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Energiepreise Strompreise für kleine Gewerbetreibende ziehen an

Das Internetportal Verivox hat Tarife unter die Lupe genommen: Neben Privatverbrauchern müssen auch Gewerbetreibende tiefer in die Tasche greifen. So hoch fällt die durchschnittliche Mehrbelastung aus.

Nach der ersten Welle zum Jahreswechsel haben in den vergangenen Wochen weitere Stromanbieter ihre Gewerbestromtarife erhöht. "Seit Beginn des Jahres haben 548 regionale Grundversorger die Strompreise für Gewerbestromtarife um rund sechs Prozent erhöht", sagte Strompreis-Experte Thorsten Storck vom Internetportal Verivox. Insgesamt gibt es 823 Grundversorger in Deutschland. Ein Betrieb mit einem jährlichen Stromverbrauch von 10.000 Kilowattstunden müsse im Durchschnitt nun rund 138 Euro netto mehr bezahlen.

Preisvergleich kann sich lohnen

Für größere Gewerbekunden mit einem Stromverbrauch von mehr als 100.000 Kilowattstunden pro Jahr lässt sich nach den Worten Storcks dagegen keine allgemeine Aussage über die Stromkostenentwicklung treffen. Denn für diese Kunden würden meist keine einheitlichen Tarife gelten, da die Stromverträge in diesem Bereich individuell mit dem Versorger ausgehandelt würden. Gleichwohl lohne sich auch hier der Preisvergleich.

Private Haushalte zahlen ebenfalls mehr

Zuvor hatte Verivox schon über weitere Strompreiserhöhungen für private Haushalte berichtet. So hätten 86 örtliche Stromversorger für Februar, März und April Preiserhöhungen von durchschnittlich 8,1 Prozent angekündigt. "Zusammen mit der Preiswelle zu Jahresbeginn haben 2020 nun drei Viertel aller Grundversorger ihre Strompreise erhöht", sagte Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox. Schon im Januar hatten 543 der rund 823 Grundversorger die Preise um durchschnittlich 5,4 Prozent angehoben. Für eine dreiköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden bedeute dies Mehrkosten von rund 100 Euro pro Jahr.

Preistreiber: Höhere EEG-Umlage und gestiegene Netzentgelte

Als Gründe für die Strompreiserhöhungen geben viele Versorger gestiegene Umlagen und Netzgebühren an. So stieg allein die EEG-Umlage, über die der Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert wird und die von allen privaten Verbrauchern bezahlt werden muss, zum Jahreswechsel um rund fünf Prozent von 6,405 Cent/kWh auf 6,756 Cent/kWh. Sie macht knapp ein Viertel des gesamten Strompreises aus. Ein weiteres Viertel entfällt auf die Stromnetzgebühren aus. Auch sie haben nach Angaben von Verivox im neuen Jahr um rund vier Prozent zugelegt.

Mögliche Entlastung ab 2021

Wie Vogel weiter sagte, können Verbraucher frühestens 2021 mit einer Entlastung bei den Strompreisen rechnen. "Dann will die Bundesregierung als Ausgleich für steigende C02-Preise die Umlage für Erneuerbare Energien spürbar senken", betonte er. Wer eine Nachricht über die Preiserhöhung erhalte, sollte das Preisgefälle zum Wechsel nutzen. "Ein Vierpersonenhaushalt, der aus der Grundversorgung in den günstigsten Tarif mit verbraucherfreundlichen Bedingungen wechselt, spart durchschnittlich 256 Euro pro Jahr", fügte er hinzu und verwies auch auf das Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhungen.

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