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E-Mobilität: Experiment gescheitert Streetscooter sorgt für Frust bei Fensterbauern in Stuttgart

Mit einem Streetscooter wollte Albrecht Fensterbau zur Luftreinhaltung in Stuttgart beitragen. Nach sechs Monaten herrscht Ernüchterung.

Anfang September vergangenen Jahres hatte Geschäftsführer Sebastian Kraft noch voller Optimismus den ersten Elektrotransporter der Albrecht Fensterbau GmbH in Stuttgart vorgestellt. Inzwischen erklärt er das Experiment mit dem Streetscooter für gescheitert.

Mindestens 40 Ausfalltage bilanziert Kraft nach nur sechs Monaten. Der gute Wille, mit einem emissionsfreien Antrieb die Stuttgarter Luft zu entlasten und Fahrverbote zu vermeiden, schlägt um in Frustration.

Förderung steht noch aus

Die Enttäuschung wird noch dadurch verstärkt, dass von der erhofften Förderung über 7.000 Euro von Bund und Land bislang nichts auf dem Firmenkonto angekommen sei. "So wird das nichts mit der Elektromobilität", glaubt Kraft inzwischen, obwohl er auch die positiven Aspekte des Streetscooters sieht.

Alle Mitarbeiter würden gern mit dem E-Transporter fahren, der über einen kräftigen Anzug verfügt und im Koffer viel Platz bietet. Auch die Aufmerksamkeit, die der Streetscooter bei seinen Einsätzen auf sich zieht, sieht Kraft positiv.

Aber bei der Reichweite mussten die Fensterbauer erleben, dass die angegebenen 80 bis 100 km im bergigen Umland von Stuttgart nicht zu schaffen sind. "Unter Idealbedingungen im Flachland mag das funktionieren, aber bei uns sind eher 50 bis 60 km realistisch", sagt Kraft. Er hatte sich zwar auf einen höheren Aufwand für die Routenplanung eingestellt, aber durch die geringere Reichweite wurde die Planung der Kundendiensteinsätze komplizierter als erwartet.

Deutlich größer war der zusätzliche Aufwand aber durch die vielen technischen Ausfälle. Bei einem Defekt musste das Fahrzeug mit einem Transporter in die Werkstatt nach Bietigheim gebracht werden. Zwar bekamen die Fensterbauer ein Ersatzfahrzeug, aber dessen Reinigung kostete wieder wertvolle Zeit.

Kein Zugriff aufs Werkzeug

Und noch ein Ärgernis beklagt Sebastian Kraft: Wenn die Elektronik des Streetscooters einen Fehler erkennt, lassen sich die Türen nicht mehr öffnen. Damit fällt nicht nur das Fahrzeug aus, sondern auch das Werkzeug und Material im Innenraum kann nicht mehr verwendet werden.

Vorgesehen ist der Streetscooter bei Albrecht Fensterbau für Reparatureinsätze auf Kleinbaustellen im Raum Stuttgart. Werkzeug, Glas und Türen müssen dafür transportiert werden. Die Batterie wird nachts an einer normalen Steckdose geladen. Wenn alles wie in der Werbung funktionieren würde, dann wäre der Elektrotransporter durchaus für den Einsatz in dem Fensterbaubetrieb geeignet.

Doch nach gut einem halben Jahr praktischer Erfahrung kommt Sebastian Kraft zu dem Schluss, dass ein Transporter mit Verbrennungsmotor in seinem Fall die bessere Wahl gewesen wäre. Er unterstützt inzwischen die Initiative "Pro Diesel" und war auch selbst schon auf einer der Demonstrationen in Ludwigsburg dabei, wo wie in Stuttgart seit einigen Wochen Menschen für den Dieselmotor auf die Straße gehen.

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