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Sneaker rescue "Turnschuhe sind keine Wegwerfprodukte"

Hagen Matuszak rettet Turnschuhe vor der Mülltonne. Er repariert Sneaker. Aus seinem Online-Business am Küchentisch wird bald ein Ladengeschäft mit Werkstatt zum Zuschauen.

Meist geben die Sohlen auf oder das Material an der Ferse ist durchgescheuert. Sneaker sind eigentlich nicht für die Ewigkeit gemacht; entsprechend dünn ist der Stoff, wenig stabil sind die Ösen und nicht gut verklebt sind die Sohlen. Wegwerfprodukte also? Nicht für Hagen Matuszak von Sneaker rescue. Er repariert sie. Für den gelernten Orthopädieschuhmacher sind die Alltagsturnschuhe mehr als nur eine kurzlebige Modeerscheinung. Der 23-Jährige nennt sie "die Schuhe meiner Generation".

Statt orthopädische Gehhilfen zu fertigen und anzupassen, kümmert er sich mittlerweile ausschließlich um Sneaker – kaputte Sneaker, deren Besitzer sie weiter tragen wollen. Sie entscheiden sich bewusst gegen das Wegwerfen und Neukaufen – oft, weil sie etwas gegen die wachsenden Müllberge tun wollen und nicht selten, weil sie mit den Turnschuhen persönliche Erlebnisse verbinden.

Sneaker reparieren statt wegwerfen

Hagen Matuszak spricht vom Respekt vor den Dingen, die andere hergestellt haben – egal ob diese aus Fernost kommen und hauptsächlich aus Kunststoff bestehen. Die zweifelhaften Produktionsbedingungen rechtfertigen nicht die Massen an Schuhmüll. Schätzungen zufolge kauft jeder Deutsche im Schnitt gut fünf Paar Schuhe pro Jahr. Gleichzeitig landen hierzulande jedes Jahr etwa 10.000 Tonnen Schuhe im Müll.

Sneaker Rescue

Der Turnschuh-Retter möchte so viele Sneaker unter ihnen wie möglich vor der Mülltonne bewahren. Angefangen hat alles mit den eigenen reparaturbedürftigen Sneaker. Als Orthopädieschuhmacher sind ihm die Handgriffe natürlich vertraut und so war es für den Sneaker-Fan selbstverständlich, seine Schuhe immer wieder zu flicken oder neu zu besohlen. "Ich trage ausschließlich Sneaker", berichtet er, wie er schlussendlich zu seiner Geschäftsidee kam.

Die Motivation seiner Kunden teilt er in drei Kategorien: 30 Prozent Lieblingsschuhe, die die Besitzer inklusive einer persönlichen Story zu ihm bringen: "Der eine ist mit seinen Sneaker durch Mexiko gewandert und der andere hat sie zur Hochzeit getragen." 30 Prozent sollen repariert werden, weil die Schuhe einfach so bequem und gerne getragen sind, dass der Besitzer sie nicht einfach aufgeben möchte. Der Rest seien die Limited Editions, Liebhaber- und Sammlerstücke, die eine Aufbereitung bedürfen.

Sneaker im Trend: Limited Editions für mehrere tausend Euro

Matuszak repariert etwa 200 bis 250 Sneaker im Monat. Eine Reparatur kostet im Schnitt zwischen 20 und 50 Euro. Manches Mal bekommt Hagen Matuszak aber auch Sneaker, die mehrere tausend Euro gekostet haben und nun kaputt sind – meist Limited Editions, deren Besitzer – ähnlich wie auch Matuszak – leidenschafliche Sneaker-Träger und -Sammler sind. Werden dann Einzelteile ersetzt oder Logos neu aufgenäht, kann das auch schon mal mehrere hundert Euro kosten.

Seit März 2018 läuft das Geschäft über eine Online-Plattform: Foto vom Sneaker schicken, Kostenvoranschlag erhalten, Schuhe einpacken und an Sneaker rescue versenden. Hagen Matuszak kümmert sich dann darum, die geliebten Turnschuhe wieder in einen nutzbaren und ansehnlichen Zustand zu versetzen und schickt sie zurück. "Das habe ich bislang alles zuhause gemacht", erzählt er. Da seine Kunden gerne aber auch direkten Kontakt wollen, Fragen haben und auch sehen möchten, wie das so läuft mit dem Turnschuhe retten, ist Matuszak gerade dabei die Eröffnung eines Ladens in Berlin zu planen.

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