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Keine fristlose Kündigung möglich Trotz Krankschreibung zum Bewerbungsgespräch

Arbeitnehmer dürfen auch dann zu einem Bewerbungsgespräch gehen, wenn sie krankgeschrieben sind. Bekommt der Arbeitgeber dies mit, darf er nicht in jeden Fall fristlos kündigen. Ein aktuelles Urteil zeigt, warum hier mit dem Grundgesetz argumentiert wird.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Kündigung: Tipps und Fallstricke

Arbeitnehmer können trotz einer Krankschreibung zu einem Vorstellungsgespräch gehen. Das gilt jedenfalls, wenn das Bewerbungsgespräch ihre Genesung nicht beeinträchtigt. Das hat das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern entschieden (Az.: 5 Sa 106/12).

In dem verhandelten Fall hatte sich ein Arbeitnehmer auf eine Stellenausschreibung eines anderen Betriebs beworben. Kurze Zeit später war der Angestellte zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Er ging hin, obwohl er an dem Tag krankgeschrieben war. Der Arbeitgeber fand das heraus, weil die Presse zufällig über diese ausgesschriebene Stelle und die Bewerbungen dazu berichtete. Er sprach daraufhin die fristlose Kündigung aus.

Entlassung nicht gerechtfertigt

Vor Gericht hatte die Kündigung jedoch keinen Bestand. Der Arbeitnehmer sei wegen Problemen mit seinem Arm krankgeschrieben gewesen. Der Besuch des Vorstellungsgesprächs habe seine Genesung aber nicht beeinträchtigt - und sei deshalb auch kein Kündigungsgrund. Dass der Arbeitnehmer sich woanders beworben hat, rechtfertige ebenfalls keine Entlassung. Das Grundgesetz gewähre dem Arbeitnehmer die freie Arbeitsplatzwahl. dhz/dpa

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