Mittelfranken -

Meisterfeier Tausend Steine vom Herzen gefallen

Sooch Massda zu mir.“ – Das dürfen knapp 130 junge Meister jetzt ganz zu Recht fordern. In der Messe Nürnberg haben sie in feierlichem Rahmen offiziell ihre Meisterbriefe in Empfang genommen.

Dazu gratulierten ihnen nicht nur die Gäste aus dem Handwerk und der Politik, sondern vor allem auch ihre Angehörigen und Freunde. „Ich bin schon stolz auf ihn“, sagt Katharina Forschner und blickt zu ihrem Freund, dem frischgebackenen Estrichlegermeister Danny Hoppe. Der strahlt. Dabei hat er eigentlich nie gezweifelt. „Ich wusste, dass ich es kann“, sagt er selbstbewusst.

Nur der Wirtschaftsteil. Der war happig. Aber auch der konnte ihn nicht aufhalten. Sein Chef bei Estrich Mayr hatte ihn angehalten, den Meister zu machen. Auch, wenn es bei den Estrichlegern keine Pflicht ist. Das sah man auch an der Kursgröße in der Vorbereitung. Elf Schüler aus der ganzen Bundesrepublik waren in der Klasse in Feuchtwangen. „Das schweißt zusammen“, erzählt Danny Hoppe grinsend. Und das Beste? Seinen neuen Status hat er schon im Monat darauf am Gehalt gesehen.

Alle haben geholfen

Das liebe Geld war auch für Thomas Pickelmann aus Pommelsbrunn der ausschlaggebende Punkt, sich der Herausforderung zu stellen. Mit drei Kindern freut sich der Elektrotechnikermeister jetzt besonders über den besseren Verdienst. Außerdem wurde ihm mittelfristig eine Abteilungsleitung in Aussicht gestellt – wenn er den Meister macht. Mit Bafög und Unterstützung der Familie hat er den Kurs in Vollzeit gestemmt. „Die Prüfungen waren unglaublich stressig“, gibt er zu. Dabei ist er eigentlich ein gelassener Typ.

Nach dem ganzen Trubel wollte er nur noch relaxen und fuhr mit Frau und Kindern in den Urlaub. Dort war er auch, als der Brief von der Handwerkskammer kam. „Meine Familie hat angerufen und wollte ihn unbedingt aufmachen und vorlesen, aber das wollte ich selbst machen.“ Zuhause fiel sein Blick als Erstes auf das Wort „gratulieren“, da fiel der Druck von ihm ab. Jetzt möchte er sich wieder mehr um seine Familie kümmern. Schließlich hatte er sich selbst bei der Geburt seines jüngsten Sohnes nur zwei Tage frei genommen. Und auch sein Hobby – er tritt als Musiker auf – wird jetzt wieder mehr gepflegt.

Meisterkurs ist anstrengend

Auch Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, weiß aus eigener Erfahrung, wie stressig es ist, den Meister zu machen. Er riet den jungen Männern und Frauen, die in feierlicher Abendgarderobe vor ihm saßen, in seiner Festrede, sich immer an den Moment zu erinnern, als die Bestanden-meldung kam. „Das gibt ihnen die Kraft, auch schwierige Momente zu überstehen.“ Er setze große Hoffnungen auf die neuen Meister: „Sie werden mit neuen Ideen und Entwicklungen unsere Gesellschaft prägen, fortentwickeln und gestalten.“ Fachkräftemangel, Ökologie, Ökonomie, Digitalisierung.

An Herausforderungen herrscht kein Mangel. Daher „darf man auch mal Fehler machen. Wichtig ist nur, den Mut zu finden, weiterzumachen“, mahnte er. Die Voraussetzungen für den Erfolg seien jedenfalls da, sagte Prof. Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken. „Qualität setzt sich durch. Uns geht es im Handwerk wirklich gut bis sehr gut.“ Davon profitiert auch die Stadt. Über 305.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bei 538.794 Einwohnern (der höchste Stand, den Nürnberg je hatte), nur 5,4 Prozent Arbeitslosigkeit und Rang drei unter den deutschen Großstädten: Das freut Bürgermeister Christian Vogel.

Er weiß. „Das Handwerk trägt seinen Teil zu diesem Erfolg bei.“ Er betonte noch einmal, wie wichtig die „Wirtschaftsmacht von nebenan“ für die Frankenmetropole ist und scherzte: „Man muss nicht Akademiker sein. Ich bin es auch nicht und habe es immerhin bis zum Bürgermeister gebracht.“ Prof. Dr. Forster hatte noch einen Rat für die jungen Meister, bevor Martina Paasch, Vorstandmitglied N-ERGIE, den Wirtschaftsförderpreis an die Besten unter ihnen übergab: „Nutzen Sie die gute wirtschaftliche Lage, machen Sie sich selbstständig oder übernehmen Sie die Nachfolge in einem Betrieb. Es steht Ihnen eine glänzende Zukunft bevor.“

Durststrecke überwunden

Friseurmeisterin Tatjana Frankenberg hat sich das auch schon gedacht. Sie ist bereits selbstständig. Jetzt endlich auch ohne Ausnahmegenehmigung. Zwischendrin hatte sie auch mal eine Durststrecke und fluchte „Jetzt schmeiße ich alles hin“, aber sie hat durchgehalten. „Der Glaube an mich und meine Familie hat mich bestärkt“, erzählt sie. Dabei ging in der Prüfung alles schief: „Ich hatte den Fön vergessen, aus der Haarspraydose kam nichts heraus und nach der Dauerwelle war der Stielkamm für die Hochsteckfrisur weg.“

Als der Bestandenbescheid kam, fielen ihr daher „tausend Steine vom Herzen“. Jetzt will sie erst einmal noch eine Mitarbeiterin einstellen. Außerdem möchte sie Weiterbildungen machen und vielleicht auch an Meisterschaften teilnehmen. Das Gefühl, den Meistertitel in der Tasche zu haben, kann ihr keiner mehr nehmen. Und so hatte sie auch noch einen ganz kurzfristigen Zukunftsplan: „Nach dem Empfang gehe ich mit meinen Freundinnen auf jeden Fall noch richtig feiern!“

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