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E-Mobilität Streetscooter vor dem Aus: Post stoppt Produktion

Nach rund 12.000 Fahrzeugen ist Schluss. Die Post zieht die Reißleine und stoppt die Produktion des Elektrotransporters "Streetscooter". Damit muss sich der Konzern auch von anderen Zielen verabschieden.

Die Deutsche Post wird die Produktion ihrer Streetscooter-Elektrotransporter noch im Laufe des Jahres 2020 komplett einstellen. "Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt gesagt: Wir können nicht mehr warten. Wir müssen eine Entscheidung treffen", sagte Konzernchef Frank Appel in einer Telefonkonferenz. Im vergangenen Jahr habe der Streetscooter rund 100 Millionen Euro Verluste gemacht. "Das ist die logische Konsequenz", begründete Appel den Schritt. Insgesamt wurde der Streetscooter rund 12.000 Mal gebaut. Von dem Aus wird wohl auch der vollelektrische Ford Transit, das Streetscooter-Modell "Work XL", betroffen sein.

Bestehende Lieferverträge: Streetscooter will Gespräch mit Kunden suchen

Über lange Zeit hatte die Post versucht, einen Käufer zu finden. "Wir haben immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen", sagte Appel. Neubestellungen soll es nun keine mehr geben. Die Auslieferung von Fahrzeugen werde sich noch bis ins nächste Jahr ziehen. Die letzten neu produzierten Fahrzeuge sind nur noch für den eigenen Bestand.

Über bestehende Lieferverträge wolle man mit den Kunden "Gespräche in Bezug auf die Vertragserfüllung" führen. Kürzlich hatte Amazon der Post 40 Elektrotransporter abgekauft. In Zukunft soll der Streetscooter dann zur reinen Bestandsflotte umgebaut werden. Trotzdem wolle die Post ihre Flotte wie angekündigt weiterhin auf E-Antriebe umstellen.

"Das war abzusehen, dass das Ding nicht tragfähig ist"

Der Vorstand der Post rechnet für 2020 mit einmaligen Aufwendungen von 300 bis 400 Millionen Euro. Was die Nachricht für die Streetscooter-Mitarbeiter bedeutet und wie viele es davon zurzeit überhaupt gibt, wollte der Konzernchef nicht kommentieren. Gleiches gilt für die Produktionsstätten in Aachen und Düren.

"Das war abzusehen, dass das Ding nicht tragfähig ist", sagte Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer der Deutschen Presse-Agentur. Mit Blick auf das Aachener Elektroauto-Start-up eGo fügte er hinzu: "Das wird den Investoren von eGo große Angst einjagen." NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart bedauerte die Entscheidung hingegen: "Wir haben Streetscooter immer als ein NRW-Unternehmen gesehen, das mit innovativen Ideen gezeigt hat, dass Elektromobilität ein Zukunftsmarkt ist", sagte er. Die Landesregierung wolle den Prozess im Interesse der Beschäftigen eng begleiten.

Post kassiert ihr Gewinnziel

Im Zuge der Neuigkeiten schränkte die Post auch ihr bisheriges Gewinnziel für den Gesamtkonzern ein: Das schon vor Jahren ausgegebene Ziel, den operativen Gewinn (Ebit) der Post bis 2020 auf mehr als fünf Milliarden Euro zu steigern, gilt nun nur noch mit zwei Einschränkungen. So lässt zum einen das Streetscooter-Aus die Zahlen schrumpfen, außerdem dämpft das grassierende Coronavirus die Erwartungen. Analysten hatten im Schnitt selbst ohne diese neuen Belastungen für 2020 nur mit einem operativen Gewinn von knapp 4,9 Milliarden Euro gerechnet. dpa

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