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Filmkritik zum Schwarzwald-Tatort "Rebland" "Tatort" am Sonntag: Ist der Friseur der Täter?

Am 27. September zeigt die ARD um 20.15 Uhr einen neuen "Tatort" aus dem Schwarzwald – und in dem steht ein Friseur unter Verdacht, eine Frau brutal vergewaltigt zu haben. Ob er’s wirklich getan hat, verrät unser Filmkritiker natürlich nicht – dafür aber, ob sich das Einschalten lohnt.

Normalerweise beginnt der "Tatort" am Sonntagabend mit einem Toten – die Leiche wird gefunden und obduziert, die Tatverdächtigen werden verhört und am Ende legen die Kommissare dem Mörder (oder der Mörderin) das Handwerk. Im "Tatort: Rebland", den die ARD am 27. September um 20.15 Uhr ausstrahlt, ist das ein bisschen anders – denn es gilt keinen Mordfall aufzuklären, sondern eine Vergewaltigung.

Die alleinstehende Radiomoderatorin Beate Schmidbauer (Victoria Trauttmansdorff), die gut mit der Freiburger Kripo-Chefin Cornelia Harms (Stefanie Kühnert) befreundet ist, wird nach einer feuchtfröhlichen Party auf einem Weingut von einem Unbekannten bewusstlos geschlagen und vergewaltigt. Die Hauptkommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) werden von ihrer Vorgesetzten umgehend auf die Ermittlungen angesetzt.

Ein Friseur unter Verdacht

Der Kreis der Verdächtigen fällt sehr überschaubar aus: Neben dem aufbrausenden Streifenpolizisten Mario Lewandowsky (Marek Harloff), der Schmidbauer auf der Party angebaggert hat, und dem alleinerziehenden Ingenieur Klaus Kleinert (Fabian Busch) gerät auch ein Handwerker schnell ins Visier der Kommissare. Der Friseur Victor Baumann (Roman Knizka) ist vor neun Jahren wegen eines Vorwurfs der sexuellen Belästigung einer Kundin aktenkundig geworden – und obwohl sein vermeintliches Opfer seine Anzeige damals zurückgezogen hat und ihm die Vorwürfe nie nachgewiesen wurden, stehen die Kommissare schon bald im Friseursalon auf der Matte.

Baumann ist das natürlich extrem unangenehm – die Kunden im Salon fangen an zu tuscheln und seine Chefin sieht es überhaupt nicht gern, dass die Ermittler auf Hausbesuch kommen. Für den Friseur, der schon bald um seine Festanstellung bangen muss, kommt es allerdings noch dicker: Auch seine Frau und sein Kind wenden sich zunehmend von ihm ab, als die Vorwürfe bekannt werden und die Polizei ihn zu einem freiwilligen DNA-Test drängt. Und das, obwohl Baumann die Tat vehement bestreitet und bis in die Schlussminuten des Krimis offenbleibt, ob er die Wahrheit sagt.

Tatort "Rebland"

Schneidet der Vergewaltiger seinem Opfer sogar die Haare?

Neben der beklemmenden Aufarbeitung dieser Eigendynamik bleibt in diesem "Tatort" besonders ein Gänsehautmoment im Friseursalon in Erinnerung: Die traumatisierte Schmidbauer, die den Täter in der Dunkelheit nicht erkannt hat, überlässt die Ermittlungen nicht allein der Polizei, sondern geht auch selbst in die Offensive – und besucht ihren potenziellen Vergewaltiger sogar bei der Arbeit. Der ist entweder ahnungslos, wer da auf seinem Stuhl Platz nimmt, oder lässt sich beim Haarewaschen und Frisieren nicht das Geringste anmerken – eine subtil arrangierte, aber unheimlich spannende Szene, weil wir zu diesem Zeitpunkt noch im Dunkeln tappen, ob Baumann im Salon möglicherweise sein eigenes Opfer bedient. Wie abgebrüht wäre das denn?

Auch sonst lohnt sich am Sonntag das Einschalten: Die prächtigen Bilder der badischen Weinlandschaften werden vielleicht ein paar Mal zu häufig eingeflochten, bieten aber die malerische Kulisse für einen im besten Sinne bodenständigen Krimi, in dem sich die Filmemacher intensiv mit dem Für und Wider der "Erweiterten DNA-Analyse" auseinandersetzen. Die ist der Freiburger Polizei im Film noch verboten, in Deutschland aber seit Dezember 2019 gesetzlich erlaubt – da war dieser "Tatort" bereits abgedreht, was der Debatte über die Vor- und Nachteile nicht im Geringsten schadet.

Es spricht außerdem für den Krimi, dass die Diskussionen im Präsidium oder im Dienstwagen den Kriminalfall nicht erdrücken, sondern ihn vielmehr bereichern – da kann man über die etwas holzschnittartigen Figuren, das gelegentliche Eingreifen von Kommissar Zufall und die eher biedere Inszenierung schon mal hinwegsehen. Auf der Zielgeraden nimmt der "Tatort" dann ordentlich Fahrt auf. Und pünktlich um 21.45 Uhr klärt sich auch die Frage, ob der Friseur wirklich der Täter ist – oder ob ihm das Schicksal in diesem Film einfach nur übel mitgespielt hat.

TV-Termin:
"Tatort: Rebland" – Sonntag, 27. September, 20.15 Uhr auf Das Erste

Trailer, Besetzung und weitere Informationen zum Film

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