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Internes Kontrollsystem Tax Compliance: So kann es im Betrieb umgesetzt werden

Was versteckt sich hinter den Begriffen Tax Compliance oder Steuer-IKS? Inhaber von Handwerksbetrieben fürchten noch mehr Bürokratie oder weisen darauf hin, dass das Thema Tax Compliance für sie wegen der Größe ihres Betriebs kein Thema ist. Zusammen mit der Bundessteuerberaterkammer beleuchtet der Zentralverbands des Deutschen Handwerks dieses Thema und möchte Vorurteile abbauen.

Was versteht man unter Tax Compliance?

Bislang war Tax Compliance tatsächlich nur in Konzernen und sehr großen Gesellschaften ein Thema. Es handelt sich um ein innerbetriebliches Kontroll system (IKS), mit dem steuerliche Abläufe im Betrieb standardisiert werden, um bei Betriebsprüfungen steuerlich stets auf der sicheren Seite zu stehen. Da aber bereits selbst kleine und mittelständische Betrieb heute schon unzählige steuerliche Aufgaben erledigen und Verpflichtungen beachten müssen, hält das Tax Compliance jetzt auch Einzug in kleine und mittlere Betriebe.

Wie schafft man ein internes Kontrollsystem (IKS)?

Sind Sie Betriebsinhaber und haben bereits eine Betriebsprüfung des Finanzamts mit hohen Steuernachzahlungen hinter sich oder fürchten künftig eine Prüfung oder Kassen-Nachschau, sind Sie ein Kandidat für Tax-Compliance. Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater, ob er Sie hier unterstützen kann. Falls nicht, kann es durchaus sinnvoll sein, über einen Wechsel der steuerlichen Beratung nachzudenken oder zweigleisig zu fahren – also ein Berater für die Gewinnermittlung und die Erstellung der Steuererklärung und ein Berater für die Einführung eines internen Kontrollsystems für steuerliche Sachverhalte.

Schritt 1: Ist der Steuerberater ausfindig gemacht, der sich um das Tax Compliance in Ihrem Handwerksbetrieb kümmert, wird er zunächst eine Bestandsaufnahme durchführen. Er wird alle steuerlichen Sachverhalte, die sich in Ihrem Betrieb Tag für Tag abspielen, ausfindig machen. Dazu gehören unter anderem die steuerliche Kassenführung, Aufbewahrungsfristen, Rechnungserstellung. Also praktisch alle Bereiche, die auch ein Betriebsprüfer des Finanzamts durchleuchten würde.

Schritt 2: Im zweiten Schritt nimmt der Steuerberater eine Risikoanalyse vor und bewertet, ob die steuerlichen Vorgaben bisher eingehalten wurden. Ähnlich wie der Betriebsprüfer legt er dabei seinen Finger in jede noch so kleine Wunde. Das ist aber wichtig. Schließlich soll das Steuer-IKS den Prüfern des Finanzamts den Wind aus den Segeln nehmen und sie am besten ohne Mehrergebnis wieder ziehen lassen.

Schritt 3: Anschließend wird der Steuerberater Ihnen zeigen, wie Sie und Ihre Mitarbeiter steuerliche Fehler abstellen können. Dazu entwirft er Steuerungs- und Kontrollmaßnahmen. Dazu gehört oftmals ein Vier-Augenprinzip, also zwei Mitarbeiter kontrollieren sich gegenseitig beispielsweise bei der Rechnungserstellung. Bei der Kassenführung wird ein System eingeführt, das steuerlich wasserdicht und betriebsprüfungssicher ist.

Schritt 4: Im letzten Schritt dokumentiert der Steuerberater, in welchen Bereichen Ihres Betriebs welche innerbetrieblichen Kontrollsysteme eingeführt wurden.

Kosten und Nutzen stehen im Verhältnis

Klar kostet ein Tax Compliance erst einmal Geld. Doch das ist gut investiert. Neben der steuerlichen Rechtssicherheit sind Banken bei vorhandenen Kontrollsystemen eher bereit, Kredite zu gewähren. Ein Steuer-IKS ermöglicht oftmals auch steuerliche und betriebswirtschaftliche Auswertungen auf Knopfdruck. So können Schieflagen im Betrieb sofort lokalisiert und behoben werden. Durch die Dokumentation der Einführung eines Tax Compliance dürfte bei trotzdem noch auftretenden Fehlern der Vorwurf einer Steuerhinterziehung vom Tisch sein.

Die Borschüre des Zentralverbands des Deutschen Handwerks in Zusammenarbeit mit der Bundessteuerberaterkammer finden Sie hier.

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