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Ein Handwerker als Glücksbringer im Spielfilm TV-Kritik: Zum Glück gibt’s Schreiner

Am 1. Februar zeigt die ARD um 20.15 Uhr die heitere Beziehungskomödie "Zum Glück gibt’s Schreiner", in der ein bayrischer Handwerksmeister die Gefühlswelt einer Münchner Top-Anwältin durcheinanderwirbelt. Lesen Sie hier, ob sich das Einschalten lohnt und in welchem Licht das Schreinerhandwerk im Film erscheint.

Kennen Sie das? Sie sind Handwerker und legen bei einem Kundentermin mit der Arbeit los – doch kaum haben Sie ihr Werkzeug ausgepackt, mischt sich Ihr kritischer Auftraggeber auch schon mit googlebasiertem Halbwissen ein, nörgelt an der Laustärke Ihrer Arbeit herum oder hält Ihnen vor, dass Sie es ja nicht wagen sollen, Ihre Raucherpause am Ende mit auf die Rechnung zu setzen.

Ganz ähnlich ergeht es Handwerksmeister Mike Müller (Jochen Matschke) in der Beziehungskomödie "Zum Glück gibt’s Schreiner", die am 1. Februar um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird: Hier ist es die energische Münchner Anwältin Katharina (Henriette Richter-Röhl), die das in der bayrischen Provinz stehende Haus ihrer Mutter Johanna (Thekla Carola Wied) altersgerecht umgestalten lassen möchte und sich nach der Ankunft im verschlafenen Örtchen Kleinpenning so gar nicht mit den Methoden des Schreiners anfreunden kann. Der Inhaber seines eigenen Ein-Mann-Betriebs trägt das Ganze allerdings mit Humor – und freundet sich schon bald mit Johanna an, die seine Wertarbeit zu schätzen weiß und sich außerdem über Gesellschaft freut.

Eine Komödie zum Wohlfühlen

Die Drehbuchautoren Annette Lies und Michael Kenda haben ihren Auftrag zur Herstellung des Gleichgewichts im öffentlich-rechtlichen Wochenendprogramm erfüllt: Wenn am Sonntag in der ARD der "Tatort" läuft, sendet das ZDF sein selbsternanntes "Herzkino" – und wenn das ZDF samstags eine seiner unzähligen Krimireihen ausstrahlt (am 1. Februar ermittelt "Ein starkes Team"), muss die ARD zeitgleich dazu das passende Kontrastprogramm bieten. Meist gibt es dann irgendeine Quizshow mit sympathischem Moderator und einem halben Dutzend Prominenter, eine neue Ausgabe "Verstehen Sie Spaß?" oder eine spannungsarme Komödie zum Wohlfühlen – und um genau einen solchen Film handelt es sich hier.

Unter Regie von Filmemacherin Neelesha Barthel ist ein seichter und über weite Strecken harmloser Fernsehfilm entstanden, der zur besten Sendezeit zwei zentrale Konflikte zum Thema macht: den Generationenkonflikt zwischen Ruheständlerin Johanna und ihrer Tochter in den Mittdreißigern sowie den Konflikt zwischen Handwerker-"Landei" Mike und Großstadtanwältin Katharina, die ihren Lebensmittelpunkt aus der oberbayrischen Provinz ins hippe München verlegt hat. Durch den einleitenden Treppensturz ihrer Mutter muss sie sich wohl oder übel wieder in die Pampa begeben und eine Weile dort verbringen – die Reibungspunkte sind vorprogrammiert und die Dramaturgie des Films bietet dann genau das, was man auf diesem Sendeplatz auch erwarten würde.

Altersgerecht im doppelten Sinne

"Zum Glück gibt’s Schreiner" ist nämlich ein jederzeit vorhersehbarer Spielfilm, nach dessen Drehbuch man die Uhr stellen kann: Wie in einer klassischen Rom-Com sind sich Katharina und Mike nach einer einleitenden Begegnung im Krankenhaus gleich unsympathisch, treffen sich durch den Auftrag der Mutter aber zufällig wieder, um sich dann schnippisch aneinander abzuarbeiten und schließlich ineinander zu verlieben. So wenig seniorengerecht sich das Heim von Mutter Johanna gestaltet, so zielgruppengerecht gestaltet sich der Spielfilm, der weniger die Netflix-Generationen, sondern das Stammpublikum von Rosamunde Pilcher & Co. erreichen soll und mit malerischen Wald-und-Wiesen-Panoramen und seichtem Popgedudel (fast) schnörkellos auf sein Happy End zusteuert.

Weiß der formelhafte Film überhaupt einmal zu überraschen, dann weniger mit den abgegriffenen Stadt-trifft-Land-Gags um fehlenden Handyempfang oder das mangelhafte Sushi-Angebot, sondern mit pfiffigem Dialogwitz: Johannas anfängliche Ablehnung des Umbaus mündet in viele Pointen – etwa wenn ihre Tochter ihr die Sanierung als Vorsorge für die eingeschränkte Mobilität im Alter schmackhaft machen will und die Rentnerin prompt einen Schritt weiter denkt ( "Dann schaufele ich mir vorsorglich auch gleich mein Grab im Garten."). Auch die Töchter von Katharinas Schwester Jana (Christiane Bärwald) generieren indirekte Lacher – zum Beispiel dann, wenn die Nichten Marlene (Lilli von Hehn) und Greta (Lynn Kremer) kritisch anmerken, eine Frau müsse doch wohl was Anständiges kochen können ( "Lehrt man euch das im 50er-Jahre-Unterricht?").

TV-Kritik: Zum Glück gibt’s Schreiner

Tiefer Griff in die Klischeekiste

Dieses gekonnte Spiel mit Stereotypen bleibt leider die Ausnahme, denn ansonsten fallen die Figuren sehr eindimensional aus: Während sich der Tischler Mike in bester James-Bond-Manier mit "Müller. Meister Müller" vorstellt und mit seiner Lizenz zum Innenausbau von sämtlichen Dorfschönheiten angeschmachtet wird, lebt Katharina in München in einem teuer eingerichteten, aber seelenlosen Loft, in dem zwar nie gekocht wird, aber sämtliche Lieferdienste der Stadt vorstellig werden. Ruheständlerin Johanna hingegen ist die Identifikationsfigur fürs ältere Publikum und entspricht genau dem Typus "sturer, aber liebenswerter Rentner", wie man ihn aus anderen seichten TV-Formaten wie den beliebten "Rentnercops" kennt – und dem der gute, alte Filterkaffee natürlich besser schmeckt als der aus der modernen Espressomaschine, die ihr ihre Tochter geschenkt hat.

Zugleich wird oft dick aufgetragen: Statt die Gefühlswelt von Mutter und Tochter mal zwischen den Zeilen zu transportieren, führt Johanna zum Beispiel ein Gespräch mit ihren Kürbissen, damit der Zuschauer auch ja vorgekaut bekommt, was gerade in ihr vorgeht. Im Schlussdrittel greifen die Drehbuchautoren dann noch tiefer in die Klischeekiste: Provinzhandwerker Mike begleitet die Wahl-Münchnerin Katharina in bester Crocodile-Dundee-Manier in die Großstadt – und muss dort erst von ihr erklärt bekommen, dass Männer auch rosafarbene Hemden tragen dürfen. Eine Bistro-Begegnung mit Katharinas Schicki-Micki-Freunden, die gerade vom Kurzurlaub auf Sylt zurückgekehrt sind, schießt dann den Vogel ab: Während Mike der gesunden Bowl ein deftiges Bauernfrühstück vorzieht, stellt Katharina ihn errötend als Inhaber einer "Inneneinrichtungsmanufaktur" vor – ganz so, als wäre sein Meisterbrief im Schreinerhandwerk etwas, für das man sich schämen müsse.

Kostenvoranschlag auf dem Notizzettel

Ein ähnlich zweifelhaftes Bild vom Schreinerhandwerk ergibt sich beim Blick auf die Arbeiten am Haus, die seltsamerweise fast nur bei strahlendem Sonnenschein im Garten verrichtet werden: Während die handwerklichen Tätigkeiten angenehm differenziert dargestellt werden (Mike verweist beispielsweise darauf, dass einen Treppenlift nur eine entsprechende Fachfirma installieren dürfe), können Tischler in den Augen der Filmemacher ansonsten zwar hervorragend mit Hammer und Hobel, aber offenbar weniger gut mit Taschenrechner und Zahlen umgehen. "Suchen Sie einen Handwerker oder einen Buchhalter?", fragt Mike, der sich angeblich den gesamten Auftragsumfang im Kopf merken kann, die verdutzte Katharina – und kritzelt mit einem Grinsen eine 6.000 auf einen Zettel, als die Anwältin einen detaillierten Kostenvoranschlag verlangt.

Nicht jeder Handwerker mit Know-how im Betriebswirtschaftlichen dürfte sich in solchen Momenten mit Mike identifizieren können, doch anderswo beweist das Drehbuch mehr Treffsicherheit: "Ist ein gutes Gefühl, was in der Hand zu halten, was man selbst gebaut hat" , bringt Mike seine berufliche Erfüllung als Tischler auf den Punkt – ein Satz, wie er aus einem Kampagnenvideo für "Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan." stammen könnte und wie er vielen Handwerkern aus der Seele sprechen dürfte. Auch das ehrenamtliche Engagement vieler Handwerker in ihrem Heimatort wissen die Drehbuchautoren zu würdigen: Bei Katharinas unfreiwilligem Ausflug zum Fest der Freiwilligen Feuerwehr steht zwar nicht Mike, dafür aber der örtliche Metzger Günni (Christoph Stoiber) am Grill und sorgt in Kleinpenning für das leibliche Wohl.


TV-Termin: Samstag, 1. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste

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