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So lange dauert es bis zum Steuerbescheid Tempocheck 2017: Das sind die schnellsten Finanzämter

Einen Monat oder doch dreimal so lang: Die Bearbeitungszeiten in den Finanzverwaltungen sind in jedem Bundesland anders. Wo es am längsten dauert, bis man seinen Steuerbescheid erhält und welches Finanzamt besonders schnell arbeitet.

Wer ist Top, wer ist Flop bei der Bearbeitungszeit von Einkommensteuererklärungen? Lohnsteuer-kompakt.de hat anonym rund 200.000 Einkommensteuererklärungen ausgewertet und eine Liste mit den schnellsten und langsamsten Finanzämtern erstellt. Gerechnet wurde die Zeit zwischen Abgabe und Eingang des Steuerbescheids .

Wie lange Steuerzahler auf ihren Steuerbescheid warten müssen, hängt vom Wohnort ab. Den ersten Platz im Bundesland-Ranking belegt Berlin. Hier werden die Steuerbescheide am schnellsten erstellt. In Bremen und Hessen dauert es rein statistisch am längsten. „Die regionalen Unterschiede sind erstaunlich groß,“ sagt Felix Bodeewes, Geschäftsführer von Lohnsteuer kompakt. "Deshalb müssen einige Arbeitnehmer bis zu dreimal so lange auf ihren Steuerbescheid warten."

>> Das hier sind die schnellsten und langsamsten Finanzämter 2018 <<

Durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt zwischen vier Wochen und drei Monaten

Lohnsteuer-kompakt.de kam zu dem Ergebnis: Je nach Finanzamt schwanken die durchschnittlichen Bearbeitungszeiten für Einkommensteuererklärungen zwischen vier Wochen und drei Monaten. Zu lange, wie der Bund deutscher Steuerzahler (BdSt) findet: "Es ist nicht akzeptabel, wenn Bürger unnötig lange auf ihre Steuerbescheide warten müssen. Denn viele erwarten eine Steuererstattung für die von ihnen bezahlten Steuern“, betont BdSt-Präsident Reiner Holznagel.

Als positives Beispiel geht das hessische Finanzamt Bensheim Außenstelle Fürth voran. Hier erhielten Arbeitnehmer ihren Steuerbescheid durchschnittlich nach 27 Tagen und damit am schnellsten. Bürger, deren Einkommensteuererklärung vom Finanzamt Bremerhaven Arbeitnehmerbereich bearbeitet wurde, warteten durchschnittlich drei Monate auf ihren Steuerbescheid. Das nordische Finanzamt war somit das langsamste unter den 506 erfassten Ämtern. Die Statistik zeigt: Trotz gleicher Computerprogramme benötigen die Finanzämter für die Bearbeitung der Steuererklärungen unterschiedlich lange.

Das sind die schnellsten Finanzämter

Laut BdSt sollen künftig Steuererklärungen häufiger automatisch bearbeitet werden – dadurch könnten die Durchlaufzeiten deutlich sinken. "Wenn innerhalb von zehn Tagen eine Steuererklärung korrekt bearbeitet werden kann, wäre dies ein tolles Ergebnis“, sagt der BdSt.

Die 20 schnellsten Finanzämter in der Übersicht

Platz Finanzamt Bundesland Mittelwert Bearbeitungsdauer
2017 (Tage)
Platz 1 Bensheim Außenstelle Fürth Hessen 27,3
Platz 2 Bielefeld-Außenstadt Nordrhein-Westfalen 29,3
Platz 3 Ibbenbüren Nordrhein-Westfalen 31,4
Platz 4 Schwelm Nordrhein-Westfalen 32,1
Platz 5 Bielefeld-Innenstadt Nordrhein-Westfalen 32,6
Platz 6 Offenburg Außenstelle Wolfach Baden-Württemberg 32,8
Platz 7 Zeil am Main mit Außenstelle Ebern Bayern 33,7
Platz 8 Lichtenfels Bayern 33,7
Platz 9 Garmisch-Partenkirchen Bayern 35,2
Platz 10 Warendorf Nordrhein-Westfalen 35,3
Platz 11 Amberg Bayern 35,5
Platz 12 Montabaur-Diez Rheinland-Pfalz 35,5
Platz 13 Dortmund-Unna Nordrhein-Westfalen 35,6
Platz 14 Nördlingen mit ASt Donauwörth Bayern 36,2
Platz 15 Wuppertal-Barmen Nordrhein-Westfalen 36,5
Platz 16 Plauen Sachsen 36,8
Platz 17 Mainz-Süd Rheinland-Pfalz 37,1
Platz 18 Merseburg Sachsen-Anhalt 37,2
Platz 19 Erkelenz Nordrhein-Westfalen 37,2
Platz 20 Ehingen Baden-Württemberg 37,7

Die 20 langsamsten Finanzämter in der Übersicht

Platz Finanzamt Bundesland Mittelwert Bearbeitungsdauer
2017 (Tage)
Platz 487 Görlitz Sachsen 71,5
Platz 488 Köln-Nord Nordrhein-Westfalen 72,2
Platz 489 Reutlingen Baden-Württemberg 72,6
Platz 490 Bremen Bremen 72,9
Platz 491 Pirna Sachsen 73,5
Platz 492 Vechta Niedersachsen 73,6
Platz 493 Gifhorn Niedersachsen 74,0
Platz 494 Bad Neustadt a.d.S. Bayern 74,2
Platz 495 Mühlacker Baden-Württemberg 75,1
Platz 496 Westerstede Niedersachsen 75,5
Platz 497 Nidda Hessen 75,7
Platz 498 Eckernförde-Schleswig Schleswig-Holstein 75,9
Platz 499 Ostholstein Schleswig-Holstein 76,1
Platz 500 Essen-Süd Nordrhein-Westfalen 76,2
Platz 501 Deggendorf Bayern 76,5
Platz 502 Lingen (Ems) Niedersachsen 76,9
Platz 503 Frankfurt am Main IV Hessen 77,0
Platz 504 Landsberg Bayern 80,3
Platz 505 Frankfurt am Main I Hessen 83,5
Platz 506 Bremerhaven Arbeitnehmerbereich Bremen 86,0

Fakten zur Steuererklärung – was stimmt, was stimmt nicht?

Der BdSt hat außerdem noch einige Fakten zur Steuererklärung zusammengetragen.

1. Wer früher abgibt, bekommt seinen Bescheid früher

Die Einkommensteuererklärungen werden grundsätzlich in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet. Wer früher abgibt, bekommt im Regelfall auch früher seinen Steuerbescheid. Schneller geht es oft, wenn die Erklärungen im Frühjahr des Jahres abgegeben werden. Wer seine Einkommensteuererklärung erst im Mai oder später abgibt muss ggf. länger warten, weil in den Ämtern mehr Erklärungen eingehen.

2. Elektronisch übermittelte Steuererklärungen werden nicht bevorzugt behandelt

Elektronisch abgegebene Steuererklärungen werden gegenüber den in Papierform eingereichten Erklärungen nicht bevorzugt. In einigen Bundesländern verkürzt sich die Bearbeitungszeit bei elektronischen Erklärungen allerdings um wenige Tage, da die Daten bereits in elektronischer Form vorliegen und nicht erst im Finanzamt erfasst werden müssen.

3. Die Bearbeitung von Erstattungsfällen dauert nicht länger

Die Behauptung, die Bearbeitung von Erstattungsfällen wird verzögert, lässt sich nicht halten. Auch hier gilt grundsätzlich: Die Erklärungen werden in der Reihenfolge des Eingangs abgearbeitet. In einigen Bundesländern gilt sogar die Devise, dass Steuererklärungen, die erkennbar zu hohen Erstattungen führen, vorrangig bearbeitet werden sollen.

4. Es gibt mehrere Ursachen, wenn die Bearbeitungsdauer deutlich von den Durchschnittszahlen abweicht

Alle Finanzämter arbeiten grundsätzlich mit der gleichen Software, dennoch können die Bearbeitungszeiten zwischen den einzelnen Finanzämtern innerhalb eines Bundeslandes erheblich abweichen. Ursachen sind zum Beispiel die unterschiedlich starke Besetzung in den Finanzämtern wegen Krankheit, Urlaub, Elternzeit etc. oder das unterschiedliche Abgabeverhalten der Bürger.

Steuertipps finden Sie im DHZ-Steuerarchiv. jb/fre

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