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Gewerbehallen im Handwerk Praxisbeispiel: Umweltfreundlich und effizient bauen

Nur etwa 1.000 Euro im Jahr an Energiekosten muss der Handwerksbetrieb Spiegel Medizintechnik für seine neue Gewerbehalle mit 450m² Nutzfläche bezahlen. Das preisgekürte Bauwerk zeigt, wie sich Design, Umweltfreundlichkeit und niedrige Kosten vereinbaren lassen.

Umweltschonend, prozessoptimiert und ein Bekenntnis zur Region – so fasst Michael Spiegel, Geschäftsführer von Spiegel Medizintechnik, die Vorzüge des neuen Firmengebäudes zusammen. Unter 71 eingereichten Projekten wurde die Gewerbehalle des Handwerksbetriebs aus Fridingen an der Donau mit dem "Effizienzpreis Bauen und Modernisieren 2020“ des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Jury lobte das durchdachte technische Gesamtkonzept und den konsequenten Einsatz von ökologischen Baustoffen.

Mehr Energie als benötigt

Das Plus-Energie-Gebäude, das Büro- und Produktionsfläche miteinander vereint, produziert mehr Energie als es verbraucht und wurde in Holzständerbauweise mit einer Dämmung aus Cellulose konstruiert. Abgesehen von der hinterlüfteten Fassade, die mit einer Stahlwelle ausgeführt wurde, sind nur natürliche Materialien verbaut.

Die Energiekosten des Gebäudes mit einer Nutzfläche von 450 m2 fallen mit lediglich 1.000 Euro im Jahr sehr gering aus. Verantwortlich für die besonders gute Energiebilanz der Gewerbehalle ist unter anderem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Sie deckt den Strombedarf von Heizung, Warmwasseraufbereitung, Produktion und Beleuchtung und speist sogar noch überschüssige Energie ins öffentliche Netz ein. Die gesamte Gebäudehülle ist nahezu luftdicht und erfüllt die Werte des Passivhausstandards. Geheizt wird mit einer effizienten Luft-Wasser-Wärmepumpe, die die Bodenplatte durch integrierte Heizungsrohre erwärmt.

Auch die Abwärme, die von den Maschinen bei der Produktion erzeugt wird, kommt der kostengünstigen Beheizung zugute. Die in der Fertigung notwendige Absauganlage führt in den Wintermonaten die warme Luft wieder in das Gebäude zurück. Der Betrieb kommt mit einem Heizwärmebedarf von 5500 kWh aus, was einem Heizölverbrauch von etwa 500 Liter im Jahr entsprechen würde. Wichtig war Bauherr Michael Spiegel auch, mit dem neuen Firmengebäude in die Region zu investieren. So stammt das verwendete Holz aus der Umgebung und das Projekt wurde mithilfe von in der Region ansässigen Handwerkern ausgeführt.

Trotz der besonderen Konstruktion seien die Kosten am Ende nicht höher ausgefallen, als bei einer herkömmlichen Halle, betont der Geschäftsführer. Auch die Bauzeit hat ihn positiv überrascht. Innerhalb von nur sechs Monaten wurde die Halle errichtet. Der Entwurf stammt von den ­Architekten "Schaller + Sternagel“, mit denen Michael Spiegel zuvor schon für sich privat ein Passivhaus gebaut hat.

Raum für Wachstum

Die neue Produktionsstätte gibt dem Handwerksbetrieb die Chance, den steigenden Anforderungen in der Branche an die Produktion von chirurgischen Instrumenten gerecht zu werden. Derzeit beschäftigt das vor rund 40 Jahren gegründete Unternehmen acht Mitarbeiter. Im alten zweistöckigen Gebäude, mit einer Fläche von nur 200 m2, konnte die Produktion mangels Kapazität nicht mehr ausgebaut werden und der Umzug war letztendlich alternativ­los. Mit der neuen Produktionsstätte sieht sich Michael Spiegel gut gerüstet, mit der Firma weiter zu wachsen.

Der "Effizienzpreis Bauen und Modernisieren“ zeichnet besonders kostengünstig und energieeffizient modernisierte und neu gebaute Gebäude aus. Mehr Informationen zum Wettbewerb und dem Thema nachhaltige und klimaverträgliche Energien finden Sie unter www.um.baden-wuerttemberg.de/de/energie

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