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Kommentar zum Ernährungsreport 2018 Unser täglich Fleisch

Fleischverzicht gehört nicht zur deutschen Ernährungswirklichkeit. Dafür aber die Frage, ob es dem Tier vor dem Schlachten gut ging. Ein neues staatliches Label alleine wird jedoch weder den Fleischmarkt verändern noch die Fleischerbranche stärken.

In erster Linie muss das Essen schmecken. Doch die Deutschen wollen auch immer öfter wissen, was drin ist und wo es herkommt. Die Ergebnisse des neuen Ernährungsberichts von Landwirtschaftsminister Schmidt klingen einerseits so als wollten uns Werbung, Lebensmittelindustrie und Trendforschung immer Neues aufdrücken und sie kommen damit einfach nicht durch.

Vegane Schnitzel wollten alle nur mal probieren. Fleischersatz kommt doch nicht an das Original ran. Aufwendige und möglichst exotische Rezepte sollen lieber die kochen, die das gelernt haben und möglichst kalorienarm muss es auch nicht sein, wenn man dafür beim Geschmack Abstriche machen muss. Also doch weiterhin der Braten mit Soße, Grünkohl und Kartoffeln.

Transparenz ist Trend

Andererseits muss dieser Braten heute einmal auf der Wiese in der Region gegrast haben, in der wir selbst leben. Die Kuh soll artgerecht gelebt haben, die Kartoffeln einfach nur Kartoffeln sein. Und auch wenn der Grünkohl aus dem Glas kommt und nicht selbst zubereitet wird, muss auf seinem Etikett genau stehen, welche Gewürze, Zusatzstoffe und Hilfsmitteln in welchen Mengen mit drin sind im Glas. Wir Verbraucher wollen Informationen – ob analog auf dem Glas oder digital im Netz über die einzelnen Produkte. Transparenz ist Trend.

Minister Schmidt hat das erkannt und will vor allem dem Wunsch der Konsumenten nach mehr Fleisch von Tieren, die artgerecht gelebt haben, nachkommen. Für mehr Tierwohl würden viele sogar mehr bezahlen an der Fleischtheke. Schmidt will dafür jedoch mal wieder nur ein neues staatliches Siegel einführen – das Tierwohllabel. Es soll die geforderte Information über Herkunft und Haltung der Tiere bieten. Und dann?

Tierwohllabel: Nur der erste Schritt?

Dann wissen wir, wie viele Tiere wirklich in der Massentierhaltung leben, wie wenig regionale Kreisläuft von der Kuhwiese über den kleinen Schlachthof bis zum Handwerksfleischer es wirklich noch gibt und wie die Branche des Lebensmittelhandwerks kämpft, um sich gegen die Industrie zu behaupten? Das, was der Verbraucher nach den Ergebnissen des Ernährungsberichts gerne will, ist vom Aussterben bedroht. Ein Label alleine wird es nicht retten.

Wenn das Label allerdings nur den ersten Anstoß geben soll, die Karten wirklich auf den Tisch zu legen, kann es ein erster guter Schritt sein. So viel Transparenz hätte ich dem Landwirtschaftsminister ehrlich gesagt gar nicht zugetraut.

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