Schwaben -

Interview „Überbetonung akademischer Bildung reduzieren“

Im Interview spricht Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger über die Ausweitung der Meisterpflicht und die Stärkung der beruflichen Bildung.

Das Handwerk ist eine starke Wirtschaftskraft. In Schwaben erwirtschaften 29.000 Handwerksunternehmen mit rund 141.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 15,4 Milliarden Euro. Die Konjunktur im Handwerk läuft auf Hochtouren. Gerade wenn es wirtschaftlich gut geht, müssen langfristige politische Weichen gestellt werden, damit diese positive Situation erhalten werden kann. Die DHZ-Schwaben-Redaktion fragte dazu den neuen Bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Hubert Aiwanger, der seit November 2018 im Amt ist.

DHZ: Herr Staatsminister, das Handwerk ist für die bayerische Gesamtwirtschaft ein wichtiger Faktor. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie diesen Wirtschaftszweig weiter stärken?
Aiwanger: Wir müssen zum Beispiel das Handwerk auch für Gymnasiasten und Studierende attraktiver machen durch Digitalisierung und technische Aufrüstung. Wenn Handwerksbetriebe Hightech-Betriebe sind, dann sind sie auch interessant für Höherqualifizierte. Und mit unserer Technologieförderung und dem Digitalbonus unterstützen wir Handwerksbetriebe beim technologischen Fortschritt. Zu einem Imagegewinn des Handwerks würde auch beitragen, wenn wir die Meisterpflicht in vielen Gewerken wieder einführen würden. Deshalb unterstütze ich diese Bestrebungen. Wir müssen die Fortbildung stetig technologisch weiterentwickeln. Ich weiß, dass ich an dieser Stelle mit der Handwerkskammer für Schwaben einen starken Partner an meiner Seite habe.

DHZ: Das Handwerk ist personalintensiv. In einigen Gewerken fehlen massiv Nachwuchs- und Fachkräfte. Welche Lösungen sehen Sie für diese Notlage?
Aiwanger: Im Jahr 2018 waren beim bayerischen Handwerk rund 7.400 Ausbildungsplätze unbesetzt. Das kann auf Dauer die Leistungsfähigkeit des Handwerks ausbremsen. Wir müssen daher die Überbetonung der akademischen Bildung reduzieren und den Fokus stärker auf die berufliche Ausbildung legen. Deshalb werben wir intensiv für die duale berufliche Ausbildung, indem wir die guten Chancen und Karriereaussichten anhand konkreter Beispiele darstellen. Darum geht es etwa bei unserer Kampagne „Elternstolz“, die das Image der beruflichen Bildung stärken soll. Mit Meisterpreis, Meister-BAföG und Meisterbonus schaffen wir zusätzlich Anreize für eine Karriere im Handwerk. Darüber hinaus haben wir in den letzten fünf Jahren die überbetriebliche berufliche Bildung mit über 150 Millionen Euro gefördert. Überdies haben wir mit der Aufstockung des Meisterbonus von 1.500 auf 2.000 Euro ein deutliches Zeichen gesetzt. Über 30.000 Absolventen profitieren jährlich von dem Förderprogramm. Der Freistaat nimmt hierfür jährlich rund 50 Millionen Euro in die Hand. Wir setzen damit ein Zeichen für die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Für Bayerns Wirtschaft brauchen wir beides.

DHZ: Den Meisterbonus auf 2.000 Euro zu erhöhen, ist ein wichtiger Schritt für die berufliche Bildung. Was ist geplant, um aus Meistern die Handwerksunternehmer von morgen zu machen?
Aiwanger: Für mich als Wirtschaftsminister zählt jede Gründung, die Arbeitsplätze schafft. Wir dürfen Gründer nicht auf digitale Start-ups reduzieren. Wir sollten auch „analoge“ Existenzgründungen und das Thema Unternehmensnachfolge nicht aus den Augen verlieren. Unsere Meisterschüler haben durch eine hochkarätige Fortbildung, die technisches Können mit kaufmännischem Wissen verbindet, die besten Voraussetzungen für unternehmerischen Erfolg. Unsere Existenzgründer im bayerischen Handwerk haben mit der von uns geförderten Betriebsberatung der Handwerksorganisationen starke und erfahrene Partner an ihrer Seite.

DHZ: Schon heute erleichtern digitale Anwendungen die handwerkliche Arbeit. Wie stellen Sie sich den Ausbau und die Förderung dieser Techniken in den Handwerksbetrieben vor?
Aiwanger: Unser Digitalbonus ist ein wertvolles Instrument, um die Digitalisierung in die Breite zu tragen. Er hilft dabei, Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zu digitalisieren und die IT-Sicherheit zu verbessern. Wir unterstützen zum Beispiel konkret bei der Entwicklung von Kunden-Apps oder auf dem Weg zu einer smarten Fertigung. Das bayerische Handwerk als Leistungsträger in allen bayerischen Regionen werden wir darüber hinaus mit der Offensive „Handwerk Digital“ tatkräftig unterstützen. Hier ist die Handwerkskammer für Schwaben deutschlandweit führend. Wir fördern damit die weitere technologische Modernisierung der beruflichen Bildungsstätten des bayerischen Handwerks und die Erforschung und Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten. Im neu entstehenden Bildungscampus der Handwerkskammer für Schwaben in Augsburg kann man sich ein Bild davon machen. Die Handwerksorganisationen unterstützen wir überdies beim Aufbau von Innovations- und Technologienetzwerken und dazugehörenden Anwenderzentren.

DHZ: Die Handwerkskammer für Schwaben baut in Augsburg eines der modernsten Berufsbildungs- und Technologiezentren in Deutschland. Dieser Neubau wird vom Freistaat Bayern mit erheblichen Mitteln gefördert. Dürfen wir Sie bei der Eröffnung begrüßen?
Aiwanger: Wenn es mein Terminkalender zulässt, bin ich selbstverständlich gerne dabei.

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