Frankfurt-Rhein-Main -

Lasten-Fahrräder „Überlegen, ob es passt“

Die vergangenen Wochen war das Thema Mobilität für die Unternehmen im Kammerbezirk Frankfurt-Rhein-Main mehr als präsent. In Zeiten des Diesel-Streits können Lasten-Fahrräder eine Ergänzung sein.

Der Vorstand hat eine Resolution verabschiedet, die von der Politik einen Gesamtverkehrsplan fordert, um die verschiedenen verkehrspolitischen Herausforderungen zu koordinieren. Zudem wünscht sich das regionale Handwerk, dass das Know-how der verschiedenen handwerklichen Gewerke in die Planung mit einfließt (wir berichteten). Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer und des Hessischen Handwerks, hat deutlich auf die Auswirkungen der Diesel-Fahrverbote auf die Handwerker und deren Arbeitnehmer, sowie die Folgen für die Region hingewiesen.

Flexibel und umweltfreundlich unterwegs

Oliver Claus ist überzeugt: In Zeiten des Diesel-Streits können Lasten-Fahrräder eine Ergänzung sein. Der Landesinnungsmeister der Zweiradmechaniker-Innung Hessen plädiert fürs Umdenken. Viele Familien haben sie längst für sich entdeckt: Fahrräder, an die vorne auf dem Rahmen eine Transportbox montiert ist. Solche Lastenräder, auch Cargo-Bikes genannt, sind im Stadtbild nicht mehr zu übersehen. Zwei Kinder haben darin gut Platz, manchmal auch mehr. Einkäufe lassen sich transportieren, auch schwere Getränkekisten. Wer damit im Stadtverkehr unterwegs ist, bleibt mobil. Und ist dazu noch umweltfreundlich unterwegs.

„Auch für uns Handwerker können Lastenräder eine Alternative zum Diesel-Fahrzeug sein“, ist Oliver Claus überzeugt. In Trebur betreibt er einen Zweirad-Betrieb. Schon von Berufs wegen ist er vom Fahrrad begeistert. Auch privat erledigt er das meiste mit dem Rad. „Man ist an der frischen Luft, bleibt gesund und tut etwas für die Umwelt“, sagt Claus. „Und wenn noch elektrische Unterstützung dazukommt, kann es süchtig machen.“

Lastenräder mit Elektro-Antrieb gibt es in unterschiedlichen Varianten: mit integrierten Boxen, mit Anhängern in allen Größen. Sie tragen problemlos Lasten bis 100 Kilo; Varianten mit drei Rädern schaffen bis zu 240 Kilo Zuladung. Dank Elektroantrieb ist die Last kaum zu spüren. „Es gibt für jeden Einsatzzweck das passende Rad“, betont Claus. „Und sie können problemlos den Kleintransporter für Handwerker ersetzen.“

Für den Radexperten liegen die Vorteile auf der Hand: weniger Platzverbrauch beim Parken, kaum Kosten für Wartung und Betrieb. Auch die Anschaffungskosten, die je nach Ausstattung variieren und bis in den fünfstelligen Bereich reichen können, seien immer noch günstiger als beim Kauf eines Autos. „Es passt nicht für jeden Betrieb“, sagt Claus, „aber man sollte es zumindest überdenken und selbst ausprobieren. Wenn die Infrastruktur stimmt, ist das kein Problem.“

Lasten-Pedelecs gibt es inzwischen in vielen Varianten: als Frontlader genauso wie mit hoch belastbarem Heckträger. Die Reichweite ist unterschiedlich. „Wie weit man mit einer Akkuladung kommt, hängt vor allem vom Gewicht der Zuladung ab“, so Claus. „Aber Strecken von 35 bis 100 Kilometer sind durchaus drin.“ Immer mehr Städte erkennen das Potenzial; einige von ihnen fördern die Anschaffung für gewerbliche Nutzer (siehe Box) und haben selbst Lastenräder für Mitarbeiter angeschafft. „Das Jobrad ist eine weitere tolle Möglichkeit Mitarbeiter zu motivieren“, ist Claus überzeugt. Mit dem Dienstfahrrad-Konzept beziehen Arbeitnehmer ihr Wunschrad über den Arbeitgeber, Steuervorteile inklusive.

„Autoindustrie und Politik sind in der Verantwortung“

Dass sich mit dem Lastenrad die Diesel-Problematik nicht lösen lässt, weiß Claus. „Da sind die Autoindustrie und die Politik in der Verantwortung“, betont er. Und dass nicht jeder Handwerksbetrieb auf Lastenräder umsatteln kann, ist dem Landesinnungsmeister ebenfalls klar. „Aber man kann überlegen, ob es in gewissen Einsatzbereichen passt“, sagt er. „Und dann haben Handwerker in Sachen Umwelt und Gesundheit die Nase vorn.“

Ausprobieren: So geht’s

Wer ausprobieren will, ob ein Lastenrad sich für den eigenen Betrieb eignet, kann am bundesweiten Projekt „Ich entlaste Städte“ teilnehmen, das vom Institut für Verkehrsforschung angeboten wird und das auch die Stadt Frankfurt unterstützt. Hier gibt es die Möglichkeit, das Lastenrad als alternatives Transportmittel für etwa drei Monate und eine Nutzungspauschale von 1 Euro pro Rad und Tag zu testen. Bewerbungen für das Testangebot sind bis Mitte 2019 möglich. Mehr unter lastenradtest.de.

Wer ein Lastenrad anschaffen will, kann beim Bund Fördermittel beantragen. Gefördert werden E-Lastenfahrräder sowie E-Lastenanhänger, die jeweils ein Mindest-Transportvolumen von einem Kubikmeter und eine Nutzlast von mindestens 150 Kilogramm aufweisen. Bei Gespannen muss das Gesamttransportvolumen mindestens 1 Kubikmeter erreichen. Förderanträge sind an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn zu richten. Wichtig: den Antrag vor Beginn des Vorhabens stellen. Die Förderung läuft bis zum 28. Februar 2021.

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