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Werkstatt der Zukunft Telematik: Wenn das Auto mit dem Meister spricht

Im Auto klappert und rattert es – wie schön wäre es da in die Werkstatt zu fahren und der Kfz-Meister weiß, ohne sich das Auto angesehen zu haben, worin der Fehler liegt. Alles Zukunftsmusik? Nein. Das Zauberwort heißt Telematik.

"Hallo Werkstatt, ich bin’s, das Auto, bei mir ist ein Ölwechsel fällig": So oder so ähnlich stellten sich die Science-Fiction-Filmemacher aus den 70er Jahren die Kommunikation per Telematik zwischen Auto und Kfz-Werkstatt der Zukunft vor. Mittlerweile ist das schon fast Realität. Daten bestimmen immer stärker den Alltag in den Werkstätten – Fehlercodes ersetzen den Ölstab und das Messgerät.

Datenübertragung auf Wunsch

Immer mehr Autos verfügen heute bereits über eine fest eingebaute SIM-Karte. Damit sind sie in der Lage, via Mobilfunk mit der Werkstatt zu kommunizieren. Die SIM-Karte kann diverse Informationen wie technische Daten oder die Anzahl der Insassen übertragen. Einen automatischen Datenfluss jedoch gibt es jedoch nur bei der Notruf-Funktion, dem eCall.

Zusammengefasst wird diese Datenkommunikation unter dem Begriff Telematik. Ist der Fahrer damit einverstanden, kann sich zwischen dem Auto auf der einen sowie Autohersteller und Werkstatt auf der anderen Seite ein reger Austausch entwickeln. BMW etwa verschickt über die SIM-Adresse Updates für sein Navigationssystem.

Umgekehrt können Werkstätten die Fehlercodes des Autos empfangen. Der Kfz-Meister kann dementsprechend reagieren und den Autobesitzer beispielsweise wegen eines Termins kontaktieren. Zum Werkstatttermin selbst können dann eventuell notwendige Ersatzteile bereits am Lager sein.

Verband fordert Telematik-Plattform

"Die Arbeit am Fahrzeug selbst wird sich nicht groß verändern, die Werkzeuge und Servicegeräte hingegen entwickeln sich weiter", erklärt Ulrich Köster vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Vor allem werden die Mechatroniker in den Werkstätten künftig in der Lage sein, mehr Arbeiten sozusagen per Fernwartung durchzuführen.

Allerdings gibt es bislang noch keine einheitliche Telematik-Plattform, weshalb Autobesitzer meist noch auf das Werkstattnetz ihrer Marke angewiesen sind. Hier fordert unter anderem der ZDK eine standardisierte Plattform. "Der Kunde soll darüber entscheiden, welchem Anbieter er Zugang zu seinem Fahrzeug gewähren will", meint Köster.

Die Einführung des eCall-Systems soll 2018 erfolgen. Es ist anzunehmen, dass dadurch die Verbreitung von Telematik in Autos zunehmen wird – und das kommt sicherlich auch den Kfz-Werkstätten zugute. dhz

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