Produktneuheiten -

Formenvielfalt ohne Grenzen Tischlerei Eigenstetter setzt auf Robotertechnik

Die Tischlerei Eigenstetter aus Rehna in Mecklenburg-Vorpommern hat ein Roboterfräszentrum entwickelt, in dem Bauteile mit mehrfach gekrümmten Oberflächen wirtschaftlich produziert werden können. Dafür wurde die Firma mit dem ZIM-Preis in der Kategorie Handwerk ausgezeichnet.

Der exklusive Möbel- und Ladenbau ist die Spielwiese kreativer Innenarchitekten. Selbst erfahrene Tischlermeister kommen über ihren Entwürfen ins Schwitzen. In der Tischlerei Eigenstetter hat man eine Lösung entwickelt, die der Formenvielfalt kaum noch Grenzen setzt. Ein Roboter bearbeitet die Holzteile.

In der Industrie kommen Gelenkarmroboter vor allem in der Handhabetechnik oder beim Schweißen zum Einsatz. „Mit Fräswerkzeugen können diese Roboter nur weiche Materialien bearbeiten. Holz ist also prädestiniert dafür“, sagt Martin Eigen­stetter, der an der Uni Rostock Maschinenbau studiert hat und in der Tischlerei seines Vaters Axel für das Roboter-Projekt verantwortlich ist.

Die Idee für das Vorhaben kam den Eigenstetters 2011, als sie den Auftrag für eine kreisrunde Haustür mit oberem Stichbogen für einen Rundturm erhielten. Dank der Förderung gelang es dem Familienbetrieb, innerhalb von zwei Jahren das Roboterzentrum zum Laufen zu bringen. „Die größte Herausforderung war der Entschluss, das Projekt in die Tat umzusetzen“, sagt Martin Eigenstetter rückblickend.

Einfach war die Entwicklung deswegen aber nicht. So musste eine Spannvorrichtung gefunden werden, die Werkstücke trotz deren anspruchsvoller Geometrie sicher fixiert, ohne dass ihre Konstruktion den Roboterarm beim Fräsen im Wege steht. Auch die Wuchsrichtung des Holzes spielt während der Bearbeitung eine wichtige Rolle, um eine möglichst hohe Oberflächenqualität und Maßhaltigkeit zu gewährleisten.

Entstanden ist eine Fräszelle, in der ein fünfachsiger Industrieroboter der Firma Kuka Werkstücke mit einer Länge von bis zu sechs Metern, zweieinhalb Meter Breite und zwei Meter Höhe sicher bearbeiten kann.

Ausgezahlt hat sich der Aufwand für die Tischlerei Eigenstetter schon jetzt. Ein Drittel des Umsatzes wird bereits durch das Roboterfräszentrum generiert. Drei neue Arbeitsplätze sind entstanden. Martin Eigen­stetter geht davon aus, dass Roboter im Handwerk künftig immer mehr Verbreitung finden.

ZIM-Preis

Das Bundeswirtschaftsministerium verleiht die ZIM-Preise für herausragende Ergebnisse bei der Umsetzung von Förderprojekten durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Vergeben werden drei Preise sowie ein Sonderpreis Handwerk, den dieses Jahr die Tischlerei Eigenstetter gewonnen hat.

Weitere Preisträger 2014

1. Preis: Innovative Cliptechnologie zur schonenden Behandlung von Darmerkrankungen, entwickelt von der Ovesco Endoscopy in Tübingen

2. Preis: Montage- und Messstand zur Fertigung von Drehgestellen für Schienenfahrzeuge, entwickelt von der AGG Anlagen- und Gerätebau in Potsdam und „Cideon“ Engeneering in Bautzen

3. Preis: Bauraum- und ressourcenoptimierte Hochgeschwindigkeitsfräsmaschine DYNAsource, entwickelt von der Datron in Mühltal, der Mecatronix AG in Darmstadt sowie der TU Darmstadt.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten