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TÜV-Studie Tacho-Manipulation: Wie Betrüger Milliarden erschwindeln

Die Manipulation des Tachos ist Betrug - also eine Straftat. In seiner Studie zur Tachomanipulation schätzt der TÜV Rheinland, dass knapp ein Drittel der Tachos zurückgedreht sind.

Tachomanipulation
Die Manipulation des Tachos ist einfach. Man benötigt lediglich die richtige Software. Dadurch entsteht jährlich ein Schaden in Milliardenhöhe. -

Durch die Umstellung auf digitale Tachos ist die Manipulation leichter geworden. Die Betrüger nutzen dabei die digitale Service-Schnittstelle der Autos, um so schnell und einfach den Kilometerstand zu manipulieren. Bei fast jedem dritten Gebrauchtwagen werden laut der Studie "Das Problem Tachomanipulation" des TÜV Rheinland die Kilometerangaben geschönt. Pro Jahr werden Autokäufer in Deutschland nach Schätzungen von Polizie und ADAC so um etwa sechs Milliarden Euro gebracht.

40 Prozent der Käufer glauben an Manipulation

Doch ist Deutschland wirklich ein Land von skrupellosen Tachotricksern? Laut der TÜV-Studie, ja. "Sowohl potenzielle Autokäufer als auch -verkäufer gehen von einem großen Problem aus. Mehr als 40 Prozent der Gebrauchtwageninteressenten schätzen die Wahrscheinlichkeit der Manipulation als groß bis sehr groß ein", erklärt Jürgen Brauckmann, Bereichsvorstand Mobilität beim TÜV Rheinland die Ergebnisse. Weiterhin nehmen die Befragten an, dass bei fast einem Drittel der angebotenen Fahrzeuge am Kilometerzähler gedreht wurde. "Diese Angaben decken sich im Wesentlichen mit den Berechnungen der Polizei", so Brauckmann.

Beim Autokauf von privat und von freien Händlern ist bei einem Großteil der Befragten das Vertrauen in die Richtigkeit des Kilometerstands sehr gering. Rund 66 Prozent der Käufer sind misstrauisch beim freien Handel, knapp 62 Prozent trauen privaten Verkäufern nicht und sogar rund 30 Prozent stehen auch Markenhändlern skeptisch gegenüber.

Das Problem: Brauchte man früher noch eine Bohrmaschine, handwerkliches Geschick und Kenntnisse als Autoschrauber um einen Kilometerstand zu manipulieren, geht dies heute unproblematisch. Es reicht ein Laptop und die entsprechende Software. Im Internet finden Betrüger sogar noch zahlreiche Angebote zur Manipulation des Tachos. Der Vertrieb der Software an sich ist legal, während nur die Nutzung zur Manipulation verboten ist.

Jährlich Schäden in Milliardenhöhe

Tachomanipulation Wertsteigerung des Autos

Wie groß das Ausmaß der  Tachotäuschungen ist, machen zwei Beispielberechnungen des TÜV Rheinland deutlich: Reduzieren Betrüger bei einer Mercedes-Benz E-Klasse, Baujahr 2011, die Laufleistung um 66.000 Kilometer von 114.000 auf 48.000, erzielen sie damit einen höheren Erlös von rund 5.400 Euro. Bei einem VW Polo, Baujahr 2014, schlägt eine um 36.000 Kilometer verringerte Laufleistung mit 1.200 Euro Mehrgewinn zu Buche.

Den jährlichen Schaden in Deutschland beziffert die Polizei auf fast sechs Milliarden Euro. "Neben der kriminellen Geschäftemacherei spielen bei Tachomanipulationen auch Aspekte der Verkehrssicherheit eine Rolle“, sagte Brauckmann und betont: "Geht ein Käufer von einem erheblich geringeren Kilometerstand des Fahrzeugs aus, fährt er möglicherweise zu spät zur Inspektion. So können Defekte oder Verschleiß etwa an Bremse und Fahrwerkskomponenten unentdeckt bleiben."

Kilometercheck anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer

Für mehr Klarheit auf dem Gebrauchtwagenmarkt will der Branchenspezialist arvato Financial Solutions sorgen. Das Ziel: Betrügereien und wirtschaftliche Schäden aus Kilometerzählermanipulationen minimieren. Gelingen soll dies, indem Kilometerstände künftig über die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) abrufbar sind.   Für jedes Kfz soll zukünftig abfragbar sein, welchen Kilometerstand es zu einem bestimmten, gespeicherten Zeitpunkt hatte. Die Kilometerstände sollen bei Versicherungen, Prüfgesellschaften und weiteren Partnern eingeholt werden. "Da der Datenschutz oberste Priorität hat, wird eine solche Lösung jedoch nur mit der Einwilligung des Verkäufers möglich sein“, sagt Frank Schlein, Geschäftsführer bei arvato Financial Solutions. dhz

Das sind mögliche Anzeichen von Tachomanipulationen

  • Verhältnis zwischen Erscheinungsbild und angegebener Tacholeistung: Autos mit einem geringeren Tachostand weißen normalerweise auch weniger Abnutzungserscheinungen im Innen- und Außenbereich auf.
  • Wurde der Zahnriemen schon einmal gewechselt? Nach einer bestimmten Kilometerleistung sollte der Zahnriemen gewechselt werden. Das Datum des Austauschs ist auf einem Zettel im Motorraum vermerkt. Wurde der Zahnriemen gewechselt, obwohl der Tacho eine geringe Laufleistung aufweist, sollten man misstrauisch werden.
  • Ist das Auto Scheckheft gepflegt? Scheck- und Servicehefte dokumentieren genau die vorherigen Wartungen und die dazugehörigen Kilometerstände.


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