Reise -

Urlaub in Israel Tel Aviv, ganz entspannt

Die israelische Metropole Tel Aviv ist eine Mixtur aus modernem Stadtleben, lässigen Stränden und aufregendem Nachtleben. Die schwelenden politischen Konflikte werden beiseite geschoben.

Tel Aviv, ganz entspannt
Tel Aviv ist nicht nur pulsierende Stadt, sondern bezaubert auch durch seine Natur. -

Morgens um sechs, sollte man doch meinen, ist man der Erste am Strand. Doch weit gefehlt. Die sportverrückten Einwohner von Tel Aviv sind mit Sonnenaufgang auf den Beinen. Sie laufen, schwimmen, reiten die ersten Wellen schon vor der Arbeit. Der Hang zum Frühsport ist erstaunlich, denn die Tel Aviver sind ja auch die halbe Nacht unterwegs und zelebrieren das Partyleben bis in die Puppen. Wann schlafen die?

Die Menschen, die Stadt sind immer in Bewegung, es gibt keinen Stillstand, jeder Tag, jede Stunde wird ausgekostet und ausgenutzt. Tel Aviv pulsiert und bleibt dabei ganz entspannt. Viele Vergleiche musste sich Israels Metropole schon gefallen lassen: das „New York des Nahen Ostens“, „Miami des Mittelmeers“ und so weiter. Doch das trifft es nicht, Tel Aviv ist nicht vergleichbar, sondern ein Unikat. Vielleicht besitzt die Stadt die Multikultur New Yorks, vielleicht das lässige Strandleben Miamis – aber das zusammen und noch viel mehr gibt es sonst nirgends. Lifestyle, Strand, Natur, Kultur, Geschichte, das besondere Licht – und das alles in einer eher mittelgroßen Stadt.

Tel Aviv-Jaffa

Leben am Strand

Tel Aviv kennenzulernen – das macht man am besten vom Strand aus. Hier trifft sich alles, vor der Arbeit, nach der Arbeit, in der Mittagspause. Strandcafés und Restaurants haben den ganzen Tag geöffnet, die israelische Fusionküche ist sagenhaft, so auch der Wein von den Golanhöhen, ein Genuss des Lebens. Der „Tayelet“ – die lange Strandpromenade – ist Anziehungspunkt für Einwohner wie für Touristen. Hier säumen sich auch die großen internationalen Hotels den Strand entlang.

Mit dem Mountainbike, die überall für kleines Geld zu mieten sind,  lohnt sich eine erste Tour ins nahe Jaffa, der arabischen Altstadt. Während Tel Aviv mit gerade erst 103 Jahren noch sehr jung ist, wird man in Jaffa gleich in eine andere Zeit versetzt. Dann geht es ­weiter in den Stadtteil Neveh Tzedek, ein nostalgisch-heimeliges Nachbarschaftsviertel inmitten der Metropole. Auch nur wenige Fahrrad-Kilometer weiter ragt die „White City“ aus dem Stadtgeschehen heraus, die „weiße Stadt“. Das Weltkulturerbe besteht aus Tausenden Gebäuden in Bauhaus-Stil.

Radtouren außerhalb Tel Avivs sind allerdings ungleich beschwerlicher, weil die vollen Ausfallstraßen nicht gerade zum Radfahren einladen. Besser geht es mit dem Bus. Nur eine Dreiviertelstunde und man ist schon in der nächsten Weltstadt: Jerusalem. Auch ein Abstecher in die Westbank, etwa in die Mondlandschaft des Toten Meers oder zur Geburtskirche nach ­Bethlehem, sind an einem Tag zu schaffen.

Leben mit der Gefahr

Die politischen Verhältnisse sind der größte Unsicherheitsfaktor des Landes. Seit dem Bau der Sperranlagen um die Westbank ist Israel zwar von Selbstmord­attentaten verschont geblieben. Allerdings schwelt jetzt der Iran-Konflikt, der bei der Reiseplanung durchaus bedacht werden sollte. Ohnehin muss sich der Reisende an die schwer bewaffneten Soldaten am Strand und die Kampfhubschrauber am Himmel erst einmal gewöhnen. Ganz zu schweigen von den Sicherheitschecks am Ben-Gurion-Flughafen, die stundenlang dauern.

Vielleicht sind die Tel Aviver gerade deswegen so. An Politik wollen sie nicht denken, kein Wort fällt über Krieg und Krisen, das vermiest ihnen bloß den Tag. Offenheit, Gastfreundlichkeit und ein Schuss Hedonismus – damit kontern die Tel Aviver ihre Staatspolitik.

Ein Tel Aviver, Ronny Edry, schickte im März einfach mal per Facebook Friedensgrüße an die Iraner und löste damit einen Sturm an Sympathiebekundungen aus. „Iraner, wir lieben euch“, schrieben Zigtausende Israelis. Die Iraner schrieben zurück: „Wir lieben euch auch.“ So einfach ist das.

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