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Schreiner-Innung München Stressfrei unter dem Dach der Innung

Wachstum gegen den Trend: Wie die Schreiner-Innung München mit ihren Dienstleistungen neue Mitglieder gewinnt.

Die Trendwende ist geschafft. Während bundesweit die meisten Innungen schrumpfen, legt die Mitgliederzahl der Schreiner-Innung München zu – um rund 30 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Was macht die Innung so anziehend?

"Wir setzen konsequent auf Dienstleistungen. Bei allen Dingen, die den Betriebsinhaber nerven, wollen wir ihn unterstützen", umreißt Schreinermeister Sascha Wein das Ziel der Innung. Als ihr Geschäftsführer hilft er den Mitgliedsbetrieben zum Beispiel beim Erstellen der Gefährdungsbeurteilung, organisiert gemeinsame Termine für arbeitsmedizinische Untersuchungen oder kostengünstige Schulungen – vom Staplerschein über den Ersthelferkurs bis hin zu Anwenderseminaren. Das kommt an bei den Schreinermeistern, die unter der zunehmenden Bürokratie leiden und unter der Angst vor dem nächsten unangekündigten Besuch der Berufsgenossenschaft.

Vom Skeptiker zum Vorstandsmitglied

Schreinermeister Thomas Schütz nennt das "entstressen". Der Inhaber der Möbelschreinerei Holzraum in Karlsfeld im Münchner Norden stand der Innung selbst zunächst skeptisch gegenüber. Zu sehr prägte die Vorstellung von Vereinsmeierei mit gemütlichem Beisammensein im Wirtshaus sein Bild der Innungsarbeit. Als er aber vor sechs Jahren zum ersten Mal einen Lehrling ausbilden wollte und von den Angeboten der Innung erfuhr, änderte sich seine Ansicht.

Inzwischen übernimmt Schütz selbst ein Ehrenamt als einer von neun Vorständen, die unter der Leitung von Obermeister Werner Plaschke und dessen Stellvertreter Michael Bayer die Geschicke der Innung steuern.

CNC-Maschine für Innungswerkstatt

Werner Plaschke, Obermeister der Schreiner-Innung München.

Auf dieses Jahr freuen sich die Schreinermeister besonders, denn die Innung bekommt eine CNC-Maschine für rund 150.000 Euro. Damit die größte Investition seit dem Bau des eigenen Gebäudes vor 16 Jahren möglich wurde, war viel Bürokratie zu bewältigen – vom Förderantrag bis zur bundesweiten Ausschreibung. "Seit mindestens vier Jahren verfolgen wir hartnäckig dieses Vorhaben. Bald können wir unseren Mitarbeitern und Lehrlingen einen CNC-Kurs an einem Fünf-Achs-Bearbeitungszentrum anbieten. Das dürfte in Bayern einzigartig sein", sagt Obermeister Plaschke voller Stolz. Mit Meister Eder und seiner Werkstatt habe ein moderner Schreinerbetrieb schon lange nichts mehr gemein.

Die Schreiner-Innung München ist aber auch ohne CNC-Technik schon sehr gut aufgestellt. Im Gebäude nahe der Messe finden sich zwei Werkstätten für überbetriebliche Lehrlingsunterweisungen sowie eine Werkstatt, in der die Innung im Auftrag der Agentur für Arbeit benachteiligte Jugendliche ausbildet. Drei Meister und eine Sozialpädagogin kümmern sich um die Ausbildung.

Zudem bieten zwei Schulungsräume Platz für Fortbildungen. Das Kursangebot reicht von Ladungssicherung über Befestigungstechnik, Brandschutz oder Knigge-Kursen bis hin zu so speziellen Themen wie Windlasten bei Fenstern. Und der Design-Doktor hilft Azubis, die nach Feierabend Ratschläge für die Arbeit an ihrem Gesellenstück suchen.

Sascha Wein, Geschäftsführer der Schreiner-Innung München.

"Wir gehen mit unseren Angeboten gerne in Vorleistung", erklärt Ge­schäftsführer Sascha Wein seine Vorgehensweise bei der Akquise neuer Innungsmitglieder. Unternehmensgründern oder -nachfolgern soll kein Aufnahmeantrag unaufgefordert ins Haus flattern. "Die haben in ihrer Startphase andere Sorgen. Aber dabei können wir helfen. Deshalb möchte ich die Betriebe zuerst kennenlernen. Der Antrag kommt später", sagt Wein. Sein Konzept scheint aufzugehen. Die Innung ist in der vergangenen Dekade von knapp 100 auf 132 Mitglieder gewachsen, die Zahl der Lehrlinge von 60 auf rund 100 pro Jahr.

Hohe Bereitschaft fürs Ehrenamt

Auch an ehrenamtlichem Engagement mangelt es nicht. Allein 70 Freiwillige stehen für den Prüfungsausschuss bereit. "Wichtig ist, dass wir alle Veranstaltungen gut vorbereiten. Die Bereitschaft zum Ehrenamt steigt mit dem Grad der Organisation", weiß Geschäftsführer Sascha Wein. Das gilt auch für den Vorstand, in dem auf Initiative von Obermeister Plaschke jedes Mitglied für ein bestimmtes Fachgebiet zuständig ist. Thomas Schütz kümmert sich zum Beispiel um Digitalisierung, weil er seinen Vier-Mann-Betrieb schon komplett umgestellt hat und auch mit CNC- Technik produziert.

Als ehemaliger Fußballer sieht Obermeister Werner Plaschke die Innung vor allem als Mannschaft, eine Interessengemeinschaft aus Teamplayern. Darin stimmt er mit seinem Geschäftsführer überein. Konkurrenzdenken sei nicht mehr zeitgemäß. Die Schreinerbetriebe der Innung sollten sich lieber als soziales Netzwerk begreifen, anstatt sich abzuschotten. Das gelte auch im Verhältnis zur Handwerkskammer für München und Oberbayern, stellt Sascha Wein klar. "Wir arbeiten gut zusammen, denn viele unserer Dienstleistungen könnten wir ohne die Unterstützung der Handwerkskammer gar nicht anbieten."

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