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Gebrauchtwagenkauf Tachobetrug: 5 Tipps, die den Schwindel aufdecken

Fast jeder dritte Gebrauchtwagen wird mit manipuliertem Tacho verkauft. Aber es gibt ein paar Tricks, um eine falsche Laufleistung zu entlarven. So decken Autokäufer den Tachobetrug bei Gebrauchtwagen auf.

Nach Angaben des ADAC und der Polizei stimmt bei jedem dritten in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen der Kilometerstand nicht. Tachomanipulationen sind für den Käufer nicht nur teuer, sie können auch Motorschäden herbeiführen. Etwa dann, wenn die anstehende Wartung mit einem Bauteilwechsel nicht eingehalten wird. Motoren mit Zahnriemen für den Ventiltrieb benötigen nach einer vorgeschriebenen Zeit einen neuen Riemen, auch ein Ölwechsel folgt in der Regel bestimmten Intervallen. "Wenn anstehende Serviceintervalle deutlich überschritten werden, kann das zu Schäden führen", sagt Ulrich Köster vom Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).

Deshalb zählen Tachomanipulationen auch als Straftat. Ein verfälschter Kilometerstand führt pro Fahrzeug im Durchschnitt zu einer illegalen Wertsteigerung von 3.000 Euro. Kommt die Fälschung heraus, empfiehlt Köster, eine Strafanzeige gegenüber den Fälschern zu stellen und wenn möglich einen entsprechenden Schadenersatz vom Verkäufer des Fahrzeugs zu fordern.

"Tachomanipulation betrifft vor allem ältere Gebrauchtwagen, ist jedoch selten auf den ersten Blick erkennbar. Eine geringe Laufleistung und ein vergleichsweise günstiger Preis können ein erster Hinweis sein", sagt Gert Schleichert vom Auto Club Europa (ACE). Lassen sich bei älteren Fahrzeugen mit einer mechanischen Tachowelle noch die Kilometerstände zurückdrehen, funktioniere das bei neueren nur mit digitalen Hilfsmitteln: Profis mit Computerkenntnissen können über digitale Schnittstellen zum Auto die Tachoanzeige manipulieren.

Oft passiere dies bei Fahrzeugen, die überdurchschnittlich viel gefahren werden, wie Autos von Außendienstmitarbeitern. Häufig legen die bis zu 80.000 Kilometer im Jahr zurück, die Autos werden nach zwei Jahren veräußert. Ein Betrüger könne den Kilometerstand auf rund 25.000 Kilometer zurückdrehen, ohne dass auf den ersten Blick ein Verdacht aufkommt. Denn im Schnitt fahre ein Auto in Deutschland rund 12.000 Kilometer im Jahr, Vielfahrer sind schon mal 20.000 Kilometer oder mehr unterwegs.

Tachobetrug aufdecken: Was Gebrauchtwagenkäufer tun können

1. Innenraum prüfen

Das Angebot klingt verlockend: Der VW Golf VII hat deutlich weniger Laufleistung als vergleichbare Fahrzeuge und kostet ein paar hundert Euro weniger. Doch der Innenraum spricht eine andere Sprache: abgewetzte Sitzwangen, stark abgegriffenes Lenkrad und eingerissene Gummis an den Pedalen. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei solchen Autos der Verkäufer am Tachostand gedreht hat, ist hoch.

2. Serviceheft checken

"Meiner Meinung nach fällt die Manipulationen von Tachoständen in der Regel über Unstimmigkeiten in der Dokumentation auf", sagt Thorsten Rechtien vom TÜV Rheinland. Zu den Dokumenten rechnet er HU-Berichte, Werkstattrechnungen und Angaben aus dem Serviceheft.

Zu einem genauen Blick in das Serviceheft rät auch Köster: "Dort sind die Wartungsintervalle, Kilometerleistung und das Datum vermerkt". Sehen allerdings in einem alten Serviceheft alle Stempel und Eintragungen gleich neu aus, ist Vorsicht geboten.

3. Digitale Fahrzeugdiagnose

Verwohnte Innenräume sowie fehlende oder schlampig ausgefüllte Servicehefte sind aber keine eindeutigen Beweise für Manipulationen. Weiterhelfen können digitale Hilfsmittel wie spezielle Adapter für die Schnittstelle der Fahrzeugdiagnose. Die sitzt meist in der A-Säule auf der Fahrerseite und hat direkten Zugriff mit der Bordelektronik. Mit speziellen Apps lässt sich überprüfen, ob die Airbags bei einem Unfall ausgelöst wurden. Auch können manche Apps Daten über Kilometerstände, Wegstrecken und Fehlerspeicher ablesen. Doch auch diese Ergebnisse sind nur so gut, wie die hinterlegten Daten in den einzelnen Steuerungsmodulen. Weichen diese ab, weil sie vorher manipuliert wurden, stimmen die Angaben nicht mehr.

4. Belege und Ölkarten prüfen

Deshalb bringt nur eine tief gehende Recherche Klarheit über den wahren Tachostand. Dazu gehört die Kontrolle von Belegen oder Ölkarten im Motorraum beziehungsweise dem kleinen Aufkleber auf der A-Säule. Steht darauf, dass der nächste Wechsel in über 50 000 Kilometer fällig ist, kann etwas nicht stimmen. Denn üblicherweise wird ein Ölwechsel spätestens nach 30 000 Kilometern, in seltenen Fällen nach 40.000 Kilometern, fällig. Ein Anruf beim Vorbesitzer des Verkäufers gibt Auskunft darüber, mit wie viel Kilometern er sein Auto verkauft hat. Der Name steht in der Zulassungsbescheinigung Teil II.

5. Den Fachmann fragen

Auch die Fahrt in eine Fachwerkstatt deckt eventuell einen Betrug auf. Sie kann den Fehler- und Wartungsintervall-Speicher auslesen. Damit lassen sich die teilweise mitprotokollierten Kilometerstände mit dem im Tacho angezeigten Stand vergleichen. Auch den Produktionszeitraum von Tacho und Steuergeräten ermittelt die Werkstatt. Sind sie jünger als der Produktionstag (nicht Tag der ersten Zulassung) des Autos, kann etwas nicht stimmen.

"Gebrauchtwagen-Checks sind gut investiertes Geld: Sie helfen, festzustellen, ob der Kilometerstand mit dem Zustand des Wagens übereinstimmt", sagt Schleichert vom ACE. Kfz-Sachverständige oder Kfz-Prüfstellen sowie technische Überwachungsvereine schauen sich den Gebrauchtwagen genau an und können erkennen, ob die Laufleistung zum Alter passt.

Tatsächliche Laufleistung vertraglich zusichern lassen

Wer sich für einen Gebrauchtwagenkauf entscheidet, sollte sich auf jeden Fall den Kilometerstand und seine Richtigkeit im Kaufvertrag als "tatsächliche Laufleistung" bestätigen lassen. Sollte sich später ein Betrug durch einen Sachverständigen herausstellen, muss der Käufer den Nachweis führen, dass der Verkäufer von der Fälschung des Tachos Kenntnis hatte. Gelingt das, kann er das Auto unter Umständen zurückgeben oder den Preis mindern. Dann kommt der Betrogene zumindest mit einem blauen Auge davon. dpa

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