Meinung -

Kommentar Um Abiturienten werben

Viel Arbeit, hohe Steuern und Bürokratie: Wer jammert, verliert – insbesondere beim potenziellen Nachwuchs. Ein Plädoyer für den Handwerker als positive Imagefigur.

Immer mehr junge Menschen in Deutschland beenden ihre Schulzeit mit dem Erwerb der Hochschulreife. 2014 war es über die Hälfte. Das kann wohl kaum daran liegen, dass unsere Jugend so viel schlauer geworden ist. Es liegt am geänderten Bildungsverhalten. Das Handwerk kann das bedauern und beklagen, umgehen muss es damit aber allemal.

Mehr Abiturienten machen eine Ausbildung – aber nicht im Handwerk

Diese jungen Leute müssen davon überzeugt werden, dass nicht allein ein Studium selig macht. Wie das Bundesinstitut für Berufsbildung herausfand, hat die duale Berufsausbildung durchaus Anziehungskraft. Danach ist der Anteil der studienberechtigten Lehrlinge von 20 Prozent im Jahr 2009 auf 25 Prozent im Jahr 2013 gestiegen. In absoluten Zahlen waren dies 2013 mehr als 130.000. Das hört sich zunächst nicht schlecht an. Nur hat das Handwerk wenig davon. Denn knapp die Hälfte dieser Lehrlinge mit Abitur entscheidet sich für nur zehn Berufe aus der Dienstleistungssparte. Ein Handwerksberuf ist nicht darunter.

Das Handwerk kann seinen Nachwuchsbedarf schon seit einiger Zeit nicht mehr befriedigen. Die Zahl der Schulabgänger von Haupt- beziehungsweise Mittel- und Realschulen geht zurück. Aus deren Reihen rekrutierte aber das Handwerk den Großteil seines Nachwuchses. Unternehmer haben sich daher verstärkt den schwerer vermittelbaren Jugendlichen zugewandt, momentan bemühen sie sich intensiv um die jungen Flüchtlinge. Das ist gut und richtig so, wird aber nicht genügen.

Der Handwerker: Imagefigur und Werbeträger

Auch und gerade die Jugendlichen mit Hochschul- und Fachhochschulreife sollte der Wirtschaftszweig für sich begeistern. Dabei hat das Handwerk gute Argumente vorzuweisen. Kein anderer Sektor bereitet junge Menschen so schnell und so gut auf eine Selbständigkeit vor wie das Handwerk. Auch die Verdienstmöglichkeiten sind so schlecht nicht. Mancher Akademiker würde einkommensmäßig gerne mit einem Handwerksmeister tauschen.

Es liegt an uns allen, die Vorteile einer Karriere im Handwerk nach außen zu tragen. Die wichtigsten Imageträger für das Handwerk sind die Handwerker selbst. Klappern gehört von jeher zum Handwerk, klagen jedoch schadet nur. Wer zu Hause nur über die hohe Arbeitsbelastung, Steuern, Abgaben und zu viel Bürokratie jammert, wird selbst die eigenen Kinder kaum überzeugen können.

Wer jedoch vorlebt, dass Selbständigkeit und Unternehmertum Spaß machen und dass dabei auch etwas rausspringt, der wird in puncto Nachwuchs Erfolg haben.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten