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Heribert-Späth-Preis Tipps und Tricks vom besten Ausbilder im Handwerk

Maler Knoll wurde im vergangenen Jahr zum besten Ausbilder im Handwerk gekürt. Sein Beispiel zeigt: Mit einem bunten Mix an Maßnahmen können auch kleine Unternehmen viel bewirken.

In der Lagerhalle herrscht emsiger Betrieb. Kurz vor Feierabend rollt ein Fahrzeug nach dem anderen bei Maler Knoll im bayerischen Hurlach vor. Die Mitarbeiter räumen die Wagen leer. Zügig tragen sie alles an seinen Platz, reinigen ihr Arbeitsmaterial, die drei Azubis Jasmin Lenke, Samuel Hase und Sebastian Germeroth mitten drin.

Seit 33 Jahren bildet Wilhelm Knoll aus, bisher 63 Berufsanfänger. Den Ausbildungspreis des Handwerks, den Heribert-Späth-Preis, bekam er aber nicht wegen dieser Zahl allein. Seine Kreishandwerkerschaft hatte ihn nominiert, weil sich der energiegeladene 58-Jährige rundum für Ausbildung und Handwerk einsetzt.

Förderung nach Maß

Pro Lehrjahr bildet Knoll meist zwei Auszubildende aus, womit der Nachwuchs ein Drittel der derzeitigen Belegschaft ausmacht. Unter den Azubis waren Gymnasiasten im dualen Studium ebenso wie Geflüchtete oder Jugendliche mit Behinderungen. Um allen gerecht zu werden, bietet Knoll Förderung nach Maß. Die Leistungsfähigen können Zusatzqualifikationen erwerben, die über die Ausbildungsordnung hinausreichen.

Wer im zweiten Lehrjahr einen Notenschnitt von mindestens 2,5 hat, darf über Erasmus+ für drei Wochen nach Rumänien. Dort renovieren Nachwuchskräfte verschiedener Gewerke unter professioneller Anleitung historische Kirchenburgen. "Eine richtig tolle Sache, und das sage ich auch meinen Bewerbern", schwärmt Knoll. "Du musst Dich einfach schick machen für die Leute, ihnen den Beruf und den Betrieb schmackhaft machen."

Eltern und Lehrer überzeugen

Weniger starke Azubis unterstützt Knoll, indem er mit dem Berufsbildungszentrum und der Berufsschule zusammenarbeitet. Wo nötig, sorgt er für Berufsausbildungsbeihilfe oder ausbildungsbegleitende Hilfen, denn "wir brauchen in unserem Gewerk auch gute Indianer, nicht nur Häuptlinge." Diesen Herbst wird ein Jugendlicher von der Förderschule die Ausbildung beginnen, die Knolls freuen sich auf ihn. Der junge Mann hatte im Praktikum bewiesen, wie gut er ins Team passt und war motiviert. "Nur die Eltern und die Lehrerin musste ich noch überzeugen."

Mit seiner Erfahrung bereitet Knoll die Azubis, starke wie schwächere, gut auf ihre theoretischen und praktischen Prüfungen vor. In den vergangenen Jahren brachte der Betrieb Innungs-, Kammer-, Landes- und sogar Bundessieger hervor. "Wenn sie nur ihr Berichtsheft konsequent führen, haben sie schon viel gelernt", ist er überzeugt. Um sie dafür zu motivieren, prämiert die Malerinnung Oberland jedes Jahr die am besten geführten Hefte, die Sieger bekommen einen Erlebnistag.

Mäßiges Image des Gewerks

Trotzdem: Auf 20 Azubis pro Lehrjahr ist die Innung zusammengeschrumpft. Jedes Jahr bleiben Lehrstellen in der Region unbesetzt, das Malerhandwerk habe kein gutes Image, ist sich Knoll bewusst. Um so mehr arbeitet der Malermeister daran, dies zu ändern: Er wirbt auf den regionalen Ausbildungmessen, organisiert einen Brillux-Show-Truck, macht Projekte in sozialen Einrichtungen und in Behindertenwerkstätten und hält in den Schulen vor Ort Vorträge: "An einem Tag war er noch gar nicht zurückgekommen, da hatten sich schon zwei Jugendliche für ein Praktikum beworben", bewundert Maria Knoll, wie ihr Mann andere für seinen Beruf begeistert.

Obwohl Knoll auf diese Weise bisher immer seine Ausbildungsplätze besetzen konnte, haben sich auch für ihn die Zeiten geändert. "Wenn heute einer der Jugendlichen drei, fünf oder gar zehn Jahre im Betrieb bleibt, dann ist das ein Exot." Die Z-Generation sei sprunghafter, die Konkurrenz durch mittelständische Industriebetriebe in der Region groß.
Im Rahmen seiner Möglichkeiten versucht Knoll, den Verlockungen der Industrie etwas entgegenzusetzen: Ausbildungstage, interne und externe Schulungen, Teambildungsmaßnahmen und immer wieder der Versuch, über die Innung die Potenziale der einzelnen Betriebe zusammenzuwerfen: "Da können wir gemeinsam Mehrwerte schaffen!"

Manchmal sei das alles schon mühsam, gerade wenn, wie im vergangenen Jahr ein Azubi die Lehre abbricht. "Aber mir ist es wichtig, den jungen Leuten eine Perspektive zu geben. Als Maler haben sie immer ihr Auskommen." Knoll gibt also nicht auf – und rührt über seinen Imagefilm "Farb-Ton" im wahrsten Sinne des Wortes weiter die Werbetrommel für sein Handwerk.

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