Sächsischer Handwerkstag -

Sächsischer Integrationspreis Tischlermeister bietet Migranten Perspektiven

Tischlermeister Sebastian Schulz aus Chemnitz wurde für sein Engagement für Migranten mit dem sächsischen Integrationspreis 2018 ausgezeichnet.

Kann man jungen Migranten eine Perspektive aufzeigen, auch wenn man selbst gerade keine hat? Tischlermeister Sebastian Schulz hat es gewagt. Selbst mitten in der Insolvenz seiner Tischlerei steckend, bot er 2017 und 2018 insgesamt elf Personen aus fünf verschiedenen Nationen Praktikumsmöglichkeiten.

Warum ausgerechnet er, das fragt sich der Handwerker im Nachhinein immer noch: „Ich habe den Aufruf im Internet gefunden und mitgemacht, weil ich das als tolle Möglichkeit fand, mich mit anderen, die ähnliche Erfahrungen haben, auszutauschen. Denn eigentlich habe ich gar nichts Besonderes getan.“ Noch nicht einmal den Fragebogen habe er korrekt ausgefüllt, gesteht er augenzwinkernd. „Da sollte man 25 Fragen beantworten, was genau man getan hat. Ich habe fast überall reingeschrieben: Wir haben miteinander gearbeitet, gegessen und geredet! Darüber sind wir uns trotz Sprachbarrieren nähergekommen.“

Schulz ist überzeugt, dass man nur durch gemeinsame Arbeit und Gespräche Integration schafft: „Erst über die Arbeit lernt man einen Menschen wirklich kennen!“ Man sehe, ob jemand mitdenke, mitanpacke, in der Lage sei, in einer Gemeinschaft zu funktionieren.

An dieser Stelle schlägt der 55-Jährige dann den Bogen zur politischen und sozialen Diskussion rund um die Flüchtlingseinwanderung und die Integrationsproblematik: „Arbeit ist unersetzbar für die Bildung einer Gemeinschaft. Hinzu kommt, dass im Handwerk vorn und hinten Fachkräfte fehlen. Auch die Sprache eines Landes lernt man nur, indem man sie anwendet. Am besten gleich gekoppelt an die Praxis. Denn kommen die jungen Menschen zwar mit einem bestimmten Sprachniveau auf den Arbeitsmarkt, dann heißt das noch lange nicht, dass sie auch verstehen, was der Handwerksmeister von ihnen möchte – Sprache und Praxis gleichzeitig wären für das Erlernen des Fachvokabulars sehr wichtig.“

Doch der Tischlermeister musste auch schmerzhaft feststellen, dass guter Wille an bürokratischen Hürden scheitern kann. Ein junger Mann aus Mazedonien erwies sich als besonders begabt und willig. Schulz hätte ihm gern eine Ausbildung ermöglicht. Der Plan scheiterte schon an der erweiterten Aufenthaltsgenehmigung. „Das lässt mich an diesem Land zweifeln“, gibt Schulz zu. Zweifel an dem, was er tut und wie er sich engagiert, kommen ihm dagegen nicht.

Schon länger hat er gute Kontakte zum Kinderheim und zu verschiedenen Schulen in Chemnitz, mit denen er gemeinsam versucht, Kindern Perspektiven aufzuzeigen. Und was in vielen Fällen der Politik noch nicht gelingt – nämlich in dieser Gesellschaft Benachteiligte zu integrieren, ihnen eine Chance und eine Lebensperspektive zu geben – das funktioniert in einer kleinen Werkstatt in Rottluff ganz wunderbar.

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