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Ausbildungsvorbereitung dual (AV dual) Über die "AV dual" zu neuen Auszubildenden: Ein Erfolgsmodell

Schulmüde Jugendliche für eine Ausbildung gewinnen? Das ist das Ziel des Schulprojekts Ausbildungsvorbereitung dual (AV dual) in Baden-Württemberg. Für Handwerksbetriebe, die bereit sind, auch mal Frust wegzustecken, bietet das eine Möglichkeit, Kontakt zu potentiellen Auszubildenden zu knüpfen.

In Zeiten des Fachkräftemangels suchen Handwerksbetriebe auf unterschiedlichsten Wegen nach Auszubildenden. Dabei haben sie auch Jugendliche im Blick, die noch nicht fit für die Ausbildung sind oder nicht genau wissen, wohin ihre berufliche Reise gehen soll. In den Bundesländern gibt es vielfältige Bildungsangebote, die darauf abzielen, Schulabgänger in die duale Ausbildung zu bringen. Ein solches Modell ist der Schulversuch Ausbildungsvorbereitung dual (AV dual).

AV dual wurde in fünf Modellregionen Baden-Württembergs eingeführt, derzeit sind rund die Hälfte aller Städte und Kreise beteiligt und bis 2025 soll der Bildungsgang im gesamten "Ländle" laufen. Das Projekt soll Jugendliche zu einer Ausbildung führen und bietet ihnen die Möglichkeit, ihren Schulabschluss nachzuholen bzw. zu verbessern.

Ein Kernstück von AV dual ist das Betriebspraktikum. Während diesem sollen die jungen Menschen den Arbeitsalltag, mögliche Berufsfelder und Betriebe kennenlernen. "Im Idealfall können die jungen Menschen nach dem Praktikum ein Ausbildungsverhältnis im Betrieb beginnen, entweder nach Schuljahresende oder auch unterjährig. Das klappt erstaunlich oft. Und selbst wenn es nicht klappt, bietet das Praktikum den Schülern einen Mehrwert. Denn die Schule kann im Rahmen der Berufsorientierung auf den Erfahrungen aus dem Praktikum aufbauen", erklärt Andrea Bronner, die das "regionale Übergangsmanagement" beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis leitet.

Wichtige Informationen für Betriebe

  • Die Arbeitszeiten im Praktikum entsprechen denen eines nicht volljährigen Auszubildenden.
  • Die Jugendlichen sind nicht sozialversicherungspflichtig.
  • Die Betriebe müssen keine Praktikumsvergütung zahlen. Wenn sie das tun, erhöht das aber die Motivation der Jugendlichen.
  • Betriebe, die Interesse haben, Praktikumsplätze für AV dual zur Verfügung zu stellen, können sich an ihre Kammer wenden.

Praktikanten aus dem AV dual-Programm aufzunehmen, ist auch für die Betriebe attraktiv. "Für Jugendliche mit Förderbedarf wird mit dem Bildungsgang AV dual ein Angebot mit starken betrieblichen Anteilen und individualisiertem Lernen bereitgestellt, das von unseren Handwerksbetrieben als durchweg positiv bewertet wird", sagt etwa Sandra Maier von der Handwerkskammer Heilbronn-Franken.

Vorteile aus Sicht der Betriebe

  • Die AV dual-Begleiter, die sich auch eng mit dem Lernberater abstimmen, machen sich im Vorfeld gemeinsam mit den Jugendlichen Gedanken darüber, welcher Betrieb zu ihnen passen könnte und welche betriebliche Lernaufgabe sie weiterbringt. So können die Jugendlichen sich zielstrebig bewerben und gut vorbereitet ins Praktikum starten.
  • Die Betriebe lernen also junge Leute kennen, die sie sonst vielleicht gar nicht als mögliche Bewerber in Erwägung gezogen hätten oder die sich nie bei ihnen beworben hätten.
  • Während des Praktikums werden die Praktikanten, aber auch der Betrieb, durch die Lernbegleiter und die AV dual-Begleiter betreut. Ausbildungsbetriebe müssen sich also nicht selbst um Probleme kümmern, sondern können sich darauf verlassen, dass das eine kompetente Person für sie tut.
  • Auch die Handwerkskammern stehen in regelmäßigem Austausch mit den AV dual-Begleitern und gehen in die Schulen, um die Jugendlichen zum Beispiel über ihre beruflichen Möglichkeiten zu informieren, bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsbetrieb zu unterstützen und in Einzelfällen auch bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen zu helfen.
  • Mit vielen der Jugendlichen können die Betriebe gut arbeiten. So äußern sich 86 Prozent der Betriebe im Rems-Murr-Kreis in einer Feedbackabfrage als zufrieden bis sehr zufrieden mit der Leistung der Praktikanten. Und die Übergangsquote in Ausbildungen liegt in den derzeitigen Modellregionen bei rund 40 Prozent.

Herausforderungen

Manche Regionen können bereits auf ein großes Betriebsnetzwerk zugreifen. Im Rems-Murr-Kreis zum Beispiel interessieren sich inzwischen so viele Betriebe für AV dual, dass gar nicht genügend Praktikanten für alle da sind. "Wir sind in der guten Lage, dass wir jedem Schüler drei mögliche Praktikumsplätze anbieten können. Deshalb können wir nicht jedem Betrieb garantieren, dass er einen Praktikanten bekommt. Wir können dadurch passgenauer vermitteln, wovon auch die Betriebe profitieren", sagt Andrea Bronner. Sie empfiehlt Betrieben, sich nach Möglichkeit flexibel zu zeigen, zum Beispiel auf lange Bewerbungsfristen für Praktika zu verzichten und, wenn es um zugewanderte Jugendlichen geht, das geforderte Niveau in der deutschen Sprache nicht zu hoch anzusetzen, sondern stattdessen beispielsweise Zeit für ein begleitendes Sprachtraining einzuräumen.

Andrea Bronner betont auch, dass die AV dual-Teilnehmer nicht grundsätzlich "von alleine laufen", sondern durchaus auch von den Betrieben in besonderem Maße angeleitet und begleitet werden müssen. Die Betriebe sollten sich darüber bewusst sein, dass diese Praktikanten häufig ganze Rucksäcke mit Problemen mit sich herumtragen, was sich auch auf ihr Arbeitsverhalten auswirken kann: "Auch wenn es überwiegend richtig gut läuft, kann immer mal wieder etwas schief gehen. Da kommt ein Praktikant zum Beispiel nur am ersten Tag und taucht dann nicht mehr auf, ohne sich abzumelden. Und wenn dann alle herumtelefonieren, um herauszufinden, was los ist, stellt sich heraus, dass er verschlafen hat oder dachte, er müsse nicht mehr kommen, nachdem eine S-Bahn ausgefallen ist", sagt sie. Das Risiko, so etwas zu erleben, sei bei AV dual-Teilnehmern größer als bei anderen Praktikanten.

Gleichzeitig warnt Andrea Bonner davor, AV dual oder die AV dual-Teilnehmer als "Loser" abzuschreiben. "Das ist ein völlig falsches Bild. Das Programm ist eine große Chance, nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für die Betriebe. Sie finden hier tolle junge Mitarbeiter, die mit etwas Unterstützung eine Bereicherung sein können und in vielen Fällen bereits sind."

Link-Tipp: https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/punlork-ist-ein-gluecksgriff/150/3076/271986

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