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Säge, Holz, Gespür Unikate: Handwerker baut Möbel der besonderen Art

Vom gefällten Baum bis zum fertigen Möbelstück ist es ein langer Weg. Meist geht das Holz dann durch viele Hände, bis es beim Kunden landet. Dass man sich auch alle Arbeitsschritte der Herstellungskette von der Beschaffung des Rohstoffs bis zum fertigen Unikat über viele Jahre hinweg selbst aneignen kann, zeigt Oliver Schricker mit seinen Unternehmen.

Das Tageslicht verdrängt langsam die Dunkelheit des Waldes, während die ersten Vögel zu zwitschern beginnen. Noch bevor die aufgehende Sonne den Laubboden von Kälte und Tau befreien kann, tauchen ihre Strahlen den Wald in satte Erdtöne. Großflächig zeichnet sich Moos an den Rinden der Bäume und zwischen dem Laub ab. Es ist kalt geworden in den letzten Wochen. Der Geruch von frischem Grün und feuchter Erde dringt in die Nase. Die Vögel ergreifen ruckartig die Flucht. Kein Wunder bei dem Lärm. Die Arbeit beginnt morgens. Möglichst bei Tagesanbruch. Ausgestattet sind die Männer mit Motorsägen und Kletterausrüstung. Bei dieser Arbeit geht es um Kraft, Präzision und Entscheidung. Erneut ertönt das laute Aufkreischen der Säge, als Oliver Schricker die hektisch rotierende Kette am Stamm ansetzt. Jetzt ist Vorsicht geboten.

Es geht nicht immer um reine Fällarbeiten. Der Forstbetrieb Holz und Forst Schricker bietet auch andere Arbeiten rund um den Forstbereich an. Flexible Arbeit und Service ist in diesem Beruf wichtig. Jeder Kunde hat andere Wünsche, und jeder Wald oder Garten ist in einem anderen Zustand. Erst vor ein paar Wochen beriet er einen Kunden in einem Bereich, der ebenfalls wichtig ist. Waldpflege. Es geht nicht nur darum, Bäume zu fällen und Brennholz zu produzieren. "Es geht um die Frage welche Bäume lassen wir stehen, was machen wir raus, was kann man später auch an das Sägewerk verkaufen. Entscheidungen wie: Das ist gut gewachsen, das ist schlecht gewachsen. Eben die ganze Pflege im Wald", sagt Schricker. Schließlich soll der Wald auch langfristig Geld abwerfen.

Der 34-Jährige investiert viel Zeit und Energie in die Forstarbeit. Jedoch hört bei ihm die Arbeit noch lange nicht auf, wenn der Baum am Boden liegt. Bei vielen Problemfällungen, die zum Beispiel durch Baumaßnahmen angestoßen werden, fallen Bäume, die für die Deponie oder den Brennofen zu schön sind. Eine Verschwendung, wenn dieses Holz einfach nur im Ofen landen würde. "Wenn ich zum Beispiel einen Nussbaum bei einer Auftragsarbeit auf einem Privatgrundstück fälle, dann ist da nichts von diesem Baum großartig Abfall", erklärt Schricker. "Ich schaue, dass ich den ganzen Baum so wie er ist umlegen, mitnehmen, aufsägen und trocknen lassen kann und verarbeite das dann irgendwie weiter."

Unikate aus verschiedenen Holzarten

Eine alte Garage neben seinem Wohnhaus in Karlstadt bei Würzburg. Umgebaut und angepasst an die Arbeitsweisen des Besitzers. Zahlreiche Einzelstücke gefertigt aus verschiedenstem Holz sind hier schon entstanden. Im ganzen Raum stehen Maschinen und Regale jeder Größenordnung. In den Zwischenräumen lehnen Holzbretter an den Wänden. Wenn man die fertigen Stücke sieht, fällt es schwer zu glauben, dass sie in einem so kleinen Raum entstanden sind. Noch dazu von einem gelernten KFZ-Mechaniker. Angeeignet hat er sich alles mehr oder weniger selbst über Jahre hinweg mit Unterstützung von Profis. Hier lebt er seine Kreativität aus. Sein Hobby hat er auch zum Beruf gemacht. "Das macht mir einfach Spaß mit diesem Werkstoff Holz", erklärt der Unternehmer.

Seit Januar 2020 ist es ein angemeldeter Betrieb. Seitdem ist in seiner Werkstatt schon viel passiert. Nachdem Schricker sich dazu entschlossen hatte, einen professionellen Betrieb anzumelden, tauschte er Heimwerkerwerkzeug gegen Profimaschinen aus und baute vieles um. Reichen tut es trotzdem nicht. "Platztechnisch will ich mich auf jeden Fall noch vergrößern. Es muss aber finanziell auch erstmal so viel abwerfen, dass ich umbauen kann", erklärt Schricker an seiner Werkbank lehnend. Eigentlich will er am liebsten beides machen. Forstbetrieb und Holzwerkstatt. Trotzdem wird sich der Schwerpunkt in Zukunft auf das junge Unternehmen Spessart Wood verlagern. "Ich muss auch davon ausgehen, dass ich das mit dem Forstbetrieb körperlich nicht für immer machen kann, deswegen schaue ich schon, dass sich beide Arbeiten im Moment zumindest die Waage halten", erklärt Schricker. Behutsam streicht er über eines seiner gerade gefertigten Stücke. "Aber das hier möchte ich schon auf jeden Fall weiter nach vorne bringen."

Möbelstücke aus heimischem Holz

Gefertigt ist er aus Walnussholz. 2,50 Meter lang. Massiv mit einer ausgeprägten Maserung, die über das gesamte Holz wandert. Ein Esszimmertisch, genauso besonders, wie der Baum aus dem er gefertigt wurde. Die Form des Tisches scheint an die Baumstruktur angepasst worden zu sein. Nicht wie gewöhnlich andersherum. Ein seltenes Holz, vor allem durch den großen Durchmesser des Baumes. "Den habe ich zwar nicht selbst gefällt, aber ich weiß woher er kommt, ein paar Dörfer weiter", erklärt der Handwerker. Drei Massivholztische hat er seit März 2020 angefertigt. Hinzukommen Schneidebretter, andere Möbelstücke und kleinere Dinge, wie Teelichthalter und Dekoration. Alles Unikate. Immer besonders. Viele der Hölzer kann er aus dem Forstbetrieb mitnehmen. "Das ist auch der Grund warum ich dann oft an Hölzer komme, die eben eher selten sind." Mit dem richtigen Gespür ausgewählt.

Einiges kauft er aber auch. Beim Einkauf des Holzes setzt Schricker immer auf Regionalität. An besonderes Holz kommt er auch auf diese Art. "Ich kaufe lieber Holz ein, das lebhafter ist", berichtet er. "Hölzer die für den richtigen Möbelbau zum Beispiel Abfall wären, sind für mich aber die Goldstücke. Die machen optisch am meisten her." Auch bei den Ölen, die er verwendet, bevorzugt er nachhaltige Produkte. Lebensmittelecht und ohne Chemie. Arbeiten, so natürlich wie möglich. Dass er das ganze aus purer Leidenschaft tut, merkt man sofort, wenn er von der Arbeit berichtet. "Manchmal habe ich richtige Schübe und arbeite bis in die Morgenstunden in der Werkstatt."

"Baum fällt!" Der Holzriese beginnt sich zu neigen. Gebanntes Warten. Der Boden bebt beim Aufprall des Stammes. Aufatmen. Alles gut gegangen. Ob und zu was Schricker dieses Holz verarbeiten wird, wird sich wohl erst in den nächsten Wochen zeigen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Kooperationspartner war die Deutsche Handwerks Zeitung.

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