontrollieren
  • Mitarbeiter und wichtige Geschäftspartner informieren
  • Verträge vorbereiten und prüfen
Phase 4: Begleitung der Übergabe (bis 3 Jahre nach der Übergabe)
  • Übergabe vollziehen
  • Eventuell befristete Mitarbeit des Übergebers vereinbaren
  • Übergeber als Ratgeber einbeziehen
  • Allmählichen Rückzug des Übergebers einleiten
  • Quelle: Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern, Unternehmensnachfolge und -übergabe
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