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Bestattungskultur Trend zur Feuerbestattung geht weiter

Die Bestattungskultur ist im Wandel: Der Anteil an Einäscherungen ist auf mehr als 50 Prozent angestiegen. Was das für das Bestatterhandwerk bedeutet und welche anderen Berufsgruppen unter dem Trend zur Feuerbestattung leiden.

Wald- und Seebestattungen oder Urnengräber: Immer mehr Menschen entscheiden sich gegen die klassische Erdbestattung mit Sarg und Grabstein und für eine Feuerbestattung. Insbesondere Friedwälder haben diesen Trend weiter beschleunigt.

Einäscherung ist bequemer

Der Anteil an Feuerbestattungen liegt laut Christian Streidt, Bestatter und Präsident des Bundesverbands Deutscher Bestatter, mittlerweile bei mehr als 50 Prozent – Tendenz steigend. Je nach Gebiet liege er sogar bei 70 Prozent. "Eine Erdbestattung empfinden viele Menschen als zu teuer. Die Einäscherung ist die kostengünstigere Variante", erklärt Streidt.

Herrmann Rudolph vom Landesverband der Bayerischen Steinmetze ist dagegen der Meinung, es liege nicht an den Kosten, sondern an der Grabpflege. "Viele Menschen möchten diese Verpflichtung nicht mehr eingehen", ist sich der Steinmetz sicher. Streidt erklärt darüber hinaus:  "Man will seinen Angehörigen auch nicht zur Last fallen – auch nicht finanziell." Die Grabpflege sei auch häufig organisatorisch für die Hinterbliebenen schwierig, wenn sie weit weg wohnen. Zudem habe sich die Gesellschaft verändert. "Viele Menschen wollen sich nicht mehr von der Religion vorschreiben lassen, wie sie ihre letzte Ruhe finden", merkt Streidt an.

Hinzu komme, dass die Gesellschaft bezüglich der Einäscherung durch die Medien aufgeklärter sei. So zum Beispiel durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem vergangenen Jahr (B. v. 30.06.2015, 5 StR 71/15 – vorgesehen für BGHSt). Es hat eindeutig geklärt, welche Bestandteile nach der Einäscherung zur Asche zählen – wie zum Beispiel Zahngold. Damit hat das BGH viele Rechtsunsicherheiten zu diesem Thema ausgeräumt.

Bestatter als Dienstleister

"Auf den Beruf des Bestatters hat der Trend zur Feuerbestattung kaum Auswirkungen", konstatiert Streidt. Deshalb macht es für diesen kaum einen Unterschied, ob es sich um eine Erd- oder Feuerbestattung handelt. "Heute ist ein Bestatter ohnehin mehr Dienstleister als Handwerker." Er richtet die Trauerfeier aus, kümmert sich um die musikalische Untermalung und ist nicht selten psychologische Begleitung.

Särge selbst herzustellen, das lohne sich für den Bestatter nicht mehr, erklärt Streidt. Das übernehmen Sarghersteller. Die wachsende Zahl an Feuerbestattungen bedeutet für diese Berufsgruppe keinen Auftragsrückgang, denn die Einäscherung erfolgt stets mit einem Sarg.

Steinmetze und Gärtner: Die Leitragenden des Trends zur Feuerbestattung

"Einfluss hat der Trend in erster Linie auf die Friedhöfe", erklärt Rudolph, "viele Friedhofsflächen sind durch den geringen Platzbedarf frei. Dadurch steigen die Kosten, da Friedhöfe diese Leerstände ebenfalls pflegen müssen." Auch Steinmetze und Gärtner bekommen die Auswirkungen zu spüren. Da die Grabstätten kleiner sind, werden es die Grabsteine auch. Zudem ist es in Friedwäldern unüblich den Urnenplatz zu schmücken.

"Steinmetze verzeichnen seit den vergangenen 15 bis 16 Jahren einen Umsatzeinbruch von 40 Prozent auf Friedhöfen", sagt Rudolph. Er wünscht sich, dass es mehr Gemeinschaftsanlagen gibt, bei denen die Gewerke zusammenarbeiten und somit auch das Steinmetzhandwerk seine Kompetenzen verstärkt einbringen kann.

Bestatter Streidt hofft, dass die Geiz-ist-geil-Mentalität bald wieder rückläufig ist. "Bei anonymen Urnengräbern wissen die Angehörigen nicht, an welcher Stelle sich die Asche der Mutter oder des Vaters genau befindet. Manchmal wünschen sie sich daher, dass die Urne entnommen und anders bestattet wird", berichtet Streidt.

Alternative Konzepte

Die Trauerkultur ist im Wandel. Das hängt auch mit dem Trend zur Feuerbestattung zusammen, denn das Grab als Ort zum Trauern wird abgelöst. Doch ein Platz wo Menschen ihren Angehörigen gedenken können ist wichtig. Deshalb plädiert Rudolph für alternative Konzepte, die auch Rituale wieder einschließen. Das Steinmetzhandwerk ist dabei nicht untätig. Vom Bundesverband Deutscher Steinmetze gibt es einen Leitfaden zur Umsetzung alternativer Grabstättenkonzepte.

Auch Streidt berichtet von Positivbeispielen, wie Gärtner und Steinmetze Friedhöfe anders gestalten und somit attraktiver machen. Das ist seiner Meinung nach auch nötig, denn der Trend zur Feuerbestattung werde anhalten.

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