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Fachkräftemangel Studie: Betriebe wollen mehr Auszubildende aus entfernteren Regionen

Betriebe mit rückläufigen Bewerberzahlen und ausbildungssuchende Jugendliche könnten von einer stärkeren überregionalen Fachkräftesuche profitieren. Dafür sind Unternehmen bereit, junge Schulabgänger aus entfernen Regionen mit flexiblen Regelungen zu unterstützen.

Fachkräfte aus entfernten Regionen werden wichtiger, um den Personalbedarf zu decken. Das ist das Ergebnis der Betriebsbefragung  des  Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). 62,6 Prozent der Betriebe schätzen eine überregionale Rekrutierung als wichtig ein. 82,5 Prozent meinen, dass die Mobilität in fünf Jahren ein wichtiges Instrument zur Fachkräftesicherung sein wird.

Zu kleiner Suchradius von Firmen und Jugendlichen

Bisher suchen etwa zwei von drei KMU ihre Auszubildenden in einem Radius von lediglich bis zu 20 Kilometern. Doch nur fünf Prozent der Betriebe weitet den Radius auf über 100 Kilometer aus. Bei den Jugendlichen sieht es nicht anders aus: Bei einer BIBB-Befragung 2012 bejahten 11,7 Prozent der Schulabgänger, die eine neue Ausbildung angefangen hatten, sich auch mehr als 100 Kilometer außerhalb der Region beworben zu haben.

Unternehmen und Jugendliche sensibilisieren

"Jugendliche sollten verstärkt ermutigt werden, mobiler zu sein und sich auch um Ausbildungsplätze außerhalb ihrer Heimatregion bewerben. Außerdem sollte an der Einstellung der Jugendlichen zur Mobilität bereits in der Schule gearbeitet werden", betont BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. "Gleichzeitig müssen kleine und mittlere Unternehmen weiter sensibilisiert werden, sich auch über ihre Region hinaus um Auszubildende zu bemühen."

Betriebe wollen Azubis unterstützen

Ein weiteres Ergebnis der Befragung: Betriebe sind in gewisser Hinsicht bereit, die Mobilität der Auszubildenden zu unterstützen. Konkret bedeutet das:  Flexible Urlaubszeitregelungen für Heimfahrten und individuelle Hilfen bei betrieblichen, schulischen oder auch persönlichen Schwierigkeiten. Finanzielle Unterstützungsleistungen wie Fahrtkostenzuschüsse, Mietzuschüsse oder die Übernahme von Umzugskosten werden von den befragten Firmen weniger in Betracht gezogen.

Fördermöglichkeiten müssen bekannter werden

Deutlich wird durch die Studie auch, dass bestehende Fördermöglichkeiten bekannter gemacht und stärker genutzt werden müssen.  Der BIBB-Befragung zufolge fühlen sich die Betriebe nur unzureichend über Angebote zur Förderung regionaler Mobilität von Auszubildenden informiert. Sechs von zehn befragten KMU gaben an, sich "schlecht oder gar nicht" beziehungsweise "wenig" informiert zu fühlen. Bereits bestehende Fördermöglichkeiten sind zu wenig bekannt und könnten mehr genutzt werden: So geben drei von vier KMU an, das betreute Jugendwohnen nicht zu kennen. Zudem kennt jeder zweite Betrieb finanzielle Hilfen wie die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) nicht. "Die Konzepte sind vorhanden", so BIBB-Präsident Esser  weiter. "Es gilt aber, sie in die Fläche und in die Praxis zu tragen. Hier sind alle Akteure der beruflichen Bildung gefordert."

Ab Januar 2015 werden Mobilitätsprojekte erprobt

Das von der Programmstelle Jobstarter beim BIBB durchgeführte Programm "Jobstarter plus" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) greift das Thema "Interregionale Mobilität" in seinen Förderrichtlinien unter dem Titel "Entwicklung und Erprobung interregionaler Kooperationen zum Ausgleich von Disparitäten regionaler Ausbildungsmärkte - Netzwerke für Matching und Mobilität" auf. Ab Januar 2015 werden in ausgewählten Projekten Konzepte zur Förderung der Mobilität erprobt. meh

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