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Taktgeber im Trommelbau

Schreinermeister Christian Hedwitschak hat sich innerhalb von zehn Jahren in die erste Liga der Bodhrán-Hersteller hochgearbeitet.

Christian Hedwitschak ist Schreinermeister und baut Bodhráns. Ach ja, und eigentlich müsste er heute Christian Nowak heißen. Doch dazu später mehr. Eine Bodhrán jedenfalls (gälisch, gesprochen Bau-ran) ist eine Rahmentrommel, die in der irischen Folkmusik die rhythmische Grundlage bildet. Regelmäßig eingesetzt, vor allem bei Bühnenauftritten, wird sie seit Mitte des 20. Jahrhunderts.

Hedwitschak ist so etwas wie der deutsche Shooting-Star der Bodhrán-Bauer. Es gab zwar schon immer gute Instrumente, wie Christian Hedwitschak betont, doch in der breiten Masse für den Handel sei das Niveau der Trommeln eher schlecht gewesen. Für den 32-Jährigen war das der Anlass, Bavarian bodhráns zu einem Markenzeichen zu machen. Die Geschwindigkeit, mit der ihm das gelungen ist, spricht dafür, dass der Markt auf einen wie ihn gewartet hat.

Eine Frage der Gelegenheit

Hedwitschak steht in seiner Küche und richtet das Essen her. Es gibt Schweinemedaillons in Speck eingerollt. Den Besuch des Redakteurs hat er genutzt, um seiner zweiten Leidenschaft Kochen nachzugehen. Seine Frau ist Erzieherin und arbeitet in der Kindertagesstätte "Turbinchen" des Münchener Triebwerkherstellers MTU. "Die ist mittags versorgt. Da nehme ich solche Gelegenheiten gerne wahr, um zu kochen", sagt er.

Vor ein paar Jahren haben die beiden in Sulzemoos bei Dachau ein pittoresk anmutendes und dabei gemütliches Haus gekauft. Es hat vorher einem Künstlerpaar gehört und zeichnet sich durch eine verspielte Raumgestaltung aus. An den Wänden der niedrigen Räume hängen alte Fotos und das Esszimmer mit dem gemütlichen Kachelofen lädt zum Verweilen ein. Im Gartenhäuschen hat sich Hedwitschak seine Werkstatt eingerichtet und produziert inzwischen jedes Jahr rund 500 Bodhráns. Beim Schweinefilet erzählt Hedwitschak, wie er sich seinen Ruf und diese Nachfrage erarbeitet hat. Dass es ihn überhaupt in den Trommelbau verschlagen hat, war wie so oft im Leben eine Frage der Gelegenheit.

Ende der 90er Jahre während des Zivildienstes in den Behindertenwerkstätten Dachau empfahl ihm eine Gruppenleiterin die Irish-Folk-Band "Fiddler’s Green" aus Erlangen. Hedwitschak war sogleich infiziert vom Liedgut der Grünen Insel, speziell von der Begleitung durch die Bodhrán. Fasziniert hat ihn der urige, natürliche Klang und die doch sehr große Bandbreite an Tönen, die gute Spieler aus einer einfachen Rahmentrommel gerade auch durch die Arbeit mit der linken Hand am Fell herausholen können.

1999 folgte eine Rundreise mit dem Mietwagen durch Irland, auf der er seine erste Bodhrán erwarb. „Ein Teil für Touristen und eher für die Dekoration geeignet“, wie er heute zugibt. Schon nach dem ersten Videolehrgang zum richtigen Bodrhán-Spiel sollte ihm diese Qualität nicht mehr ausreichen. Doch eine Trommel nach seinem Geschmack konnte ihm niemand verkaufen. Da lag es nahe, selbst eine zu bauen. Der erste eigene Versuch folgte bereits ein Jahr später. Ihm tue heute noch die Ziege leid, die ihr Fell dafür opfern musste, schreibt er auf seiner Website bodhranmaker.de.

Ein Fell muss leicht zu modulieren sein

Das Fell ist heute zu einer der wichtigsten Komponenten seiner Produkte geworden. Es steht für das gewisse Etwas im Klang. Dafür arbeitet er mit einem Gerber zusammen, der sich auf Trommelfelle spezialisiert hat. Wichtig ist ihm, dass die Felle wie alle Einzelteile aus der Region kommen und möglichst schonend hergestellt sind. Ein Großteil der Naturfelle für Bodhráns komme leider immer noch aus Pakistan, wo sie unter meist fragwürdigen Umständen produziert werden. Abgesehen von Arbeitsschutz, Tierschutz und Kinderarbeit stimme auch die Qualität der Felle nicht.

"Ein Fell muss zum Beispiel leicht zu modulieren sein“, erläutert er und meint damit die Ansprache mit der linken Hand, die für Bodhrán-Spieler ganz entscheidend bei der Variation der Spielweise ist. Für diese Anforderung hat er mit seinem Gerber ein eigenes Fell namens "DRAGONSkin" entwickelt. "Das Fell hat genau das richtige Verhältnis zwischen Attack und Cremigkeit", beschreibt Hedwitschak in einer Mischung aus Trommlerjargon und eigener Charakterisierung die Eigenschaften seines Produkts.

Neben dem guten Klang seiner Trommeln ist aber vor allem die Konstanz, mit der er diese Qualität hält, entscheidend für seinen Erfolg. Seinen Kunden bietet er, je nach Vorlieben und Geldbeutel, eine Light-Line, eine Basic-Line und eine High-End-Line. Ähnlich wie andere Instrumentenhersteller hat Hedwitschak mit einem der besten Bodhrán-Spieler Deutschlands, Rolf Wagels, eine Sonderedition entworfen, also eine Trommel nach Wagels Vorstellungen mit Signatur.

Funktioniert das überhaupt? Als Bayer irische Trommeln zu bauen?

Das Schweinefilet ist inzwischen aufgegessen. Wir sind beim Kaffee angekommen. Hedwitschak erzählt, wie er irgendwann vor der Wahl stand, mit dem Bodhrán-Bau seinen Lebensunterhalt zu verdienen. 2003 war es dann soweit. Die Insolvenz des Betriebs, in dem er vorher gearbeitet hatte, hat ihn bestärkt, sich ein eigenes Geschäft aufzubauen. Blieb immer noch die Frage: Funktioniert das überhaupt, als Bayer irische Trommeln zu bauen?

Als dann jedoch die Musicshops in Irland und den USA immer mehr Trommeln nachbestellt haben, war klar, dass es geht. Zwar habe es zu jener Zeit auch gute Bodhráns gegeben, erzählt Hedwitschak, doch vielfach habe ihnen die Genauigkeit in der Verarbeitung gefehlt und die Fähigkeit, die gute Qualität langfristig zu garantieren. Auch wenn es die Iren vielleicht wurmen mag, dass ihnen ein Deutscher Kompetenzen auf dem ureigensten Gebiet des Irish Folk streitig macht, so lassen sie ihn das jedenfalls nicht spüren. Auf Workshops, Messen und Festivals ist er ein gern gesehener Gast. Dennoch: Der Bodhrán-Bauer schlechthin sei immer noch ein irischer Musiker und Lehrer namens Seamus O’Kane, wie Hedwitschak betont. Inzwischen wird er jedoch, was den Bau der Trommeln angeht, in einer Reihe mit O’Kane genannt.

Allerdings nicht unter Nowak, wie er eigentlich heißen müsste, denn zur Hochzeit 2005 sollte er den Namen seiner Frau annehmen. "Wir hatten einen Deal", sagt er, "wenn sie aus Oberhausen hier runterkommt, nehme ich ihren Namen an". Doch als ihm seine Freundin, die aus dem Ruhrgebiet stammt, dieses Versprechen abnahm, konnte er nicht ahnen, dass er zu dem Zeitpunkt bereits einen so bekannten Namen in der Szene der Bodhrán-Bauer und -Spieler haben würde. "Bavarian bodhráns" verbindet man heute eben mit Hedwitschak.

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