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TV-Kritik: SWR, Marktcheck SWR deckt große Preisunterschiede bei Auto-Ersatzteilen auf

Wer sein Auto zur Reparatur in die Werkstatt bringt, tut das in der Regel nicht zum Vergnügen. Umso ärgerlicher, wenn dann auch noch die Rechnung sehr hoch ausfällt, und zwar vor allem aufgrund der teuren Ersatzteile. Das SWR-Verbrauchermagazin Marktcheck testete nun mit versteckter Kamera verschiedene Werkstätten auf ihre Preisgestaltung – und fand Erstaunliches heraus.

Formulieren wir es mal vorsichtig: In der einen oder anderen Autowerkstatt dürfte sich so mancher Kunde ein wenig fühlen wie auf Hoher See. Er gibt sein Auto zur Inspektion oder Reparatur, bekommt noch eine ungefähre Größenordnung mitgeteilt, die das Unterfangen kosten könnte - und muss nicht selten staunen, wenn er den Endpreis mitgeteilt bekommt. Dabei sind es oft nicht alleine zusätzliche Aufwendungen durch angefallene Arbeitsstunden, die zu Buche schlagen, sondern die Preise für Verschleißmaterial und ganz besonders Ersatzteile. Aber warum ist das eigentlich so, und stimmt der Eindruck überhaupt, dass die Preisgestaltung in verschiedenen Werkstätten sehr unterschiedlich ist.

Für das SWR-Verbrauchermagazin Marktcheck testete ADAC-Techniker Sebastian Grunert eine BMW-Vertragswerkstatt, eine kleine „Hinterhof-Werkstatt“ sowie die Werkstattkette ATU. Der Aufbau des Experiments war recht simpel: Die Bremsscheiben und Bremsbeläge an der Vorderachse einer 1er-BMW sollten gemacht werden. Preisliche Schätzung des Experten: 250 bis 450 Euro. Doch damit kommt er in der Vertragswerkstatt nicht hin - lange nicht. 620 Euro will der Mechaniker in der BMW-Niederlassung haben - und fragt den verdutzten Tester, der natürlich mit versteckter Kamera unterwegs war, direkt, ob er erst mal noch vergleichen und den Preis „sacken lassen“ möchte. „Da hätte ich nicht mit gerechnet“, sagt Grunert hinterher im Interview, und schiebt schulterzuckend nur nach: „Tja, Vertragswerkstatt.“

Die kleine freie Werkstatt liegt im Mittelfeld, ATU ist am günstigsten

Wird jetzt bei der freien Werkstatt alles besser? Tatsächlich. Statt der regulären 490 Euro bietet der Mitarbeiter dem Tester einen Nachlass an und landet schließlich bei 430 Euro - also innerhalb des Rahmens, der für den Test vorgegeben war. Und obendrauf beteuert der Mann: „Alles Original-BMW-Teile.“ Die kann die Kette ATU indes nicht bieten. Von „Erstausrüsterqualität“ spricht die Dame hinterm Schalter. „Da steht jetzt zwar nicht BMW drauf, das kommt aber meistens aus der gleichen Produktion. 239 Euro kostet dafür nur das angebotene „Komplettpaket“, das ist der mit Abstand niedrigste Preis im Test.

Und in der Tat: Christian Hieff vom ADAV bestätigt, dass Fabrikanten sowohl für Hersteller als auch für den eigenen Verkauf produzierten, die Ware sich oft also in nichts unterscheide als dem Karton, in dem sie verkauft werde - und damit im Preis. BMW sieht sich zu einer Stellungnahme genötigt, wonach man mit hochqualifizierten Fachkräften mit entsprechender Entlohnung und den eigenen Originalteilen arbeite, was wiederum den Werterhalt des Autos garantiere. Überzeugender allerdings wirkte die Argumentation des ADAC - dessen Experte allerdings nicht überrascht war.

Versicherer beklagen massive Preiserhöhungen

Einen guten Überblick über die Kosten von Ersatzteilen haben logischerweise die Versicherer, und zu denen machten sich die SWR-Reporter auf. Jürgen Redlich vom Gesamtverband der Versicherer weiß denn auch, dass einzelne Teile in den vergangenen Jahren teils starke Preissteigerungen erfahren haben. Das Rücklicht: Zwischen 2013 und 2018 um 48 Prozent. Der Scheinwerfer vorne: 25 Prozent im selben Zeitraum. Alle Teile insgesamt: Knapp 24 Prozent. Vor allem Teile im hinteren Bereich des Fahrzeugs seien im Preis stark gestiegen. Experte Redlich: Wer auffährt, hat in der Regel schuld, und dessen Haftpflicht muss zahlen. Und wer auffährt, fährt in der Regel hinten auf.

Rückleuchten: Vorsicht bei Billigprodukten auf dem Netz

Letzteres klang ein wenig abenteuerlich, und jetzt wollten die SWR-Reporter wissen, wie das preislich so ist mit den hinteren Teilen. Also: Rückleuchte kaputt geschlagen, in die Werkstatt gefahren. Und komischerweise: Ob Vertragswerkstatt, Hinterhof-Werkstatt oder ATU - immer kostete der Wechsel inklusive Ersatzteil etwa 150 Euro. Da war der Zuschauer endgültig verwirrt, doch ADAC-Experte Hieff sorgte für Klarheit: Die Autohersteller hätten ein Monopol auf die sichtbaren Karosserieteile, also Designschutz. Und das ließen sich BMW, Daimler, Audi, VW und Co. teuer bezahlen und bestimmen die Preise. Dagegen kann sich auch keine Werkstattkette wehren. Dass es im Internet trotzdem deutlich günstigere Alternativen gibt, hilft auch nichts, denn die sind oft Plagiate, die den Sicherheitsstandard nicht genügen und kein Prüfsiegel tragen. Also: Hände weg, empfiehlt der ADAC-Experte.

Am Ende war der Zuschauer zwar ein wenig schlauer, was die Preise die Auto-Ersatzteile angeht, und dürfte nun wissen, dass es weniger die Arbeit der Handwerker in der Werkstatt ist, die den Unterschied auf der Rechnung ausmacht, sondern vielmehr die sehr undurchsichtigen Verhältnisse auf dem Markt für Ersatzteile.

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