Oberfranken -

Internationaler Austausch Taiwan zu Gast beim Handwerk in Oberfranken

Das duale Ausbildungssystem als Thema: Beim Besuch der Generaldirektion Taipeh in München, lobten die Gäste das deutsche Ausbildungssystem. Eine Reform im eigenen Land halten sie für dringend nötig. Eine Kooperation nach chinesischem Vorbild ist denkbar.

Taiwan zu Besuch beim oberfränkischen Handwerk: Im Februar empfingen HWK-Präsident Thomas Zimmer und Hauptgeschäftsführer Thomas Koller den Generaldirektor der Taipeh Vertretung in München, David Wei-ta Chang, wie auch Anette Kramme MdB, parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, zu einem gemeinsamen Gespräch in den Räumen der HWK in Bayreuth. Ziel des Treffens war der Austausch über die verschiedenen Bildungssysteme in Deutschland und Taiwan mit Schwerpunkt der dualen Ausbildung in Deutschland.

Deutsches System als Vorbild


"Eine Reform des Bildungssystems ist in Taiwan dringend notwendig", so der Generaldirektor im Hinblick auf die Situation in seinem Land. Im Unterschied zu Deutschland werden in Taiwan Fachkräfte, wie z. B. der Kfz-Mechatroniker, in der Regel an Universitäten oder entsprechenden Schulen ausgebildet.

Ein duales System wie in Deutschland, in der die Auszubildenden schon wertvolle praktische Erfahrungen im Betrieb und in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung sammeln, gibt es in Taiwan nicht. "Unseren Jugendlichen fehlt häufig die praktische Erfahrung und so ­landen viele Absolventen nach der Ausbildung in der Arbeitslosigkeit“, bestätigt Chang. „Es gibt zu viele Universitätsabsolventen, aber kaum Berufsschüler. Das deutsche System hat deshalb Vorbildcharakter für uns."

"Der Betrieb ist für den Auszubildenden wie eine Familie", erläutert Thomas Zimmer. "Schon während der Ausbildung wächst man dort hinein, lernt die Strukturen kennen und sammelt wichtige praktische Erfahrungen, die in einer reinen Schulausbildung so nicht vermittelt werden können. Das zeichnet unser System aus."

Kooperation denkbar


"Doch auch in Deutschland und in Oberfranken beobachten wir einen Trend zur Akademisierung, der den Fachkräftemangel verschärft", sagt Thomas Koller. So überstieg im Jahr 2013 die Zahl der Studienanfänger erstmals die Zahl der neuabgeschlossenen Verträge für berufliche Ausbildungen.

Gemeinsam wolle man versuchen, sich diesen Trends entgegenzustellen und die berufliche Ausbildung weiter zu fördern. Denkbar wäre eine Kooperation mit Taiwan, ähnlich wie sie bereits mit der Shanghai Normal University besteht: Jedes Jahr kommt eine kleine Gruppe chinesischer Studenten nach Bayreuth, um zusätzlich zu ihrem Studium eine Ausbildung zum Kfz-Servicemechaniker abzuschließen. Nach ihrer Ausbildung in Bayreuth sind die Absolventen gefragte Fachkräfte und bekleiden häufig Führungspositionen in der chinesischen Kfz-Branche.

Einblick in Ausbildung

In einer an das Gespräch anschließenden Führung durch die Werkstätten des Berufsbildungs- und Technologiezentrums der HWK konnten sich die Besucher aus Taiwan noch einen direkten Einblick verschaffen, wie die zukünftigen Fachkräfte im oberfränkischen Handwerk ausgebildet werden.

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