Ratgeber + Unterhaltung -

ARD zeigt zweiten Teil der Krimireihe TV-Kritik: Die Bestatterin, die nicht bestattet

Am 28. Januar zeigt die ARD um 20.15 Uhr den Donnerstagskrimi "Die Bestatterin – Die unbekannte Tote". Ob sich das Einschalten lohnt und warum das schwäbische Handwerk dabei nur die zweite Geige spielt.

"Gestorben wird immer", heißt es im Volksmund – und darum gilt das Bestatterhandwerk gemeinhin auch als krisensichere Branche. Nicht so im beschaulichen Hepperlingen, dem fiktiven Dörfchen auf der Schwäbischen Alb und Schauplatz des Donnerstagskrimis  "Die Bestatterin – Die unbekannte Tote": Hier führt die sympathische Handwerkerin Lisa Taubenbaum (Anna Fischer) gemeinsam mit ihrem Vater das örtliche Bestattungsunternehmen – doch die Geschäfte laufen schlecht.

Im ersten Teil 1 der Heimatkrimireihe, der im Mai 2019 unter dem Titel "Die Bestatterin – Der Tod zahlt alle Schulden" fast 4 Millionen Zuschauer vor die TV-Geräte lockte, war das nicht anders – doch anders als im kurzweiligen Vorgänger spielt den Taubenbaums das Schicksal diesmal nicht in die Karten. Statt eines Doppelmords gilt es in der Fortsetzung der Krimireihe, bei der Fabian Möhrke Regie führt, nur die Identität einer unbekannten Leiche aufzuklären – und an einer Bestattung auf Staatskosten ist nicht viel zu verdienen. Lisa muss sich nebenberuflich sogar als Physiotherapeutin was dazuverdienen.

Eine Handwerkerin ohne Aufträge

Die Bestatterin scheint ohnehin nicht (mehr) sonderlich gewillt, ihren Laden auf Vordermann zu bringen: Als Physiotherapeutin kommt sie in Hepperlingen gut rum – was der Geschichte aus der Feder von Drehbuchautor Alex Buresch den willkommenen Vorteil bringt, dass Lisa viele Hausbesuche machen und sich ein weiteres Mal als clevere Hobby-Detektivin betätigen kann. Dorfpolizist Andi Kuhn (Helgi Schmid) ist an der Aufklärung des Falls nicht sonderlich interessiert und der in die Provinz abkommandierte Stuttgarter Kripo-Kollege Thomas Zellinger (Christoph Letkowski), mit dem sich Lisa auf eine Affäre einlässt, hat oft andere Dinge um die Ohren.

Die Szenen im Bestattungsinstitut lassen sich daher an einer Hand abzählen: Ehe man Lisa die Leiche zur Obduktion wieder wegnimmt, landet sie zwar auf ihrem Tisch – aber über ihr Handwerk erfährt das TV-Publikum wenig. Stattdessen führt Lisa in Profiler-Manier einen seltsamen Dialog mit der Toten, die auffallend gut gekleidet war ( "Wem wolltest du hier in diesem Kaff gefallen?"). Das irritiert selbst ihren Bruder Hannes (Frederik Bott), der als Schreiner seine Brötchen verdient und für den Zuschauer durch das stolz aufgenähte Freischwimmer-Abzeichen und seine Hochwasserhose jederzeit als Dorftrottel zu identifizieren ist ( "Du weißt schon, dass die nimmer antworten kann…?").

Szenen aus "Die Bestatterin – Die unbekannte Tote"

Charakterzeichnung mit dem Holzhammer

Ähnlich dünn gestaltet sich die Charakterzeichnung auch bei den Figuren, die zum Kreis der Tatverdächtigen zählen: Da gibt es die profitgierigen Unternehmer Paul Geller (Robert Schupp) und Jörg Waibel (Thomas Schmauser), die auf dem Ackerland der Gemeinde ein lukratives Golfresort hochziehen wollen, den argwöhnischen Bio-Bauern Rolf Zerwegg (Marc Zwinz), dessen Existenz das umstrittene Bauvorhaben bedroht – und den konservativen Bürgermeister Kübner (Jo Jung), der bei den kontroversen Gemeinderatssitzungen zwischen der fortschrittlichen Tourismus-Fraktion und den alteingesessenen Traditionellen vermitteln muss.

Keiner dieser Charaktere mag sich von seiner Schablonenhaftigkeit zu lösen, und auch aus dem häufig erzählten Konflikt zwischen Tradition und Moderne holen die Filmemacher wenig Originelles heraus. Die Lokalpolitik ist – wie könnte es anders sein – geprägt von alten Seilschaften und Kungelei, in die auch Lisas Vater Alfons (Artus Maria Matthiessen) verwickelt wird. Dessen Figur wurde für Teil 2 der Reihe nicht nur neu besetzt (Matthiessen ersetzt Hartmut Volle aus Teil 1), sondern auch stärker ins Geschehen eingebunden: War Alfons, der nicht nur im Rollstuhl, sondern auch im Gemeinderat sitzt, im ersten Teil noch als Seniorchef mit Erfahrung und betriebswirtschaftlichem Know-how gefragt, lässt sich der querschnittsgelähmte Bestatter diesmal von seiner Tochter durch die Gegend chauffieren und ist bei der entscheidenden Abstimmung im Rat das Zünglein an der Waage.

Wenngleich das Bestattungsinstitut seltener als Filmkulisse dient als die Schreinerei, ist Alfons‘ Zerrissenheit gerade aus der Perspektive des Handwerks interessant: Der geplante Golfplatz, den viele Dorfbewohner mit aller Macht verhindern wollen, wäre ein lukrativer Großauftrag für die Baubranche – setzt sich hingegen der Öko-Bauer durch, würde der seinen brummenden Hofladen ausbauen und dabei auf das örtliche Schreinerhandwerk setzen. Alfons muss sich entscheiden – und seine Tochter am Ende den Mörder in diesem Krimi finden. Zu bestatten gibt es ja eh (noch) nichts.

Spannend wird’s erst auf der Zielgeraden

Auf seinem neuen Sendeplatz am Donnerstagabend reiht sich "Die Bestatterin" neben Erfolgsformaten wie "Nord bei Nordwest", dem "Usedom-Krimi" oder "Wolfsland" ein – ob die ARD ihrem Stammpublikum damit einen Gefallen tut, ist allerdings fraglich. Der Suspense-Faktor fällt in Hepperlingen nämlich sehr überschaubar aus und auch Kommissar Zufall ermittelt bis zum Showdown fleißig mit. So wandelt der Fernsehfilm irgendwo zwischen harmlosem Heimatkrimi und seichtem Herzkino, dass in der öffentlich-rechtlichen TV-Unterhaltung eigentlich an anderen Abenden vorgesehen ist.

Bestatterin Lisa schließen wir mit ihrer aufgeweckten Art allerdings schnell ins Herz – wirklich abheben tut sich die Hobby-Detektivin von den vielen anderen deutschen TV-Ermittlern aber auch bei ihrem zweiten Einsatz (noch) nicht. Dabei böte ihr Handwerk doch so ein tolles Alleinstellungsmerkmal.

"Die Bestatterin – Die unbekannte Tote"
Donnerstag, 28. Januar, 20.15 Uhr auf Das Erste

Weitere Informationen und Trailer zum Film



© deutsche-handwerks-zeitung.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten