Meisterstücke -

Vollautomatische Stuckproduktionsanlage Stuck wie von Hand gemacht

Die Zutaten sind Wasser und Gips. Einfacher geht es eigentlich nicht. Und doch dauerte es sieben Jahre, bis Stuckateurmeister Axel von der Herberg aus Heilbronn seine vollautomatische Stuckproduktionsanlage in Betrieb nehmen konnte. Das war vor drei Monaten.

Axel von der Herberg
Sieben Jahre Arbeit stecken in Axel von der Herbergs Idee bis zum fertigen Stuck aus der vollautomatischen Produktionsanlage. -

"Wir haben viel getüftelt", erinnert sich der 49-Jährige. Die Stuckproduktionsanlage ist eine echte Innovation. "So etwas gab es noch nicht." Das sah auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und vergab den Bundespreis 2014 für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk. Bereits 2012 erhielt er die Artur-Fischer-Erfindermedaille und 2013 den Sparkassen-Handwerkspreis.

Seit Jahrtausenden verarbeitet

Nun ist Stuck an sich keine neue Erfindung. "Gipsmörtel verarbeitet die Menschheit ja schon seit Jahrtausenden", sagt Axel von der Herberg. Als reines Naturprodukt ist er für Allergiker und Asthmatiker gleichermaßen geeignet. Außerdem ist Stuck aus Gips und Wasser langlebiger und nicht brennbar (Baustoffklasse A1). Bisher wurde Stuck in Handarbeit hergestellt, was ihn entsprechend teuer macht. Die Alternative auf dem Markt heißt Polystyrolleisten. "Für mich war es nicht nachvollziehbar, warum ein Stuckateur einem Kunden ein Produkt auf Erdölbasis empfehlen soll", sagt der Handwerksmeister, "ich fand es schade, dass ein Großteil der Bevölkerung gar keine Möglichkeit hat, Stuck in der Wohnung einzubauen, weil er nicht verfügbar oder zu teuer ist."

Aus diesem Grund habe er sich mit dem Werkstoff Mörtel auseinandergesetzt. Die erste Überlegung des Stuckateurmeisters war, ob technische Mittel handwerkliche Arbeitsschritte übernehmen können, so dass Stuck in Serie maschinell produziert werden könnte. Sein Erfinderdrang wurde dann jedoch durch einen Schicksalsschlag gebremst. Vor über vier Jahren erkrankte Axel von der Herberg schwer. Seine Frau Susanne war ihm in dieser Zeit eine große Stütze. Die Idee lag auf Eis, doch das Ehepaar verlor sie nie aus den Augen.

Unterstützung durch Beirat

Die Krise wurde zum Wendepunkt. Nachdem Axel von der Herberg wieder genesen war, begann die Idee in seinem Kopf Form anzunehmen. Er holte sich Unterstützung durch Berater: "Man kann das alleine gar nicht stemmen". Zunächst stellte er sich aus Rechtsanwälten, Bankern, Sachverständigen und Vertretern der Handwerkskammer Heilbronn-Franken einen Beirat zusammen. Zu diesem Kreis gehört auch Prof. Nicole Graf, Leiterin des Campus Heilbronn der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. Mit ihr erarbeitete Axel von der Herberg eine Vertriebsstrategie. Grundlage war seine Abschlussarbeit über Marketing im Rahmen seiner 18-monatigen Weiterbildung zum Betriebswirt des Handwerks.

Im Frühjahr 2013 gründete Axel von der Herberg die Firma AH Stuck. Seit einigen Monaten nun ist die Stuckproduktionsanlage in Heilbronn im Betrieb. "Wir können ganz Deutschland beliefern." Für den Vertrieb sucht er derzeit neue Partner, um bundesweit auftreten zu können. Am Anfang der 80 Meter langen und 10 bis 15 Meter breiten Produktionsanlage werden die Grundbestandteile des Stucks, Wasser und Gips, im immer gleichen Verhältnis vermischt und in eine Form gegossen. Das geschieht impulsgesteuert, so dass die für jede Form exakte Menge ausgegossen wird. In der Form beginnt dann der chemische Prozess des Abbindens, das heißt der Stuck verfestigt seine Form.

Anlage im Patentprozess

Über den Teil der Produktion, in dem es um das Materialverdichten geht, schweigt Axel von der Herberg: "Mehr möchte ich dazu nicht sagen, denn das ist das Herzstück unserer Maschine." Sein Schweigen ist nachvollziehbar, die Stuckproduktionsanlage ist zum Patent angemeldet und das Verfahren läuft derzeit noch. Die Stuckproduktionsanlage produziert Gesimse mit und ohne Ornamente, in unterschiedlicher Breite und bis zu 1.200 mm Länge. Außerdem können Eckleisten, Begleitleisten, Rosetten und auch Wandvertäfelungen in einer Größe von bis zu 800 x 1.200 mm hergestellt werden. "Wir sind etwa 20 bis 30 Prozent teurer für den Kunden als Polystyrol."

Derzeit verwendet Axel von der Herberg Gipsstein aus regionalen Steinbrüchen – eine ökologische, aber endliche Ressource. Schon jetzt wäre die Anlage in der Lage, auch REA-Gips zu verarbeiten, ein Abfallprodukt aus Rauchgasentschwefelungsanlagen. Eine neue Herausforderung für Axel von der Herberg.

Mehr Informationen unter ah-stuck.de.

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