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Vorschlag des ifo-Institutes Teilqualifizierung für Flüchtlinge: Kritik vom ZDH und DGB

Nur kurz das Wichtigste beigebracht und dann ab ins Arbeitsleben? Unter anderem das Ifo-Institut schlägt Teilqualifizierungen für Flüchtlinge vor - und bekommt Gegenwind.

Für eine reibungslose Integration brauchen Flüchtlingskinder und jugendliche Asylsuchende nach Expertenansicht so rasch wie möglich Zugang zu Kindergärten, Schulen und Lehrstellen. Dafür seien in Deutschland schnelle praktische Lösungen gefragt. Eine solche Lösung könnten für junge erwachsene Flüchtlinge "ein- bis zweijährige teilqualifizierende Berufsausbildungen" sein, schlägt das ifo-Institut daher vor. Diese Möglichkeit sollte nach Meinung der Wirtschaftsforscher stark ausgebaut werden.

"Wir können nicht alle Flüchtlinge zu Mechatronikern ausbilden, aber für teilqualifizierte Landschaftsgärtner oder Helfer in der Alten- und Krankenpflege könnte es am deutschen Arbeitsmarkt viel Potenzial geben", sagte der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann. Bei jungen Erwachsenen müsse der Aufenthaltsstatus zügig geklärt werden, damit Sprachkurse schnell und flächendeckend ansetzen können. Ein großer Teil der jungen Flüchtlinge komme gering qualifiziert hierher.

DGB: Vorbereitung auf Arbeit in prekären Verhältnissen

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack lehnte den Vorschlag umgehend ab: "Was beim Mindestlohn nicht gelungen ist, versuchen arbeitgebernahe Bildungsforscher nun bei der Ausbildung durchzusetzen: Wichtige soziale Standards sollen geschliffen werden, um Flüchtlinge als billige Arbeitskräfte auszubeuten. Flüchtlinge dürfen keine Auszubildenden zweiter Klasse werden." Die Folgen wären fatal. "Unterhalb einer vollwertigen Ausbildung gäbe es dann noch einen parallelen Markt mit Häppchen-Ausbildungen, die die Menschen auf schlechte Arbeit in prekären Verhältnissen vorbereiten."

Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hält eine Teilqualifizierung von Flüchtlingen nicht für sinnvoll. "Die berufliche Ausbildung mit dem Ziel des Gesellenabschlusses ist eine ganzheitliche Ausbildung, die über die Dauer von in der Regel drei Jahren Theorie und Praxis umfassend miteinander verzahnt", erläutert Hans Peter Wollseifer, Präsident des ZDH. Am Ende ihrer Lehrzeit seien die jungen Menschen fit für das Berufsleben. "Teilausbildungen können dies nicht leisten", betont der Handwerspräsident.

Auch der ZDH ist der Meinung: Jungen Flüchtlingen wäre mit Teilqualifizierungen vor allem im Hinblick auf eine spätere Berufstätigkeit nicht geholfen. Zwar könnten im Vorfeld erbrachte Leistungen berücksichtigt und die Lehrzeit damit gegebenenfalls verkürzt werden. Wollseifer: "Für junge Flüchtlinge dürfte das aber nur in Ausnahmen der Fall sein, da hier in der Regel erst einmal die für einen guten Ausbildungsabschluss erforderlichen Deutschkenntnisse erworben werden müssen."

Grüne fordern Zugangschancen zur dualen Ausbildung im Betrieb

Gerade für Kinder und Jugendliche sei gute Bildung und Ausbildung "Anker und Hoffnung für eine Zukunft zugleich", heißt es in einem Antrag der Grünen-Bundestagsfraktion an die schwarz-rote Bundesregierung. Der Bund solle "die Länder und Kommunen dabei unterstützen, allen Kindern und Jugendlichen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, schnellstmöglich einen guten Kita- beziehungsweise Schulplatz (...) zur Verfügung zu stellen".

Zudem müsse die Regierung der Forderung des Bundesrates und der Wirtschaft nach Rechtssicherheit für Auszubildende und Betriebe Rechnung tragen. "Es soll sichergestellt werden, dass Betriebe und Auszubildende durch Beratung und ausbildungsbegleitende Angebote und Strukturen so unterstützt werden, dass junge Menschen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus eine echte Zugangschance zur dualen Ausbildung im Betrieb erhalten", verlangen die Grünen. dhz/dpa

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