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Berufsbildung ohne Grenzen Bessere Azubis ohne Zusatzkosten: Spendieren Sie eine Auslandsreise

Raus aus dem Arbeitsalltag, dabei neue Erfahrungen machen und mit Motivation und neuen Fähigkeiten in der Tasche zurück in den Betrieb. Ein Auslandspraktikum ist sowohl für das Unternehmen als auch für junge Mitarbeiter ein Gewinn. Kosten und Organisationsaufwand fallen dank dem Programm "Berufsbildung ohne Grenzen" kaum an.

Fabian Walter ist Auszubildender zum Maler und Lackierer. Im Frühling 2017 ging es für ihn vom Familienbetrieb im hessischen Wehrheim für vier Wochen nach Cork im Süden Irlands. Ermöglicht wurde ihm der Austausch durch die Mobilitätsberatung der hessischen Wirtschaft bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, die aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung und der Europäischen Union gefördert wird.

Ähnlich funktioniert das Programm „Berufsbildung ohne Grenzen“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). 45 Mobilitätsberater stehen den Auszubildenden, Unternehmen und Berufsschulen in der Planungsphase des Auslandspraktikums beratend zur Seite.

Zahl der Auslandspraktika steigt: Auch Gesellen werden gefördert

Unternehmen fragen oft, was sie der Austausch kosten würde, weiß Ulrike Beck, Mobilitätsberaterin bei der Handwerkskammer Schwaben. „Was die Kosten angeht, können die Unternehmen beruhigt sein. Sie gewinnen durch das Angebot eines Auslandspraktikums eher motivierte Azubis, als das ihnen ein Nachteil entstehen würde.“ Unternehmen müssen nur das Gehalt weiterzahlen. Zur Zahlung von Reise- oder Unterbringungskosten besteht keine Verpflichtung, diese können zum größten Teil über Fördermittel abgedeckt werden. Die Mobilitätsberater helfen dabei, aus der Vielzahl an Förderprogrammen die geeigneten herauszusuchen, um den Eigenanteil so gering wie möglich zu halten. So konnten im Jahr 2016 2.441 Auslandspraktika realisiert werden.

Die Beratung umfasst nicht nur die Suche nach den richtigen Förderprogrammen. Die Mobilitätsberater wollen den Aufwand und die Hemmschwelle für alle Beteiligten niedrig halten. Haben Unternehmen noch keine Idee, in welches Land und Unternehmen ihr Auszubildender gehen kann, schlägt Ulrike Beck passende Betriebe vor. Stehen Ort und Zeit fest, stellt sie die nötigen Unterlagen zusammen, die für einen Auslandsaufenthalt benötigt werden.

Auslandspraktika als Gruppenerlebnis 

Einzelne Handwerkskammern bieten Austausche in Gruppen an, so auch die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Fabian Walter flog in einer Gruppe von sechs Auszubildenden nach Irland. Die HWK Schwaben arbeitet mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk zusammen. Von dem Programm mit Vor-Ort-Betreuung profitieren vor allem Teilnehmer mit geringen Sprachkenntnissen in der Landessprache. Englischkenntnisse sollten aber vorhanden sein. Eine Ausnahme hierzu bilden Praktika in deutschsprachigen Regionen. Mit Sprachen hatte Fabian Walter kein Problem. Er ging sechs Jahre auf eine englischsprachige Schule und konnte sich mit seinen irischen Kollegen ohne Probleme verständigen. „Abgesehen von der Sprache war alles wie in unserem Betrieb und wir hatten Zeit Irland zu erkunden“, erinnert er sich.

Auslandspraktika in der Toskana

von Marco-Tobias Arnold

Jedes Jahr macht sich Anfang Januar ein Tross junger Handwerker aus der Region Stuttgart auf den Weg über den Brenner in Richtung Italien. Im Rahmen des EU-Mobilitätsprojekts "Erasmus+" leben und arbeiten 15 Gesellinnen und Gesellen für drei Monate in Volterra. Sie setzen ihre in der Ausbildung erlernten Fähigkeiten unter neuen Bedingungen ein. "Die Jugendlichen lernen neben einer neuen Sprache vor allem landestypische Arbeitsweisen und Techniken kennen", betont Volker Süssmuth, der das Projekt bei der Handwerkskammer Region Stuttgart betreut.

Die Vorbereitungen beginnen bereits in Deutschland

Volterra Projekt HWK Region Stuttgart

Ab dem zweiten Monat stürzen sich die Teilnehmer dann in die Arbeit. Volterra selbst hat eine lange handwerkliche Tradition und ist Zentrum der Alabaster-Verarbeitung. Für Junghandwerker aus dem Bau- und Ausbaugewerbe bieten die italienischen Partner vor Ort spannende Arbeitseinsätze bei der Renovierung von denkmalgeschützten Gebäuden wie zum Beispiel dem etruskischen "Museum Guarnacci" an. Aber auch Konditoren, Friseure oder andere Handwerker aus anderen Gewerken arbeiten in örtlichen Betrieben mit. Egal ob auf der Baustelle oder im Betrieb: Die beruflichen Einblicke sind für die Teilnehmer Gold wert.

Gesellen sammeln wertvolle Erfahrungen

In Erinnerung bleibt den Jugendlichen meist das Abschlusswochenende: Dort werden sie bei einem Festakt im Rathaus von Volterra verabschiedet und für ihren Einsatz geehrt. Außerdem erhalten sie den "Europass Mobilität", der die erfolgreiche Teilnahme zertifiziert. Und die jungen Gesellinnen und Gesellen? Sie schwärmen nach ihrer Rückkehr: "Ich bin sehr froh, dass ich die Gelegenheit hatte, im Ausland zu arbeiten. Das war eine tolle Zeit", sagt Maler und Lackierer Victor Aidam. Und Zimmerer Fabian Gässler ergänzt: "Der Aufenthalt in Italien war für mich eine wunderschöne Erfahrung. Gerade in diesen Zeiten ist das ein wichtiges Gut im europäischen Zusammenleben."

Hier geht es zum Volterra-Blog der HWK Region Stuttgart.

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