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Broschüre Tax Compliance für Handwerksbetriebe Tax Compliance: Selbstverpflichtung zur Steuerehrlichkeit

Hartmut Schwab, Vizepräsident der Bundessteuerberaterkammer, über die Selbstverpflichtung zur Steuerehrlichkeit, innerbetriebliche Kontrollsysteme und warum sich jeder Betrieb der Tax Compliance verpflichten sollte.

DHZ: Herr Prof. Schwab, die Bundessteuerberaterkammer und der ZDH haben die Broschüre "Tax Compliance für Handwerksbetriebe" herausgebracht. Was verstehen Sie unter Tax Compliance?
Hartmut Schwab: Tax Compliance ist Teil der Compliance-Kultur. Es bedeutet, dass sich ein Unternehmen freiwillig dazu verpflichtet, sich im Rahmen des Besteuerungsverfahrens gesetzestreu zu verhalten, und das auch so an seine Mitarbeiter kommuniziert. Jeder Betrieb sollte ein Tax-Compliance-System haben.

DHZ: Warum?
Schwab: Bei Handwerksbetrieben werden die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Verpflichtungen immer komplexer. Ein Tax-Compliance-System hilft, Fehler und Risiken aufzudecken und zu vermeiden. Es signalisiert dem Finanzamt oder Betriebsprüfern, dass sich ein Betrieb um eine ordnungsgemäße Geschäftsführung bemüht.

DHZ: Was muss ein Unternehmer tun, wenn er sich der Tax Compliance verpflichten will?
Schwab: Der Unternehmer sollte ein innerbetriebliches Kontrollsystem einrichten, kurz Steuer-IKS. Dazu sollte er seinen Steuerberater einbeziehen, um steuerliche Risiken zu verringern. Ein Steuer-IKS ist immer eine "Maßanfertigung" für einen konkreten Betrieb. Das Grundgerüst besteht aus sieben Grundelementen, wie Compliance-Kultur, -Ziele, -Organisation, -Risiken, -Programm, -Kommunikation, -Über­wachung/-Ver­besserung. Sinnvoll ist eine schrittweise Einführung mit einem Schwerpunkt auf den wichtigsten Risiken.

DHZ: Welche Risiken sind das?
Schwab: Die Risiken sind für jeden Betrieb unterschiedlich. Bestes Beispiel: eingehende Rechnungen. Wenn auf der Baustelle etwas fehlt und schnell irgendwo besorgt wird, stellt sich immer die Frage, ob diese Rechnung im Sinne des Umsatzsteuerrechts zum Vorsteuerabzug berechtigt. Mit einem Steuer-IKS könnte der Unternehmer festlegen, was eine Rechnung genau enthalten muss, und seinen Mitarbeitern als Checkliste mitgeben. Wenn ein Fehler passiert, ist das Ziel immer, diesen zukünftig zu verhindern. Deshalb sollte man ein IKS auch als ständigen Prozess verstehen, der immer wieder angepasst werden muss.
 
DHZ: Was muss ein Unternehmer tun, um ein IKS einzurichten?

Schwab: Jeder Unternehmer muss mit seinem Steuerberater eine Bestandsaufnahme machen und seine speziellen steuerlichen Risiken analysieren. Kennt man die steuerlichen ­Risiken, können Steuerungs- und Kontrollmaßnahmen implementiert werden wie Checklisten oder Mitarbeiterschulungen. Wichtig ist auch die Dokumentation dieser Maßnahmen. Vor allem sollte der Unternehmer sicherstellen, dass die Anforderungen seines IKS eingehalten werden.

DHZ: Das hört sich nach Bürokratie an. Warum sollte das ein Handwerksbetrieb freiwillig tun?
Schwab: Die Analyse der Betriebsabläufe birgt viele Chancen, denn in der Regel steckt in allen Arbeits­abläufen Verbesserungspotenzial. Wenn man Fehlerquellen ausschaltet, spart man sich zumindest später die Zeit, nach einem Fehler zu suchen. Hinzu kommt: Sollte während einer Betriebsprüfung tatsächlich ein Fehler entdeckt werden, kann sich ein Unternehmer mit seinem Steuer-IKS vom Vorwurf des Verschuldens möglicherweise entlasten.

DHZ: Was wird sich durch die Digitalisierung ändern?
Schwab: Gerade die Buchhaltung wird stärker automatisiert werden. Es werden keine Routinefehler mehr passieren, aber man muss aufpassen, dass sich keine Systemfehler einschleichen. Gerade in Zeiten zunehmender Automatisierung ist ein IKS wichtig, um die Verfahrensabläufe zu kontrollieren. Schließlich schaut dann ja kein Steuerberater oder Buchhalter mehr darauf.

Zum Download der Broschüre "Tax Compliance für Handwerksbetriebe"

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