Deutschland -

Verkehrspolitik und Handwerk Umweltzonen: Existenz von Handwerkern bedroht

Handwerksbetriebe versorgen die Verbraucher mit Produkten und Dienstleistungen. Transporter, kleinere LKW, Kombis – zahlreiche Fahrzeugtypen sind für die tägliche Arbeitspraxis der Handwerksbetriebe unverzichtbar. Besonders die Einführung von Umweltzonen betrifft die Handwerker.

Die Abhängigkeit des Handwerks vom flexiblen Einsatz eigener Fahrzeuge wird von der Verkehrspolitik häufig nur unzureichend beachtet. In den letzten Jahren nahmen die Belastungen für Handwerksbetriebe erheblich zu. Die Einrichtung von Umweltzonen und die Einführung der digitalen Tachographen sind nur zwei Beispiele. Zukünftig drohen weitere Probleme – die Umgestaltung der Kfz-Steuer, Qualifikationspflichten für Kraftfahrer und Überlegungen zu Citymautsystemen.

Die große Bedeutung der verkehrspolitischen Rahmenbedingungen wird auch durch die Ergebnisse der ZDH-Umfrage "Was bewegt die Handwerker" zu Umfang und Zusammensetzung der Fuhrparks verdeutlicht. 3.400 Rückmeldungen von Betrieben sind in die Auswertung der Umfrage eingeflossen.

Die wichtigsten Ergebnisse

Handwerker bewegen sich vor allem im städtischen und regionalen Umfeld bis zu 50 km Entfernung vom Betrieb. Verkehrsanlagen und Parkmöglichkeiten im Nahbereich sind für die Handwerker von entscheidender Bedeutung. Aber auch Einsatzbereiche bis zu 150 km sind keine Seltenheit mehr. Insofern stellen die komplizierten Überwachungspflichten – zum Beispiel mit digitalen Tachographen – eine Belastung für die Betriebe dar.

Der Umfang des Fuhrparks liegt bei knapp der Hälfte der Betriebe zwischen einem und drei Fahrzeugen. 40 Prozent verfügen über mittelgroße Fuhrparks mit vier bis zehn Fahrzeugen, wobei der leichte Transporter das typische Fahrzeug ist. 86 Prozent der Handwerksbetriebe halten Fahrzeuge in der Gewichtsklasse bis 3,5 Tonnen.

Überalterter Fahrzeugbestand

Der Fahrzeugbestand ist entgegen landläufiger Meinung keineswegs stark überaltert. Etwa 60 Prozent der Fahrzeuge sind sechs und weniger Jahre alt. Allerdings sind die Fuhrparks sehr differenziert strukturiert. Die meisten Betriebe halten auch ältere Fahrzeuge. 92 Prozent der Betriebe haben mindestens ein dieselbetriebenes Fahrzeug.

Die Einführung der Umweltzonen trifft die Handwerksbetriebe daher besonders. Spätestens die zweite Stufe der Umweltzonen kann eine Existenzbedrohung bedeuten. Je nach Ausgestaltung könnten in zwei oder drei Jahren bis zu 40 Prozent der Fahrzeuge und bis zu drei Viertel der Betriebe in den Umweltzonen betroffen sein.

Handwerk fordert Förderung der Nachrüstung leichter LKW

Die Politik in Städten, Ländern und im Bund ist dringend aufgefordert, angemessene Übergangsfristen und Fördermöglichkeiten zur Nachrüstung leichter LKW zu schaffen. Den Betrieben muss eine realistische Chance gegeben werden, ihre Fuhrparks zu modernisieren.

Eine umweltgerechte Stadt, ohne unnötigen Verkehr und Feinstaub, kann nur über den Erhalt innerstädtischer Handwerksbetriebe gesichert werden, die mit ihrem Leistungsangebot "der kurzen Wege" zu einer Entlastung der Umwelt beitragen. Stadtverkehrsfragen müssen deshalb weiterhin in den Städten und Regionen gelöst werden – Hand in Hand mit den ansässigen Betrieben. Der ZDH spricht sich entschieden dagegen aus, dass die EU durch das kürzlich vorgelegte "Grünbuch Stadtverkehr" weitere verkehrspolitische Kompetenzen an sich zieht.

pc

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten