Deutschland -

Regulierer senkt Netzentgelte Stromkonzerne wollen Preise senken

Die Bundesnetzagentur hat die von den Energiekonzernen RWE, Vattenfall und EnBW für 2008 beantragten Netzentgelttarife deutlich gesenkt.

Die Bonner Regulierungsbehörde bestätigte die bereits in den vergangenen Tagen bekanntgewordenen Kürzungen der von den Konzernen erhobenen Gebühren für die Nutzung ihrer Leitungen durch Stromlieferanten. Demnach wurden bei Vattenfall 15 Prozent der beantragten Kosten, bei RWE rund 28 Prozent und bei EnBW rund 29 Prozent von der Netzagentur nicht anerkannt. Diese deutlichen Absenkungen resultierten nach Angaben der Behörde zu einem wesentlichen Teil aus den von den Unternehmen in ihren Anträgen aufrechterhaltenen Rechtspositionen, die bereits in den vorhergehenden Entgeltgenehmigungen nicht anerkannt worden seien. Der größte deutsche Energiekonzern, Eon, muss ebenso weiter auf einen Bescheid warten wie die mehreren hundert Betreiber der regionalen und lokalen Verteilnetze.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, sagte, bei den Netzentgelten seien weitere Spielräume zur Kostenreduktion vorhanden. Die Kürzungen gingen auf keinen Fall zulasten der Qualität und Sicherheit der Netze und beeinträchtigten auch nicht die Investitionsfähigkeit der Netzbetreiber in der Zukunft.

Die Bundesnetzagentur hatte bereits für 2007 die Entgelte deutlich gekürzt. Sie will damit den Wettbewerb auf dem Energiemarkt ankurbeln. In der Vergangenheit hatten sich neue Anbieter wiederholt über Diskriminierungen beim Netzzugang beklagt. Durch die Kürzung der Netzentgelte werden letztlich auch die Stromkunden entlastet.

Nach dem Branchenführer Eon hat auch der baden-württembergische Energiekonzern EnBW angekündigt, die aus der Kürzung der Stromnetzgebühren resultierende Kostenentlastung des Stromvertriebs in vollem Umfang durch Preisreduzierungen an die Tarifkunden weiterzugeben. Wann und in welcher Dimension dies geschehe, könne das Unternehmen allerdings erst nach Vorliegen der Gebührenbescheide für die regionalen Verteilnetze sagen, berichtet die "Berliner Zeitung".

RWE teilte nach der Behördenentscheidung mit, seine Haushaltskunden würden ebenfalls an den Effekten der Senkung der Netzentgelte beteiligt. Die Preise für die Netznutzung des Übertragungsnetzbetreibers machten mit drei Prozent allerdings nur einen sehr kleinen Teil am Strompreis für Haushaltskunden aus.

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe) hat die Bundesnetzagentur per Vorabinformation auch die meisten Anträge der Stadtwerke deutlich zusammengestrichen. Wie es unter Berufung auf Branchenkreise hieß, ist mindestens eine durchschnittliche Senkung wie 2007 (14 Prozent) zu erwarten.

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, geht die Senkung der Durchleitungsgebühren aber nicht weit genug. Der Verbandschef sagte der "Bild"-Zeitung, sollten die Durchleitungsgebühren um rund ein Drittel auf das durchschnittliche europäische Niveau fallen, könnten die Stromkosten eines Durchschnittshaushalts (4 Personen) in Deutschland um rund 100 Euro pro Jahr sinken.

ddp

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten