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Zahl potenzieller Nachfolger sinkt Suche nach Betriebsnachfolger: Wie Förderprogramme helfen können

Zehntausende Betriebe in Deutschland stehen vor der Schwierigkeit, einen Nachfolger zu finden. Im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung erklärt KfW Chefvolkswirtin Friederike-Köhler Geib, wie Förderprogramme bei der Suche helfen können.

DHZ: Frau Köhler-Geib, nach einer Untersuchung der KfW wollen immer weniger Mittelständler ihre Unternehmen an Familienangehörige weitergeben. Woran liegt das?

Friederike Köhler-Geib: Es stimmt, dass das prägende Bild einer Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie durchaus ins Wanken gerät. Die Präferenzen der Inhaber, das Unternehmen in die Hände der Töchter oder Söhne zu legen, lassen Jahr für Jahr leicht nach. Das hat verschiedene Ursachen. Berufliche Wege der Kinder unterscheiden sich heutzutage deutlicher von den Erwerbsbiografien der Eltern als früher. Häufiger sind auch schlicht keine Kinder vorhanden. Trotz allem steht in fast jedem zweiten Unternehmen ein familieninterner Generationenwechsel ganz oben auf der Nachfolge-Wunschliste.

DHZ: Wie sieht das im Handwerk aus?

Köhler-Geib: Speziell im mittelständischen Handwerk ist die Familiennachfolge nach wie vor dominierend. Einen größeren Unterschied gibt es allerdings bei externen Käufern als potenziellen Nachfolgern. In der Gesamtsicht kann sich jeder zweite Mittelständler mittlerweile einen externen Nachfolger vorstellen. Bei den Handwerksunternehmen ist es dagegen nur jeder Dritte. Dort ist man zurückhaltender und setzt eben nach wie vor mehr auf die Familie.

DHZ: Wo sehen Sie die größte Herausforderung für die Unternehmensnachfolge im Handwerk?

Köhler-Geib: Die Alterung der aktuellen Inhabergeneration schreitet auch im Handwerk schneller voran, als es früher der Fall war. Beinahe die Hälfte der Chefinnen und Chefs ist schon nahe dem Ruhestandsalter. Nur eine Zahl dazu: Das Alter der Inhaber mit Nachfolgegedanken für die kommenden Jahre liegt im Mittel bereits bei 63 Jahren. Da ist der durchschnittliche Erwerbstätige schon im Ruhestand.

DHZ: … also spielt die Demografie eine Rolle?

Köhler-Geib: Absolut. Die Demografie wird die Nachfolgesuche künftig mehr denn je erschweren. Es wird mehr ältere Inhaber geben als je zuvor. Parallel steigt dann der Bedarf an Nachfolgen. Besonders zwischen 2025 und 2035 wird das stark spürbar. Dann scheiden die vielzitierten Babyboomer aus dem Erwerbsleben aus, die geburtenstarke Nachkriegsgeneration. Die nachrückenden Geburtenjahrgänge sind aber kleiner besetzt, die Zahl potenzieller Nachfolger sinkt. Das wird eine Lücke aufgehen lassen.

DHZ: Welche Rolle spielen Nachfolgebörsen?

Köhler-Geib: Leider eine bislang immer noch unterschätzte! Vor allem bei steigender Relevanz familienexterner Nachfolgen. In der Regel kennen sich Altinhaber und potenzieller Nachfolger dann nicht. Es mangelt auch an Erfahrungen und Kenntnissen. Immerhin wird eine Unternehmensnachfolge in der Regel nur einmal vollzogen. Nachfolgebörsen können das Zusammenfinden der Akteure hier wesentlich erleichtern.

DHZ: Was sollte der Alteigentümer bei der Nachfolgeregelung beachten?

Köhler-Geib: Frühzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen ist die halbe Miete. Mindestens drei, besser fünf Jahre vor dem angedachten Rückzug. Hier sticht das Handwerk überaus positiv hervor. Die Inhaber derjenigen 110.000 Unternehmen, die bis Ende 2024 zur Nachfolge anstehen, haben die Nachfolgelösung häufiger schon früh im Gepäck. Sie sind also besser vorbereitet. Nicht zuletzt sollten Kaufpreisvorstellungen realistisch bleiben. Immerhin liegt hier die größte Hürde für das Gelingen einer Nachfolge.

DHZ: Wie unterstützt die KfW Nachfolger und Existenzgründer?

Köhler-Geib: Das Spektrum ist hier wirklich breit. Als KfW fördern wir mit den Programmen ERP-Gründerkredit–Universell, ERP-Gründerkredit–StartGeld und ERP-Kapital für Gründung. Mit Ersterem können größere Förderkredite von bis zu 25 Millionen Euro vergeben werden. Beim Programm ERP-Kapital für Gründung hingegen wird ein Kredit mit Eigenmittelcharakter vergeben, was die Aufnahme weiterer Finanzierungsmittel erleichtert. Nachfolgen spielen in diesen Förderprogrammen eine große Rolle: Etwa ein Drittel der Förderkredite entfallen auf die Übernahme von Unternehmen.

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