Branche -

Handwerksarbeiten bei Unwetter Unfälle auf dem Bau: Diese Folgen hat der Klimawandel

Längere Kälteperioden im Winter gibt es kaum mehr – dafür aber Stürme, Starkregen, Überschwemmungen und plötzliche auftretende, kurzfristige Phasen mit Minusgraden. Die Wetterextreme nehmen zu. Das hat Folgen für Bauarbeiten: lange Winterpausen entfallen und die Unfallzahlen steigen.

Wenn es heftig stürmt, wenn alles vereist ist und Regen und Schnee in Massen fallen, stehen die Baustellen still. Doch das sind meist nur kurze Phasen, Ausfalltage statt richtige Winterpausen. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) weist darauf hin, dass es heute fast schon möglich sei nahezu unabhängig von der Witterung zu bauen. Neue Baustoffe und Verfahren erlauben ein Arbeiten auch in den Wintermonaten, wenn es draußen kalt und ungemütlich ist.

Mehr Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle im Winter

Gleichzeitig steigen mit der durchgehenden Bautätigkeit allerdings auch die Unfallzahlen – einerseits, weil eben mehr gebaut wird und sich damit auch mehr Gelegenheiten für Unfälle ergeben und andererseits, weil im Winter das Risiko vor allem für Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle höher ist.

Der Klimawandel wird spürbarer – auch auf dem Bau. Doch Wetterextreme wie Stürme oder Starkregen behindern den Bauablauf und die Arbeit auf den Baustellen in der Regel nur kurzfristig. "In manchen Fällen zwingen diese Ereignisse dazu, den Betrieb einzustellen. Störender für den Bauablauf sind längere Kälteperioden, von denen es in letzter Zeit weniger gab", erklärt Joachim Förster, Pressesprecher der BG Bau.

Zu den Unfallzahlen im Winter legt die BG Bau folgende Entwicklung dar: Seit der Winterperiode Dezember 2012 bis Februar 2013, in der 19.376 meldepflichtige Arbeitsunfällen registriert wurden, ist ein leicht ansteigender Trend zu beobachten mit 22.894 meldepflichtigen Arbeitsunfällen im Winter 2016/2017.

Baustellensicherung und Aufklärung sind nötig

Der Winter bringt zusätzliche Gefahren, bedingt durch Kälte, Schnee und Dunkelheit. Die Hauptgefahren sind Glätte auf Arbeitsplätzen und Verkehrswegen, Beeinträchtigungen der arbeitenden Menschen durch Kälte und mangelnde Beleuchtung. Solche Gefahren bekommen Baubetriebe durch geeignete Prävention in den Griff – Sicherungsmaßnahmen, wintertaugliche Ausrüstung und entsprechende Unterweisung der Beschäftigten. Hauptauslöser für Unfälle auf dem Bau im Winter ist nach Aussage von Joachim Förster vor allem nasskaltes Wetter mit Temperaturen um null Grad Celsius. "Das führt an vielen Stellen auf der Baustelle zu Vereisungen, zum Beispiel auf Gerüstbelägen aus Stahl oder Holz, auf Bewehrungseisen und auf Folien, die zum Schutz kürzlich betonierter Teile aufgebracht sind."

Doch welche offiziellen Regelungen sind es, welche BG-Vorgaben und Richtlinien, die Arbeitgeber beachten müssen, wenn sie bei Winterwetter ihr Mitarbeiter auf die Baustelle schicken?

Nach Arbeitsstättenverordnung müssen Arbeitgeber ihre Beschäftigten an Freiluftarbeitsplätzen vor Kälteeinwirkung schützen, die Arbeitsplätze bei jeder Witterung sicher und ohne Gesundheitsgefährdung erreichen und verlassen können. Bei Schneefall oder sogar Schneemassen und Eis gilt: Während Arbeiten im Rohbaubereich dann generell ruhen, wird vor allem bei einem hohen Termindruck auf Dächern – meist Flachdächern – und auf Gerüsten weitergearbeitet. "Dabei muss dann der Arbeitsbereich mit einer Flamme vom Eis befreit werden", erläutert der BG-Sprecher und weist darauf hin, bestenfalls vor einem Wintereinbruch schon Vorsorgemaßnahmen von Haus- und Immobilienbesitzern getroffen werden müssen.

So sollte schon vor Schneefällen die Tragfähigkeit von Dachkonstruktionen geprüft und nach Möglichkeit erhöht werden. Bei der Schneeräumung auf Dächern ist zunächst die Statik des Gebäudes zu prüfen. Dann ist zu kontrollieren, ob das Dach überhaupt noch betreten werden darf und nach welchem Schema zu räumen ist, damit nicht örtliche Über- oder Fehlbelastungen zum Gebäudeeinsturz führen. Zudem sei eine regelmäßige Bestimmung der Schneelast sinnvoll, rät Förster. Zulässig sind 100 Kilogramm Schnee bezogen auf einen Quadratmeter der Grundrissfläche des Daches. Messmethoden werden in der DIN 1055-5 des Baunormlexikons angegeben. Damit kann ermittelt werden, in welchen zeitlichen Abständen Räumungsarbeiten nötig sind, bevor die kritische Dachlast erreicht ist.

Regelmäßig sollte zudem kontrolliert werden, ob die Dach-Entwässerung trotz wechselnder Frost- und Tauphasen funktioniert. Bevor die Räumarbeiten beginnen sind örtliche Gegebenheiten zu sichten: "Eine geschlossene Schneedecke gaukelt eine Stabilität vor, die nicht immer gegeben ist. Denn auf dem Dach könnte es Lichtkuppeln, Lichtbänder oder Eindeckungen geben, die nicht trägfähig sind", erläutert der BG-Sprecher.

Bei Sturm die Kräne und neue Mauern sichern

Sind dagegen Stürme angekündigt, was vor allem im Herbst und Frühjahr immer häufiger geschieht, wird die Windstärke das bestimmende Thema – vorrangig für das Betreiben eines Krans. So ist etwa in der Unfallverhütungsvorschrift für Krane (DGUV Vorschrift 52) folgendes festgehalten: "Der Kranführer hat dafür zu sorgen, dass dem Wind ausgesetzte Krane nicht über die vom Kranhersteller festgelegten Grenzen hinaus betrieben werden". Die von den Kranherstellern angegebenen Grenzen für den Betrieb bei Windeinwirkung können in der Regel in der Betriebsanleitung nachgeschlagen werden oder finden sich in den Tragfähigkeitstabellen, rät die BG Bau. Jeder Maschine zum Heben von Lasten muss eine Betriebsanleitung beiliegen. Dabei gilt für die meisten Krane, dass deren Betrieb ab der Windstärke 6 einzustellen ist.

Dann weist Joachim Förster noch auf gefährdete Maurerarbeiten hin: So könnten bei zu starkem Wind frischgemauerte freistehende Wandscheiben, zum Beispiel Giebel, umgeweht werden. Hier seien im Einzelfall mit Hilfe der Gefährdungsbeurteilung Maßnahmen zu ergreifen, beispielsweise derart, dass man die Arbeiten auf den Tag nach dem Sturm verschiebt. "Allerdings ist es zu jeder Jahreszeit wichtig, dass die Gerüste über die gesamte Bauphase nach statischer Berechnung richtig verankert sind", rät er. Durch die häufigeren Stürme steigt die Gefahr, dass beplante oder verkleidete Gerüste umstürzen.

Arbeitskleidung dem Wetter anpassen

Gerade jetzt, wo das Wetter ständig schwankt – von relativ warmen Tagen zu Minusgraden mit Regen – rät die Berufsgenossenschaft, dass auch die Kleidung der Beschäftigten auf dem Bau Einfluss auf die Sicherheit und Gesundheit hätte und dass Arbeitgeber einen Blick darauf werfen sollten. Verantwortlich für die Arbeitskleidung sind allerdings beide: Chef und Mitarbeiter. Grundsätzlich müsse vor allem verhindert werden, dass die Beschäftigten auskühlen. Die BG rät deshalb zu mehreren Lagen Kleidung übereinander, so dass man schnell und unkompliziert etwas an und ausziehen kann.

Weitere Tipps: Jacke und Hose aus Mikrofasern sowie darunter Wäsche aus Fleece-Material nehmen Feuchtigkeit auf und sorgen für Wärme. Geeignete Schutzkleidung sollte auftretende Feuchtigkeit durch Schwitzen nach außen leiten und einen wirksamen Luft- und Wärmeaustausch zwischen Körper und Umgebung ermöglichen. Auch sind bei kalter Witterung Wintermützen als passendes Zubehör zu den Schutzhelmen angebracht, denn über den Kopf wird die meiste Wärme abgegeben.

Nicht unbeachtet möchte Joachim Förster allerdings auch sogenannte biotrope Einflüsse nicht lassen, die das Unfallgeschehen beeinflussen können – also wie das Wetter auf den einzelnen Organismus eines Menschen wirkt. So können mit den Wetterschwankungen auch Leistungsfähigkeit, Konzentration und psychische Verfassung eines Menschen schwanken.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten