München und Oberbayern -

Tradition im Fischbrunnen

Beim Metzgersprung auf dem Münchner Marienplatz wurden 165 Lehrlinge freigesprochen

Seit dem 16. Jahrhundert gibt es in München den berühmten Metzgersprung. Ähnlich wie der Schäfflertanz geht er auf die große Pest zurück, die ab 1515 in München wütete. Lange trauten sich die verängstigten Münchner nicht aus ihren Häusern. Erst als die Zünfte der Schäffler und Metzger mit wehenden Fahnen und zu fröhlicher Musik tanzend durch die Gassen zogen, regte sich wieder Leben in den Häusern der Stadt. Besonders einprägsam war der Sprung der Metzger in den Fischbrunnen. „Seitdem war es der Innung als Dankeschön erlaubt, den Metzgersprung alljährlich zu wiederholen. Bald wurde er mit der Freisprechung verbunden“, erklärte Georg Schlagbauer, Obermeister der Metzgerinnung München, dem zahlreich erschienenen Publikum.

Bonbons statt Nüsse

Die Lehrlinge waren in enganliegende wasserdichte Schafspelze gekleidet, die überall mit Lamm- und Kalbschwänzen behängt waren. Am Ende des Taufakts sprangen alle freigesprochenen Lehrlinge in den Brunnen, warfen Nüsse unter das Volk und bespritzten es mit Wasser. Das allzu lustige und aufmüpfige Treiben ängstigte offenbar den Kurfürsten Karl-Theodor, der die Tradition 1793 verbot. Damals wurde der Brauch auch erstmals urkundlich erwähnt. Erst Maximilian II. ließ den Metzgersprung wieder aufleben.

Seit 1995 führt ihn die Metzgerinnung München alle drei Jahre durch. Mittlerweile gehen jedoch nicht mehr alle, sondern nur noch ausgewählte Lehrlinge ins Wasser. Statt Nüsse werden Bonbons verteilt. „Wir Metzger stehen für das Unverfälschte, Nachhaltige. Bei uns gibt es keine Schinkenimitate, kein Klebefleisch und keine Mogelpackung“, betonte Schlagbauer. Handwerkskammerpräsident Heinrich Traublinger, MdL a. D., gratulierte allen Gesellinnen und Gesellen zur bestandenen Prüfung. „Das Metzgerhandwerk demonstriert mit dem Metzgersprung seine Verbundenheit mit der handwerklichen Tradition ebenso wie seine feste Verwurzelung in unserer Heimat und Gesellschaft. Der Metzgersprung ist wichtig, um Jugendliche für das Handwerk zu gewinnen“, zeigte sich Traublinger begeistert. „Die Metzger machen ihr Ansehen bei der Bevölkerung und die Bedeutung ihrer Zunft mit dem Metzgersprung deutlich. Auch wenn das Handwerk Traditionen pflegt, ist es gleichzeitig offen für Innovationen“, sagte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude.

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