Schwaben -

Ungebremster Optimismus

Erste Quartalsumfrage 2008 im schwäbischen Handwerk

Das 1. Quartal des Jahres 2008 verlief nicht nur für das Bauhandwerk wenig erfreulich. Auch andere Branchen spürten die Konsumzurückhaltung der Verbraucher. Entsprechend ging auch die allgemeine Zufriedenheit mit der Geschäftslage um fünf Prozentpunkte zurück. Lediglich 72 Prozent der befragten Betriebe beurteilten ihre aktuelle Lage als gut oder befriedigend. Nur wenige Handwerkszweige wie die Metall- und Zuliefererbetriebe oder die Nahrungsmittelhandwerke stemmten sich gegen den Abwärtstrend. Doch trotz eines insgesamt schwachen 1. Quartals sind die schwäbischen Handwerksbetriebe optimistisch gestimmt und erwarten für die kommenden Monate mehrheitlich eine zufriedenstellende Geschäftsentwicklung.

Jeder dritte befragte Betrieb musste einen rückläufigen Auftragseingang verbuchen. Lediglich die Bäcker, Konditoren und Metzger konnten sich der Kaufzurückhaltung der Verbraucher weitgehend entziehen. Doch nur insgesamt 13 Prozent aller schwäbischen Unternehmen verzeichneten ein Auftragsplus, darunter sind auch viele Zulieferer für den gewerblichen Bedarf, die von der unverändert guten Auftragslage im exportorientierten Maschinen- und Anlagenbau profitieren. Durch das Ausbleiben neuer Aufträge sind auch die Auftragspolster gesunken. Im Schnitt reichen die Aufträge im schwäbischen Handwerk noch für 4,5 Wochen, der Tiefpunkt des letzten Quartals wird damit nochmals unterschritten. Auch die Umsatzentwicklung hat entsprechend an Dynamik eingebüßt. Knapp jeder zweite Betrieb meldete Einbußen. „Die schwache Konsumneigung der Verbraucher macht unseren Betrieben deutlich zu schaffen“, so Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben. Trotz eines erfreulichen Rückgangs der Arbeitslosigkeit und zum Teil hohen Tarifabschlüssen sei die Inlandsnachfrage weiterhin das Sorgenkind der Konjunktur, so Wagner weiter. Das Handwerk fordere daher weitere Maßnahmen zur Belebung der Binnenkonjunktur. Dazu gehöre ganz besonders die Ausweitung des Steuerbonus für Handwerksleistungen. Hier habe die Politik bereits ein Entgegenkommen signalisiert, freut sich Wagner.

Die insgesamt kraftlose Entwicklung im 1. Quartal hat auch Auswirkungen auf den handwerklichen Arbeitsmarkt. Erfreulicherweise zeichnet sich für das nächste Quartal eine leichte Entspannung am Arbeitsmarkt ab. Zehn Prozent der Firmen wollen wieder neue Mitarbeiter einstellen. Auch die anhaltend niedrige Investitionsquote belegt, dass die Handwerksbetriebe nur geringe finanzielle Spielräume haben. 26 Prozent der Firmen haben investiert, das sind vier Prozentpunkte weniger als noch im Vorquartal.

Die geringe Konsumneigung ist die Wachstumsbremse Nr. 1 für das Handwerk. Wagner fordert daher die Politik auf, noch in dieser Legislaturperiode die notwendige Einkommensteuerreform auf den Weg zu bringen. „Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte ist ohne Zweifel wichtig, aber darüber hinaus müssen wir die Leistungsträger in unserer Gesellschaft von Steuern und Abgaben entlasten. Von einer Reform der Einkommensteuer profitieren nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch handwerklichen Einzelunternehmern.“ Wagner erwartet sich von einer Reform mehr Aufträge für Handwerksbetriebe, zusätzliche Investitionen und neue Arbeitsplätze. koh

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten